Neuer Anlauf für Verbot von „Tofu-Wurst“ und „Veggie-Schnitzel“: foodwatch kritisiert EU-Parlament

Der Agrarausschuss des Europaparlaments berät am Mittwoch erneut über ein Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Lebensmittel: Begriffe wie „Burger“, „Wurst“ oder „Schnitzel“ sollen für vegetarische Produkte verboten werden. Ein solch weitreichendes Verbot war in den EU-Verhandlungen im März gerade erst gescheitert. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert den neuen Vorstoß scharf

„Ernsthaft, geht dieser Unsinn jetzt wieder von vorne los? Angesichts von Hitze, Dürre und massiven Ernteausfällen in Europa kann man sich bei dieser Verbots-Debatte nur an den Kopf greifen. Statt ‚Seitan-Schnitzel‘ oder ‚Veggie-Hack‘ zu verbieten, sollten sich die EU-Abgeordneten lieber damit beschäftigen, wie unsere Landwirtschaft trotz Klimakrise weiter sicher Lebensmittel produziert. Wir brauchen mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft – keine Namens-Verbote für Veggie-Produkte“, sagte Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland. „Niemand kauft versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaubt, es seien Rinderknacker. Ein ‚Tofuwurst‘-Verbot löst kein einziges Problem, sondern schafft im Supermarkt Verwirrung und macht europäischen Veggie-Herstellern unnötig das Leben schwer. Ausgerechnet die Produkte auszubremsen, die den Umstieg auf eine klimafreundlichere Ernährung leichter machen, ist absurd. Das ist kein Verbraucherschutz, das ist ein Geschenk an die Fleischlobby.“

Der erneute Versuch für ein weitreichendes Verbot geht auf einen Antrag der französischen EVP-Abgeordneten Céline Imart zurück. Der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments (AGRI) berät darüber am Mittwoch im Rahmen der Reform der „Gemeinsamen Marktorganisation“. Zahlreiche Begriffe sollen für Fleischersatzprodukte verboten werden – etwa Burger, Wurst, Hackfleisch, Nuggets oder Schnitzel.

Zweiter Versuch für ein Verbot

Im Oktober 2025 hatte eine Mehrheit aus EVP und rechten Fraktionen im EU-Parlament schon einmal ein ähnliches Verbot beschlossen. Nach zum Teil heftiger öffentlicher Kritik scheiterte dieser Vorschlag jedoch im März 2026 in den Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Mitgliedstaaten. Auch Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) hatte sich gegen das weitreichende Verbot ausgesprochen.

Stattdessen einigte sich die EU darauf, dass lediglich bestimme Begriffe, die sich auf Tierarten oder Fleischstücke beziehen, verboten werden – zum Beispiel „Veggie-Hühnchen“ oder „veganer Speck“. Mit dem Änderungsantrag zur Gemeinsamen Marktorganisation unternehmen konservative und rechte Abgeordnete nun einen neuen Versuch.

Verbraucher:innen lehnen Verbote ab

Eine deutliche Mehrheit der Verbraucher:innen ist gegen ein Verbot von Fleischbegriffen für pflanzliche Ersatzprodukte. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von foodwatch sehen 84 Prozent der Befragten keinen Bedarf für eine gesetzliche Einschränkung. Nur 15 Prozent befürworten ein Verbot. Zudem gaben nur 15 Prozent der Befragten an, schon einmal versehentlich ein veganes oder vegetarisches Produkt gekauft zu haben, obwohl sie eigentlich ein Fleischprodukt kaufen wollten.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

PM foodwatch e.V.

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