Fischadler brüten viertes Mal in Baden-Württemberg: „Luke“ und „Leia“ beringt – Staatssekretär Baumann unterstützt NABU-Wiederansiedlungsprojekt als Namenspate

Die Fischadlerfamilie in Baden-Württemberg wächst weiter. Zum vierten Mal haben die imposanten Greifvögel auf einem im Wald installierten Horst am Oberrhein bei Rastatt gebrütet. Jetzt wurden die Jungvögel vom NABU im Beisein von Umweltstaatssekretär Andre Baumann beringt, der als Star Wars-Fan zwei symbolträchtige Namen vorschlug: „Luke und Leia zeigen, wie viel Erneuerungskraft in der Natur steckt – ganz ohne Spezialeffekte haben die Fischadler ihre Jungen aufgezogen und gegen Feinde verteidigt. Die Rückkehr der Fischadler nach Baden-Württemberg belegt, dass Visionen wahr werden können, wenn Fachwissen und Leidenschaft zusammenkommen. Ich wünsche dem NABU und seinem Projektteam weiter viel Erfolg. Möge die Macht der Natur weiter mit Luke und Leia sein“, so Baumann mit einem Augenzwinkern. Die Beringung live miterlebt haben auch die Landtagsabgeordneten des Landkreises Rastatt, Dr. Alexander Becker (CDU) und Thomas Hentschel (Grüne). 

Langfristiger Artenschutz zahlt sich aus

Es ist die dritte erfolgreiche Brut, seitdem die Greifvögel 1907 im Südwesten ausgerottet worden waren und dann nach 116 Jahren erstmals 2023 wieder Jungtiere geschlüpft sind. Denn vergangenes Jahr hat ein Nesträuber, vermutlich ein Baummarder, die vier Eier von Weibchen Chronos und Männchen Kepler gefressen. „Dramen im Nest gibt es immer wieder. Wichtig ist, dass wir in Baden-Württemberg im Artenschutz vorankommen, dafür sind der Schutz und die Wiederherstellung von Lebensräumen elementar. Angesichts des dramatischen Artensterbens ist der Fischadler-Nachwuchs ein toller Lichtblick mit einer Botschaft: Dranbleiben lohnt sich. Geduld, Leidenschaft und Ausdauer zahlen sich aus“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.

Das Engagement des NABU für den Fischadler ist nicht ganz so alt wie „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983). Aber bereits seit 1990 setzt sich Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums, im Rahmen eines Langzeit-Forschungs- und Artenschutzprojekts für die Fischadler ein. Mit dem diesjährigen Nachwuchs sind insgesamt sieben Jungvögel in Rastatt flügge geworden. Damit steigt die Chance, dass in den nächsten zehn Jahren mehrere Fischadlerpaare im Südwesten ihren Nachwuchs großziehen. Unterstützt werden sie dabei vom NABU, der weitere Nisthilfen in luftiger Höhe für die Fischjäger anbringt. Von den vier in Deutschland vorkommenden Adlerarten (See-, Schrei-, Stein- und Fischadler, alle gefährdet) sind sie die einzigen, die wieder in Baden-Württemberg brüten.

Zwei Ringe zur Wiedererkennung

Zum Beringen erklimmt Profi-Kletterer Max Unger den Horst und seilt die Jungtiere vorsichtig aus 25 Metern Höhe sicher in einem Sack ab. Unten angekommen, fallen die Vögel in eine Schreckstarre und erhalten einen ersten Gesundheitscheck, werden gewogen und vermessen. Das Ergebnis: „Die beiden – vermutlich ein Weibchen und ein Männchen – haben ein prächtiges Gefieder ausgebildet und die Hitzephase zum Glück gut überstanden. Die Vögel riechen intensiv und ganz typisch nach Fisch. Ihre Eltern haben einen super Job gemacht und die Jungen trotz wechselhaftem Wetter gut geschützt“, erklärt Schmidt-Rothmund. Mit ihrem etwa fünf Gramm leichten Ring an jedem Bein sind die Tiere eindeutig identifizierbar. Nach wenigen Minuten geht es mit dem Seillift sicher nach oben, zurück in die Kinderstube über den Baumwipfeln. Im Horst kehrt binnen weniger Minuten wieder Familien-Normalität ein. Mitte Juli werden die Jungvögel ihre ersten Flugübungen machen. Im August verlassen sie die badische Oberrheinebene und legen rund 5.000 Kilometer bis ins westliche Afrika zurück, wo sie überwintern.

Fischadler im Südwesten

  • Bruterfolg: Im Jahr 2023 haben Chronos und Kepler als erstes Fischadlerpaar nach über 115 Jahren erfolgreich in Baden-Württemberg gebrütet. Seitdem wurden sieben Jungtiere beringt.
  • Ausrottung: Im 19. Jahrhundert war der Fischadler in Baden-Württemberg noch entlang von Donau, Rhein, Neckar sowie an Kocher und Jagst beheimatet. Als vermeintlichen Nahrungskonkurrenten jagten Menschen den Greifvogel erbarmungslos, plünderten seine Gelege und fällten Horstbäume, bis zu seiner Ausrottung 1907 im Südwesten.
  • Rückkehr: Aktuell leben zwei Fischadlerpaare am Oberrhein, auf deutscher und französischer Seite, einige Kilometer entfernt voneinander. Die Jungtiere von 2023 und 2024 vagabundieren aktuell umher. Ob sie sich in Frankreich, in der Schweiz oder an ihrem Heimatort am Oberrhein niederlassen, ist offen. Mögliche Reviere wären an der Donau, am Rhein oder am Bodensee.
  • Besonderheit: Fischadler jagen oberflächennah nach Fischen wie Brachsen und Rotaugen, die sie mit ihren Fängen zielsicher greifen. Gekrümmte Krallen, raue Schuppen und ein Wendezeh verhindern, dass die Fische beim Fangen durchflutschen. Damit ihr Gefieder beim Tauchen nicht durchnässt, fetten und pflegen sie es akribisch.
  • Engagement: NABU-Ornithologe Dr. Daniel Schmidt-Rothmund setzt sich seit Jahrzehnten für die Rückkehr der Fischadler in den Südwesten ein, was viel Zeit, Energie, Geduld und viel Geld erfordert. Mehr als 30 Plattformen hat der NABU seitdem auf hohen Bäumen installiert. Möglich machen das ein großes Netz aus Ehrenamtlichen, vogelbegeisterten Spenderinnen und Spendern sowie die Bereitschaft von ForstBW, Gemeinden und Privatwaldbesitzenden, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen. Im Zuge eines Projekts mit der französischen Partnerorganisation LPO (Liga für Vogelschutz) am Oberrhein kamen zehn Nisthilfen beidseits des Rheins zwischen Basel und Karlsruhe hinzu.
  • Kooperation: Das Fischadler-Projekt ist durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der LPO Alsace, ein Interreg-Projekt des NABU Südbaden und die Kooperation mit dem NABU-Bezirksverband Mittlerer Oberrhein möglich geworden. Die Schweizer Stiftung Pro Pandion, die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe sowie private Spenderinnen und Spendern unterstützen das Projekt finanziell.

 

Weitere Infos:

 

Foto (Carolin Thorwarth): Dr. Daniel Schmidt-Rothmund beringt zwei jungen Fischadlern bei Rastatt

 

PM NABU Baden-Württemberg

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