Seit 1980 sitze ich in Fortbildungen für Rettungsfachpersonal. Jahrzehntelang in Präsenz, oft im Bundeswehrkrankenhaus Ulm – dort, wo Professoren, Chefärzte und Oberärzte Notfallmedizin auf Weltniveau vermittelten. Diese Lehrgänge waren legendär, prägend, unverzichtbar.
Dann kam Corona. Und plötzlich saß der Professor nicht mehr vor mir – sondern auf meinem Schreibtisch, live zugeschaltet über NOW TO GO oder AGNNW. Seit 2021 läuft die gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildung digital: Professoren, Fachärzte, Assistenzärzte – alle online, alle live, alle fachlich top.
Die Qualität blieb. Aber etwas Entscheidendes ging verloren.
Die Kollegen, mit denen man Jahrzehnte Einsätze gefahren ist, sitzen nicht mehr neben einem. Kein Schulterklopfen. Kein Fachsimpeln in der Pause. Keine Kameradschaft. Präsenz war immer mehr als Unterricht – sie war Begegnung, Austausch, Zusammenhalt.
In Berufen wie Notfallmedizin, Gewaltprävention und Gefahrenabwehr ist lebenslanges Lernen Pflicht. Theorie allein reicht nicht. Kompetenz entsteht aus Erfahrung, Wissen und ständiger Weiterbildung – und aus Menschen, die echte Einsatzlagen kennen.
Als Rettungsfachkraft, Autor und Dozent weiß ich, wie wichtig professionelle Aus‑ und Fortbildung ist. Die Lehrgänge an Kliniken, Universitäten und spezialisierten Einrichtungen haben mich geprägt. Besonders die Kurse unter hochrangigen Bundeswehroffizieren und renommierten Medizinern bleiben unvergessen.
Kompetenz heißt: Wissen. Können. Wollen. Und die Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln.
Ob Präsenz oder Online-Live-Fortbildung: Entscheidend ist, Verantwortung zu übernehmen, Wissen aktuell zu halten und es weiterzugeben. Fachlichkeit und Professionalität müssen bleiben – und an die nächste Generation weitergereicht werden.
Ich bleibe am Thema.
Alfred Brandner