Anstieg der Arbeitslosigkeit schwächt sich ab

20 769 Frauen und Männer waren im Juni arbeitslos gemeldet

Arbeitslosenquote stieg auf 4,6 Prozent

5 730 offene Arbeitsstellen waren gemeldet

9 167 Anzeigen zu Kurzarbeit seit März

Kreisreport_GP_06_2020

Die Arbeitslosigkeit ist im Juni im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen mit den Landkreisen Esslingen und Göppingen weiter gestiegen: Insgesamt waren im vergangenen Monat 20 769 Frauen und Männer ohne Arbeit. Das ist ein Plus im Vergleich zu Mai um 589 Personen oder 2,9 Prozent. Gegenüber Juni 2019 waren 6 352 Menschen mehr arbeitslos gemeldet (plus 44,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, stieg von 4,5 Prozent im Mai auf jetzt 4,6 Prozent (Juni 2019: 3,2 Prozent).

Von allen Arbeitslosen im Agenturbezirk gehörten 11 043 Personen der Arbeitslosenversicherung an und wurden von der Arbeitsagentur betreut.

9 726 Personen waren in der Grundsicherung gemeldet und wurden von den Jobcentern in den beiden Landkreisen Esslingen und Göppingen betreut.

Für die Monate März bis Juni liegen rund 9 170 Anzeigen von Betrieben oder Betriebsabteilungen zu Kurzarbeit vor. Davon könnten bis zu 153 500 Arbeitnehmer betroffen sein.

Corona prägt auch im Juni den Arbeitsmarkt. Die Pandemie ließ die Arbeitslosigkeit noch einmal steigen. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ist gesunken, die Kurzarbeit weiter auf einem sehr hohen Niveau. Normalerweise steigen im Juni die Stellen und die Arbeitslosigkeit sinkt. Gleichzeitig gibt es aber auch positive Signale vom Arbeitsmarkt: Die Entwicklung seit Pandemiebeginn hätte eine stärkere Zunahme der Arbeitslosigkeit erwarten lassen. Dass sie jetzt doch verhältnismäßig moderat ausgefallen ist, zeigt, dass das Instrument Kurzarbeitergeld trägt. Ansonsten hätten sich sicherlich deutlich mehr Menschen arbeitslos gemeldet. Außerdem haben die Stellenzugänge und Arbeitsaufnahmen von Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat wieder zugelegt, wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Das bedeutet, der Arbeitsmarkt bietet auch Beschäftigungschancen, beispielsweise im Einzelhandel oder in Verkehr- und Logistikberufen“, fasst Thekla Schlör, Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur, die aktuellen Zahlen für Juni zusammen.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den beiden Landkreisen

Landkreis Esslingen

Im Landkreis Esslingen waren im Juni insgesamt 13 373 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 507 Personen oder 3,9 Prozent mehr als im Mai, und 3 785 (plus 39,5 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Die Arbeitslosenquote betrug 4,3 Prozent (Esslingen: 4,6 Prozent; Kirchheim: 4,4 Prozent; Leinfelden-Echterdingen: 3,9 Prozent und Nürtingen: 4,1 Prozent).
Im Juni 2019 lag sie bei 3,1 Prozent.

Landkreis Göppingen

Im Landkreis Göppingen waren im Juni insgesamt 7 396 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 82 mehr (plus 1,1 Prozent) als im Mai, und 2 567 (plus 53,2 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Der Landkreis Göppingen verzeichnete eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Geschäftsstelle in Göppingen: 5,0 Prozent; Geschäftsstelle in Geislingen: 5,5 Prozent). Im Vorjahr lag sie bei 3,4 Prozent.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei den Personengruppen

Im Juni waren 292 Jugendliche unter 20 Jahren arbeitslos gemeldet. Das waren sieben Personen oder 2,3 Prozent weniger als vor einem Monat, aber 82 Personen oder 39,0 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Bei den jungen Menschen unter 25 Jahren waren es 2 196 Arbeitslose, 37 oder 1,7 Prozent mehr als im Vormonat, und 863 Personen oder 64,7 Prozent mehr als im Juni 2019.

Die Zahl der 50-jährigen und älteren Arbeitslosen ist im Vergleich zu Mai um 167 (plus 2,6 Prozent) auf 6 702 Personen gestiegen. Das waren 1 653 Personen oder 32,7 Prozent mehr als im Juni 2019.

4 508 Menschen waren im Juni seit mindestens einem Jahr bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern arbeitslos gemeldet und galten damit als langzeitarbeitslos. Das waren 264 Personen (plus 6,2 Prozent) mehr als im Vormonat, und 846 (plus 23,1 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat.

Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen nahm um 27 Personen (plus 2,8 Prozent) zu und lag bei 1 001 Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 112 schwerbehinderte Menschen mehr arbeitslos gemeldet (plus 12,6 Prozent).

Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung, die neben der Zahl der Arbeitslosen auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, ist gegenüber dem Vormonat um 349 Personen (plus 1,4 Prozent) gestiegen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Juni bei 25 626 Personen. Das waren
5 250 (plus 25,8 Prozent) mehr als vor einem Jahr.

Angebot an Arbeitsstellen

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen waren im Juni 5 730 Stellen beim gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und der Jobcenter zur Besetzung gemeldet. Gegenüber Mai ist das ein Rückgang um 58 Stellen (minus 1,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr gab es 4 873 Stellen (minus 46,0 Prozent) weniger. Insgesamt wurden 1 286 Stellen neu gemeldet. Das waren 91 (plus 7,6 Prozent) mehr als im Mai, aber 1 708 (minus 57,0 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat.

Ausbildungsstellenmarkt

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober letzten Jahres wurden 5 226 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 8,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Bewerberzahlen sind mit 4 215 als Zwischenstand 5,4 Prozent niedriger als im Vorjahr. „Die Zahl der bei uns gemeldeten Ausbildungsplätze lag bereits seit Oktober 2019 unter der Zahl der Vorjahre – ein Anzeichen der strukturellen Veränderungen, die sich auch am Ausbildungsmarkt bemerkbar machten. Wie jetzt die Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt einwirkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verlässlich sagen. Wir hoffen aber und raten den Unternehmen, auch in der Krise an der Ausbildung im eigenen Haus festzuhalten und sich so die Fachkräfte der Zukunft zu sichern. Denn nach der Krise ist vor dem Fachkräftebedarf“, rät Schlör.

Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 waren 314 442 Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt: 2 845 (plus 0,9 Prozent) mehr als im Vorjahresquartal. In Baden-Württemberg lag der Beschäftigungsaufbau mit 1,1 Prozent etwas höher.

Zahl der Kurzarbeiter und kurzarbeitenden Betriebe

Die Zahlen zur angezeigten, also geplanten Kurzarbeit liegen der Agentur für Arbeit von März bis Juni als addierte Werte vor. Insgesamt zeigten in diesen vier Monaten 9 167 Betriebe oder Betriebsabteilungen Kurzarbeit für 153 515 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an.

Im Landkreis Esslingen waren es 6 150 Betriebe oder Betriebsabteilungen mit 99 651 Beschäftigten.

Im Landkreis Göppingen waren es 3 017 Betriebe oder Betriebsabteilungen mit
53 864 Beschäftigten.

„Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt erkennen, wobei in den letzten beiden Monaten deutlich weniger Anzeigen neu hinzugekommen sind“, so Schlör. Da die Betriebe bei der Anzeige von Kurzarbeit meist den vollen Zeitraum von zwölf Monaten ausgeschöpft und ihre Meldung schon zu Beginn der Krise geschickt haben, stagniert die Zahl der Anzeigen auf einem hohen Niveau.

Anzeigen bilden ab, ob und in welchem Umfang Betriebe Kurzarbeit planen. Erst wenn die Löhne abgerechnet sind und der Antrag bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt wurde, zeigt sich, in welchem Umfang tatsächlich kurzgearbeitet wurde.

Kurzarbeitergeld wird vom Arbeitgeber ausgezahlt und danach abgerechnet

Wenn ein Betrieb nach vorheriger Anzeige in einem Monat tatsächlich Kurzarbeit durchführt, zahlt er neben dem Lohn für geleistete Arbeit auch das Kurzarbeitergeld an die Beschäftigten aus. Er sendet anschließend eine Abrechnungsliste für jeden Beschäftigten an die Arbeitsagentur. Dafür hat er gesetzlich bis zu drei Monate Zeit. Nachdem die Unterlagen eingegangen sind, werden diese geprüft und das Kurzarbeitergeld (KUG) an das Unternehmen ausgezahlt. Wegen dieser nachträglichen Abrechnung liegen der Bundesagentur für Arbeit (BA) die statistischen Daten zu tatsächlich realisierter Kurzarbeit erst nach einigen Wochen vor.

 

PM Agentur für Arbeit Göppingen

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