Die aktuelle Debatte über Menschen mit offenen Haftbefehlen zeigt ein grundlegendes Problem: In Deutschland sind nach aktuellen Zahlen mehr als 100.000 Haftbefehle offen. Zum 1. Juli 2026 waren im polizeilichen Informationssystem INPOL-Z insgesamt 170.667 Fahndungen zu offenen nationalen Haftbefehlen erfasst. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mahnt seit Jahren Probleme bei der konsequenten Vollstreckung von Haftbefehlen an.
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, erklärt: „Die Polizei muss überall in Deutschland in der Lage sein, Haftbefehle zu vollstrecken. Unsere Polizisten sollen Haftbefehle vollstrecken und Gefahren abwehren. Offene Haftbefehle sind keine bloßen Verwaltungsdaten, sondern konkrete Aufträge an die Polizei. Hinter ihnen stehen rechtskräftige Entscheidungen, Haftanordnungen oder der dringende Verdacht schwerer Straftaten. Es ist nicht hinnehmbar, dass sich gesuchte Personen dem Zugriff des Staates dauerhaft entziehen können.“
Kopelke unterstützt damit die Forderung nach einem konsequenteren Umgang mit offenen Haftbefehlen.
„Die aktuelle Diskussion hat einen wichtigen Punkt sichtbar gemacht: Der Staat muss wissen, wo Menschen sind, nach denen mit Haftbefehl gesucht wird. Entscheidend ist aber, dass aus einer Fahndung am Ende auch eine Festnahme wird.“
Die GdP sieht erheblichen Handlungsbedarf bei den praktischen Voraussetzungen für die Vollstreckung offener Haftbefehle. Überlastete Fahndungsdienste, fehlendes Personal, technische Defizite und unklare Zuständigkeiten erschweren die konsequente Bearbeitung.
„Die Beschäftigten in den Polizeien wissen, wo die praktischen Probleme liegen: überlastete Dienststellen und veraltete Daten über die Gesuchten. Ein Aktionsplan darf deshalb nicht nur politische Schlagzeilen produzieren. Er muss konkrete Verbesserungen bringen und mit Personal, Technik und rechtssicheren Verfahren hinterlegt sein.“
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die größte Interessenvertretung der Polizeibeschäftigten Deutschlands. Sie engagiert sich für ihre bundesweit über 210.000 Mitglieder, für die Zukunftsfähigkeit der Polizei sowie auf dem Gebiet der Sicherheits- und Gesellschaftspolitik.