Übung im Tunnel – Rund 500 Kräfte üben im Bosslertunnel der Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm den Ernstfall

In einer Großübung üben am Samstag, den 05.11.2022 rund 500 Kräfte einen Einsatz im Bosslertunnel der Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm. Vor der Inbetriebnahme der Neubaustrecke im Dezember 2022 stellt dies die finale Abschlussübung für die Hilfskräfte in der Tunnelkette zwischen Aichelberg und Hohenstadtt dar.

Als Übungsannahme wurde vom Landkratsamt Göppingen ein im Tunnel liegengebliebener Zug ausgewählt, in dem sich ein Brand entwickelt. Glücklicherweise ist dies nach Einschätzung des zuständigen Kreisbrandmeisters Dr. Michael Reick ein sehr unwahrscheinliches Szenario, ein Lokführer hat in so einem Fall diverse Möglichkeiten um den Zug außerhalb des Tunnels zum Stehen zu bringen. Dennoch eignet sich das gewählte Szenario sehr gut um die verschiedensten Maßnahmen der Hilfskräfte zu beüben. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren werden daher bei der Übung im Tunnel die Löschwasserversorgung in Betrieb nehmen müssen und nach der Vornahme von Löschröhren im künstlich vernebelten Bereich Löschmaßnahmen vornehmen. Parallel hierzu ist das Absuchen des Tunnels und des Zuges auf weitere Personen und Verletzte erforderlich. Rund 40 Statisten werden sich als Reisende im Zug befinden und rund 20 Personen sind hiervon vom Rettungsdienst vorab so geschminkt, dass diese entsprechende Verletzungsmuster aufweisen. Soweit diese Personen gehfähig sind müssen diese ggf. von den Feuerwehrkräften zum nächsten Verbindungsbauwerk begleitet werden, nicht gehfähige Personen und auch verschiedene Übungspuppen sind von den Einsatzkräften mit Tragekörben zu retten. Parallel zu all diesen Maßnahmen werden sich einzelne Statisten selbst in Sicherheit bringen wollen und in den Tunnelröhren zu den Portalen laufen. Auf die Einsatzkräfte kommen im Tunnel daher viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig zu.

In den letzten Jahren wurden insbesondere von den Feuerwehren hierzu bereits zahlreiche Übungen in den Baustellenbereichen der Bahntunnel durchgeführt. Insgesamt 26 Feuerwehrangehörige aus dem Landkreis Göppingen waren jeweils mehrere Tage zur Ausbildung in einer Übungsanlage in der Schweiz und wurden in die Besonderheiten der Brandbekämpfung und Rettung aus Schienenfahrzeugen in Tunneln eingewiesen. Als Multiplikatoren haben diese ihre Feuerwehrkameraden dann vor Ort ausgebildet und eine Vielzahl von Aus- und Fortbildungen durchgeführt. Tunnelspezifische Ausrüstung wird den Feuerwehren von der Bahn zur Verfügung gestellt. Letztlich können die Feuerwehren jedoch im Ereignisfall mit ihren normalen Einsatzfahrzeugen in die parallel verlaufende Röhre einfahren. Die Röhren sind hierfür für Straßenfahrzeuge befahrbar ausgeführt und so breit, dass sich die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren darin im Begegnungsverkehr bewegen können. Den Feuerwehren stehen Löschwasserentnahmestellen, Stromanschlüsse und eine Funkanlage in den Tunneln zur Verfügung.

Für die Besonderheiten der Tunnelkette zwischen Aichelberg und Hohenstadt wurde ein separater Einsatzplan erstellt. Dieser sieht die Beteiligung von zwölf Feuerwehren für den Ersteinsatz vor. Neben den Feuerwehren Aichelberg, Zell u. A., Göppingen, Gruibingen, Mühlhausen, Wiesensteig, Bad Ditzenbach, Drackenstein und Hohenstadt auch die Feuerwehren aus Weilheim/Teck, Laichingen und Merklingen aus den benachbarten Kreisen. Weitere Untersütztungseinheiten werden dann bei Bedarf aus dem Landkreis Göppingen bzw. aus den benachbarten Landkreisen vorgesehen. Die Einsatzplanungen wurden hierzu kreisübergreifend aufeinander abgestimmt.

Bei dieser Übung geht es final um das Zusammenfügen der Handlungen verschiedener Kräfte zu einem gemeinsamen und kreisübergreifenden Einsatz der Hilfsorganisationen”, erklärt der zuständige Kreisbrandmeister Michael Reick.

Die Zufahrt zu den Tunneln erfolgte über die Portale auf den Gemarkungen Aichelberg, Mühlhausen und Hohenstadt. Die Tunnel sind hierbei so ausgelegt, dass die Feuerwehren über die nicht betroffene parallel verlaufende Tunnelröhre anfahren und dann über die alle 500 m entfernt vorhandenen Verbindungsbauwerke in die betroffene Röhre vorgehen.

Bei der Übung werden rund 40 Statisten im Zug sein, hiervon rund 20 mit Verletzungen geschminkt. Diese mussten von den rund 250 Einsatzkräften der Feuerwehren gerettet werden und über die nicht betroffene Röhre aus dem Tunnel zu den Behandlungsplätzen des Rettungsdienstes transportiert werden. Dies wird in der Übung durch Fahrzeuge der Feuerwehren und des Rettungsdienstes gemeinsam durchgeführt. Die Rettungsdienste bereiten in Aichelberg und Hohenstadt entsprechende Behandlungsplätze vor und führen dort die weitere Versorgung der Verletzten, deren Registrierung und den Weitertransport durch. Hierzu werden rund 150 Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes, der Leitenden Notarztgruppe und weitere Fachdienste zum Einsatz kommen. Das THW wird mit den Ortsverbänden Göppingen, Gruibingen und Kirchheim hierbei ebenfalls unterstützen.

Eine gemeinsame Einsatzleitung mit ca. 15 Personen wird den gesamten Übungseinsatz zu koordinieren haben. In diese Einsatzleitung werden auch Vertreter der Polizei, der Bahn und ggf. weitere Verbindungspersonen integriert.

Der Übungsverlauf ist abhängig von einer Übung am Vormittag in Ulm (Albabstiegstunnel) sowie den Einspielungen durch eine rund 15 Personen umfassende Übungsleitung. Der Verlauf ist daher noch in gewissen Grenzen variabel und entscheidet sich erst während der Übung. Das Übungsende ist gegen 17 Uhr vorgesehen – bzw. rund 3 Stunden nach dem möglichen Übungsbeginn. Um auf reale Einsätze während der Dauer der Notfallübung vorbereitet zu sein werden bei den beteiligten Feuerwehren Einsatzreserven in den Feuerwehrhäusern bereithalten.

Insbesondere an der Straße zwischen Aichelberg und Weilheim kann es durch ein- und ausfahrende Einsatzfahrzeuge zu kurzfristigen Behinderungen kommen. Die für einen Realeinsatz geplante Sperrung dieser Landstraße während des Einsatzes soll während der Notfallübung nicht durchgeführt werden.

 

PM Landratsamt Göppingen Kreisbrandmeister

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