Straßentod bei Tieren nicht mehr hinnehmbar – BUND fordert: Tempolimits insbesondere an Waldrändern und in Weinberggebieten

Mit Entsetzen hat der BUND die Statistik des städtischen Tiernotdienstes von Stuttgart für das Jahr 2021 wahrgenommen. Vor allem die hohe Anzahl von 629 Wild- und Haustieren, die von Autos überfahren wurden, sind erschreckend. 130 Füchse und Haustiere (u.a. Hunde und Katzen), 100 Schwäne und Enten, 25 Dachse, 20 Rehe, 2 Wildschweine, 2 Waschbären, 220 „sonstige Wildtiere“ sind die traurige Bilanz für das Jahr 2021. Ausgehend von seinen Erfahrungen sind nach BUND bei „sonstigen Wildtieren“ viele Igel, Eichhörnchen und Steinmarder dabei.

Der BUND rechnet tatsächlich mit mindestens der doppelten bis dreifachen Anzahl von Straßenopfern, weil viele Tiere oft durch eine Fahrzeugkollision schwerverletzt werden, sich zwar noch von der Fahrbahn bzw. vom Fahrbahnrand schleppen können, dann aber im angrenzenden Unterholz unentdeckt qualvoll verenden.

Zu bedenken gibt der BUND auch, dass die Zahlen des Tiernotdienstes – dessen Arbeit der BUND ausdrücklich würdigt und lobt – nur größere Tiere erfassen. Überfahrene kleinere Wirbeltiere wie Kleinvögel, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger hinterlassen meist nur einen dunklen, vertrockneten Fleck auf dem Asphalt. Für das Straßennetz der Landeshauptstadt gehen diese Tieropferzahlen nach Schätzungen des BUND pro Jahr in den fünfstelligen Bereich. Darunter befinden sich zum Teil auch geschützte Arten wie z.B. Feuersalamander, Fledermäuse und Maulwürfe.

Sollten sich die Ausbreitungstrends von Wolf, Luchs und Wildkatze weiter so entwickeln wie zuletzt – im Januar 2018 wurde in Korntal-Münchingen schon ein Wolf gesichtet – dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese streng geschützten Arten in der Region unter die Autoräder kommen.

Der städtische Tiernotdienst weist daraufhin, dass insbesondere auf Straßen an Waldrändern und in Weinberggebieten die Tieropfer besonders hoch sind. Deshalb fordert der BUND Kreis- und Regionalverband Stuttgart von den zuständigen Straßenbehörden umgehend Geschwindigkeitsbeschränkungen in den betreffenden Gebieten anzuordnen. Denn, wo langsamer gefahren wird, reduziert sich erfahrungsgemäß die Anzahl von Tierunfällen.

Konkret fordert der BUND z.B. Beispiel Tempo 60 für PKW auf der Wildparkstraße im Naturschutzgebiet (!) Schwarz- und Rotwildpark – momentan 80 Stundenkilometer. Das gleich gilt für die Filderauffahrt durch das Waldgebiet zwischen Hedelfingen und Heumaden. Auch auf der B 295 zwischen Feuerbach und Weilimdorf im Bereich des Föhrichwaldes wären 50 statt momentan 60 Stundenkilometer angebracht. Auch für die Waldgebiete um den Fernsehturm, beim Asemwald, um Botnang und die Weinberggebiete im Neckartal wären Temporeduzierungen mit Rücksicht auf Wildtiere notwendig.

Zu bedenken gibt der BUND auch, dass diese Maßnahmen nicht nur dem Schutz der Tiere zugutekommen, sondern auch den Autofahrenden. Bei Unfällen mit größeren Wildtieren wie Wildschweinen und Rehe kommen oftmals auch die Fahrzeuginsassen zu Schaden.

Gerhard Pfeifer, Biologe und BUND-Geschäftsführer, betont abschließend: „Wir brauchen in Stuttgart generell beim Autoverkehr eine niedrigere Geschwindigkeitskultur – nicht nur innerorts, sondern auch außerorts. Der Schutz der Wild- und Haustiere vor dem Straßentod ist eine fachliche und moralische Verantwortung– denn auch diese Kreaturen wollen unversehrt in der Großstadt zwischen Wald und Reben leben.“

PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreis- und Regionalverband Stuttgart

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