Vom Springen zur Meisterin: Fanny Markström gewinnt das Süddeutsche Berufsreiterchampionat

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer außergewöhnlichen Reise: Fanny Markström ist Süddeutsche Berufsreiterchampionesse Dressur 2026. Die 30-jährige Schwedin, die heute in Bayern lebt und für den RFV Altötting-Mühldorf startet, setzte sich im Finale des Süddeutschen Championats der Berufsreiter durch – und schrieb damit ein ganz persönliches Kapitel Reitsportgeschichte. Denn der Weg von Fanny Markström in den professionellen Dressursport war alles andere als vorgezeichnet. Mit Pferden hatte ihre Familie zunächst nichts zu tun. Erst mit zehn Jahren saß Markström zum ersten Mal im Sattel – weil ihre beste Freundin ritt und sie es ebenfalls ausprobieren wollte. „Relativ spät“, sagt sie heute selbst über ihren Einstieg. Zunächst galt ihre Leidenschaft dem Springen.

Dann kam Zagazig.

Mit 19 Jahren kaufte Markström den damals vierjährigen Wallach. Weil der Sohn des Zuidenwind aus einer auf Brilliant zurückgehenden Mutterlinie deutlich dressurbetont gezogen war, schlug das Paar einen neuen Weg ein: vom Springen in die Dressur. Was zunächst wie eine Richtungsänderung aussah, wurde zur großen Lebensreise.

Nach dem Abitur in Schweden wollte Markström eigentlich nur ein oder zwei Jahre nach Deutschland kommen, um hier zu reiten. Sie landete bei Familie Gossner in Mühldorf, die dort einen kleinen Vielseitigkeitsstall betreibt. Dressur trainierte sie bei Ratna Wortmann – und aus dem geplanten kurzen Deutschlandaufenthalt wurden eine dreijährige Ausbildung zur Pferdewirtin bei Ratna Wortmann, bei der sie im Anschluss noch zwei Jahre Berufserfahrung sammeln durfte. Von da an gehörte ihr Herz endgültig der Dressur.

Nach ihrer Lehre wollte Markström mehr: mehr Pferde, mehr Turniere, mehr sportliche Entwicklung. Seit zwei Jahren arbeitet sie beim Gestüt Schorer. Inzwischen ist aus der jungen Schwedin eine gestandene Berufsreiterin geworden – und aus der einstigen Quereinsteigerin eine Süddeutsche Meisterin.

Der große Test: fünf Minuten, ein fremdes Pferd

Das Süddeutsche Championat der Berufsreiter Dressur ist eine besondere Prüfung des Könnens. In Marbach standen zunächst zwei Qualifikationsprüfungen auf dem Programm. Die drei besten Berufsreiter zogen ins Finale ein, in dem nicht das eigene Pferd, sondern die Pferde der anderen Finalisten geritten werden. Damit wird aus einer Dressurprüfung ein Test für das gesamte reiterliche Handwerkszeug: Ein fremdes Pferd muss in kürzester Zeit verstanden, angesprochen und sicher durch eine anspruchsvolle Prüfung auf S**-Niveau geritten werden. Für Markström war dieser Pferdewechsel eine Premiere. „Es war sehr interessant, weil ich so etwas noch nie gemacht habe“, erzählt die neue Championesse. Fünf Minuten zum Abreiten – für eine Berufsreiterin, die viele verschiedene Pferde reitet, trotzdem eine völlig andere Situation. Vor dem Start war die Aufregung groß. Doch sobald sie im Sattel saß, war sie fokussiert. „Es hat Spaß gemacht. Ich würde es gerne wieder machen.“ Die Vorbereitung auf diese besondere Herausforderung war entsprechend intensiv. Am Vorabend schaute Markström bei ClipMyHorse die Ritte ihrer Mitfinalisten an. Die Finalisten tauschten sich untereinander aus, gaben sich kleine Tipps. Konkurrenz und Kollegialität gingen dabei Hand in Hand.

Und auch der Perspektivwechsel hatte seinen besonderen Reiz: Das eigene Pferd einmal unter einem anderen Reiter zu sehen, war für Markström mindestens genauso spannend wie selbst ein fremdes Pferd zu übernehmen.

Zagazig: 16 Jahre, ein starker Charakter und eine gemeinsame Geschichte

Dass Fanny Markström überhaupt an diesem Punkt steht, hat ganz viel mit einem besonderen Pferd zu tun. Zagazig ist inzwischen 16 Jahre alt. Der Wallach ist ihr seit seinen jungen Jahren ein treuer Begleiter. Zagazig ist dabei kein Pferd, das sich in irgendeine Schablone pressen lässt. „Er ist nicht der modernste Pferdetyp“, sagt Markström. Dafür besitzt er einen ausgeprägten Charakter und einen enormen Willen. Er möchte alles richtig machen – und genau das zeigte er auch in Marbach. Nach drei Turniertagen wird Zagazig eher heißer als müder. „Er könnte noch locker drei Prüfungen gehen“, erzählt seine Reiterin mit einem Lachen. Die Geschichte dieses Paares ist deshalb weit mehr als eine Erfolgsgeschichte im Viereck. Zagazig hat Markström auf ihrem gesamten Weg begleitet. Von Jungpferdeprüfungen in Schweden bis zum Grand Prix in Deutschland und nun bis zum Titel der Süddeutschen Berufsreiterchampionesse.

Deutschland wurde zur zweiten Heimat

Dass Markström heute in Bayern lebt und dort ihre berufliche Heimat gefunden hat, war ursprünglich nicht geplant. Deutschland und Schweden unterscheiden sich im Turniersport deutlich, erklärt sie. In Deutschland gebe es wesentlich mehr Reiter und Pferde, ein systematisch aufgebautes Turniersystem und eine deutlich größere Berufsreiterorganisation. Auch Prüfungsformate und Regeln unterscheiden sich: Dressurreiterprüfungen wie in Deutschland gibt es in Schweden beispielsweise nicht, dort wird zudem nicht vorgelesen und das Reiten mit Gerte ist nicht erlaubt.

Gerade das deutsche System schätzt Markström als gute Grundlage für die Ausbildung von Pferd und Reiter. Heimweh nach Schweden hat sie nicht. Ihre Familie vermisst sie allerdings schon – doch Bayern ist für sie längst mehr als nur ein Zwischenstopp. „Es ist super schön hier“, sagt sie. Nun steht über ihrem Namen ein Titel, der eindrucksvoll zeigt, wie weit diese Reise geführt hat.

Der nächste Traum ist schon da

Viel Zeit zum Zurücklehnen bleibt der neuen Süddeutschen Berufsreiterchampionesse allerdings nicht. Mit Zagazig möchte Markström in den kommenden Monaten noch einige Grand Prix reiten und vor allem Routine auf diesem Niveau sammeln. Und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern: In diesem Jahr hat die 30-Jährige ein neues dreijähriges Pferd gekauft. Ob daraus eines Tages das nächste Top-Pferd wird? Das bleibt abzuwarten. Ihr wichtigstes Ziel bleibt dabei ganz bodenständig: „Hoffentlich bleiben alle gesund.“

Bei allem sportlichen Ehrgeiz weiß Fanny Markström, dass solche Erfolge nie allein entstehen. Einen besonderen Dank richtet sie an Andreas Schorer vom Gestüt Schorer für die Unterstützung und die Möglichkeit, sich dort sportlich weiterzuentwickeln, sowie an ihre Trainerin Lisa-Maria Klössinger, die sie auf ihrem Weg begleitet und auch vor dem Championatsfinale den entscheidenden Impuls gab, das eigene Pferd mitzubringen und nachzunennen. „Ich möchte mich außerdem ganz herzlich bei Catrin Matheis und meinem Freund Christian bedanken. Beide unterstützen mich schon so lange und stehen immer hinter mir – das bedeutet mir sehr viel.“

Für den Moment aber darf Fanny Markström genießen, was sie gemeinsam mit Zagazig und ihrem gesamten Team erreicht hat. Und vielleicht ist dieser Titel nicht das Ende ihrer Reise, sondern erst der Anfang des nächsten Kapitels.

PM Festival des Dressurpferdes

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/freizeit/211685/vom-springen-zur-meisterin-fanny-markstroem-gewinnt-das-sueddeutsche-berufsreiterchampionat/

Schreibe einen Kommentar