Das Portal Filstalexpress berichtet am 25.8.2026 über großflächige Schmierereien am Berufsschulzentrum in Schwäbisch Gmünd – Fassade, Dach, Sportplatz, alles betroffen. Hakenkreuze, grob hingeschmiert, wie ein verzweifelter Versuch, Bedeutung zu erzwingen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Das ist kein politisches Statement, sondern ein psychologisches Symptom.
Wer solche Zeichen setzt, zeigt keinen Mut, sondern ein beschädigtes Selbstwertgefühl. Einen Selbstwert, der nicht gelernt hat, sich aus Leistung, Arbeit, Verantwortung und Gemeinschaft zu entwickeln. Stattdessen: Lautstärke statt Inhalt, Farbe statt Charakter, Symbole statt Haltung.
Gerade hier auf der Ostalb fällt das besonders auf. In einer Region, in der Menschen früh aufstehen, anpacken und Verantwortung tragen. In der Selbstwert nicht aus Provokation entsteht, sondern aus dem täglichen „Ich mach’s trotzdem“. Die Schmierereien stehen im krassen Gegensatz zu dem, was diese Region ausmacht – und zu dem, was unsere Schulen leisten.
Denn während draußen Hakenkreuze auf Wände gekritzelt werden, sitzen drinnen Jugendliche, die ihre Zukunft planen. Sie lernen, dass Selbstwert entsteht, wenn man etwas schafft: eine Prüfung, ein Projekt, eine schwierige Woche. Genau deshalb trifft diese Tat einen Nerv. Sie zeigt, wie weit manche sich von echter Stärke entfernt haben.
Der Bericht der Rems-Zeitung liefert die Fakten. Doch die psychologische Dimension dahinter ist ebenso wichtig: Solche Taten können Ausdruck innerer Leere sein – des Wunsches, gesehen zu werden, ohne etwas geleistet zu haben, und des Irrglaubens, Bedeutung lasse sich auf Mauern pinseln.
Unsere Schulen sind Orte der Zukunft – keine Leinwände für Selbstwert-Ersatzhandlungen. Die Ostalb darf solche Zeichen nicht einfach überstreichen. Sie muss sie einordnen und klar sagen: Selbstwert entsteht nicht durch Zerstörung, sondern durch Leistung. Wer unsere Werte beschmiert, soll sie wenigstens einmal erklärt bekommen – vielleicht zum ersten Mal in einem Raum, in dem Zukunft nicht zerstört, sondern gebaut wird.
Alfred Brandner