Sonntagsgedanken: Pausen

Neulich hatte ich auf einem Bahnsteig einige Wartezeit. Kommt ja gelegentlich vor, dass man auf einem Bahnsteig Zeit totschlagen muss, bis der erwartete Zug endlich kommt. Da hing tatsächlich neben der Digitalanzeige noch so eine richtige Bahnhofsuhr, mit kleinem schwarzem Stundenzeiger, großem Minutenzeiger und natürlich dem roten Sekundenzeiger. Beharrlich dreht er Runde für Runde. Allerdings nicht durchgängig. Am Ende der vollen Minute bleibt der Sekundenzeiger einfach kurz auf der 12 stehen. Pause. Erst dann setzt sich er sich wieder in Bewegung, um in der nächsten Runde wieder kurz stehen zu bleiben.

Der Zeiger braucht den Impuls des Zeitzeichensenders um wieder in den richtigen Rhythmus zu kommen. Wenn schon die Züge nicht pünktlich sind, soll es wenigstens die Uhr sein.

Das hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen: Stehen bleiben, um wieder in den richtigen Rhythmus zu kommen. Kurze Zeit aussetzen, um sich wieder einsetzen zu können.

Nach der Pause geht es für die Uhr im normalen Tempo weiter. Wenn es die Pause nicht gäbe, käme sie aus dem Takt. Ich glaube, so würde es mir auch gehen. Ich glaube, so geht es mir oft genug.

Von Jesus wird immer wieder erzählt, dass er sich Pausen genommen hat. Augenblicke, in denen er sich zurück zog um für sich allein. In seinen Pausenzeiten hat sich Jesus Gott geöffnet. Mit Worten oder im Hören. Er hat sich von Gott neue Impulse geben lassen. Und aus all dem hat er neue Kraft gewonnen, um seinen Weg mit innerer Kraft gehen zu können.

Der August ist der Pausenmonat im Jahr. Er endet jetzt, aber zwei Wochen haben wir noch bis der Normalbetrieb wieder los geht und uns in Beschlag nimmt. Noch geht alles etwas reduzierter und langsamer. Morgen ist Sonntag, ein Geschenk Gottes an uns. Machen wir Pause und lassen uns wie die Bahnhofsuhr einen neuen Impuls geben. Die Gottesdienste laden dazu ein.

Momente mit Gott können unsere Impulsgeber sein. Jesus hat es vorgemacht. Wir müssen es ja nur nachmachen und werden wie er Stärkung und Vergewisserung erleben. Wir bekommen den Impuls, dass alles, was unsere Zeit ausmacht, alles Erfüllende und Anstrengende, Fordernde und Alltägliche von Gott gestärkt wird. Damit kann man gut in alles Kommende gehen. Ich wünsche es Ihnen.

Pfarrer Rainer Kittel, Eislingen

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