Göppinger Konjunktur erreicht höchsten Stand seit drei Jahren – Nachhaltigkeit des Aufschwungs bleibt offen

Die wirtschaftliche Lage im Kreis Göppingen hat sich zum Herbst 2026 deutlich verbessert. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart für den Kreis Göppingen. Nachdem der Lageindikator im Frühsommer noch leicht im negativen Bereich lag, steigt er nun auf 12,3 Punkte und erreicht damit den besten Wert seit drei Jahren. Rund ein Drittel der Unternehmen bewertet seine Geschäftslage aktuell als gut, während nur noch jedes fünfte Unternehmen von einer schlechten Lage berichtet.

„Viele Unternehmen können nach schwierigen Jahren erstmals wieder vorsichtig nach vorne schauen. Das ist ein wichtiges Signal für den Wirtschaftsstandort Göppingen. Jetzt muss aus der leichten Erholung ein nachhaltiger Aufschwung werden.“, sagt die Präsidentin der IHK Bezirkskammer Göppingen, Edith Strassacker.

In allen Kreisen der Region Stuttgart verbessert sich die Lage der Unternehmen, wobei im Kreis Göppingen dieser Anstieg überdurchschnittlich ausfällt. Treiber des Aufschwungs ist vor allem die Industrie. Dort verbessert sich der Lageindikator innerhalb weniger Monate von minus 1,4 auf plus 9,4 Punkte. Einschließlich des Baugewerbes liegt der Wert sogar bei 16,4 Punkten (im Frühsommer 4,5 Punkte).

Trotz der verbesserten Lage bleibt der Blick in die Zukunft allerdings vorsichtig. Der Erwartungsindikator für die Gesamtwirtschaft verbessert sich zwar von minus 18,7 auf minus 3,0 Punkte, liegt aber weiterhin unter der Nulllinie. Zwar rechnen inzwischen 22,4 Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten, gleichzeitig erwarten aber immer noch 25,5 Prozent eine Verschlechterung. Besonders im Handel und bei den Dienstleistern bleiben die Erwartungen verhalten. Gleichzeitig hellen sich die Geschäftserwartungen der Industrie deutlich auf. Der Erwartungsindikator der Industrie steigt auf 17,2 Punkte und erreicht damit den höchsten Stand seit fünf Jahren. Mehr als ein Drittel der Industrieunternehmen rechnet mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten.

„Die Unternehmen schöpfen wieder etwas Zuversicht. Doch die wirtschaftliche Erholung steht noch auf keinem breiten Fundament. Hohe Arbeits- und Energiekosten, eine schwache Inlandsnachfrage sowie die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten belasten viele Betriebe weiterhin“, so Strassacker. „Jetzt kommt es darauf an, die wiedergewonnene Dynamik nicht durch zusätzliche Belastungen auszubremsen. Wettbewerbsfähige Standortbedingungen, verlässliche politische Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie bleiben entscheidend für eine nachhaltige Erholung.“

Auch die Auftragseingänge entwickeln sich erkennbar positiver. Der Indikator verbessert sich von minus 14,3 auf minus 2,6 Punkte und nähert sich damit dem positiven Bereich an. Parallel dazu haben sich auch die Exporterwartungen erholt. Nachdem die Unternehmen im Frühsommer noch überwiegend pessimistisch auf das Auslandsgeschäft blickten, liegt der Exportindikator mit 10,9 Punkten nun wieder im positiven Bereich. Vor allem die exportorientierte Industrie sieht bessere Perspektiven auf den internationalen Märkten.

Wieder besser entwickeln sich zudem die Investitionsabsichten. Während die Unternehmen im Frühsommer noch eine rückläufige Investitionsbereitschaft meldeten, liegt der Investitionsindikator mit 2,4 wieder leicht im positiven Bereich. Das ist der beste Wert seit vier Jahren. Den Zehn-Jahres-Durchschnitt von 3,7 erreicht er allerdings noch nicht. Vor dem Hintergrund der expansiven Investitionspolitik des Staates entwickelt sich dieser Indikator immer noch verhalten. Alle Branchen melden steigende Investitionsbereitschaft. Gleichzeitig gewinnen Zukunftsthemen wie Innovation und Digitalisierung weiter an Bedeutung.

Einzig die Beschäftigungserwartungen sind weiterhin negativ. Der Indikator verharrt auf einem negativen Wert von minus 16,5, knapp unter dem Wert im Frühsommer. Aufgrund der im internationalen Vergleich weiterhin schwierigen Standortbedingungen sind die Verlagerungstendenzen insbesondere in der Industrie ungebremst. Das trägt dazu bei, dass Arbeitsplätze zunehmend im Ausland entstehen und ein deutlicher Beschäftigungsaufbau im Filstal derzeit nicht absehbar ist.

Zu den größten Risiken zählen aus Sicht der Unternehmen weiterhin die Inlandsnachfrage (63,3 Prozent), die Arbeitskosten (61,2 Prozent) sowie die Energiekosten (53,9 Prozent).

Die Ergebnisse für den Kreis Göppingen im Einzelnen:

Geschäftslage: Gute Einschätzungen der Lage überwiegen

Die Geschäftslage der Unternehmen im Kreis Göppingen hat sich zum Herbst 2026 deutlich verbessert. Nachdem der Gesamtindex im Frühsommer mit minus 1,8 Punkten noch im negativen Bereich lag, steigt er nun auf 12,3 Punkte und erreicht damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut bewerten, erhöht sich gegenüber der Umfrage im Frühsommer deutlich von 22,4 Prozent auf 32,8 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Unternehmen mit einer schlechten Lageeinschätzung von 24,2 Prozent auf 20,5 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit einer lediglich befriedigenden Lagebewertung geht von 53,4 Prozent auf 46,7 Prozent zurück. Der Lageindikator, der sich aus dem Saldo positiver und negativer Meldungen ergibt, verbessert sich damit um mehr als 14 Punkte. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in Industrie und Bau. Nachdem der Lageindikator im Frühsommer noch bei 4,5 Punkten lag, steigt er im Herbst auf 16,4 Punkte. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten Geschäftslage erhöht sich dabei von 26,7 Prozent auf 38,3 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Unternehmen mit negativer Lagebewertung leicht von 22,2 Prozent auf 22,0 Prozent. Auch die Dienstleistungsbranche kann ihre Lageeinschätzung verbessern. Der Lageindikator steigt von 6,5 auf 14,7 Punkte. Dabei erhöht sich der Anteil positiver Bewertungen von 23,8 Prozent auf 32,4 Prozent. Der Handel bleibt zwar weiterhin die schwächste Branche im Landkreis, zeigt jedoch die deutlichste Erholung. Der Lageindikator verbessert sich von minus 33,3 Punkten auf minus 3,2 Punkte. Der Anteil der Unternehmen mit guter Geschäftslage verdoppelt sich nahezu von 9,5 Prozent auf 19,4 Prozent, während sich die negativen Bewertungen von 42,9 Prozent auf 22,6 Prozent nahezu halbieren. Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass die wirtschaftliche Talsohle im Kreis Göppingen vorerst durchschritten sein könnte.

Geschäftserwartungen: Deutlich aufgehellt aber noch kein Selbstläufer

Noch stärker als die aktuelle Geschäftslage haben sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen im Kreis Göppingen verbessert. Nachdem der Erwartungsindikator im Frühsommer mit minus 18,7 Punkten einen sehr niedrigen Wert erreicht hatte, steigt er zum Herbst 2026 deutlich auf minus 3,0 Punkte. Die Unternehmen blicken damit wesentlich zuversichtlicher auf die kommenden zwölf Monate als noch vor wenigen Monaten. 22,4 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten. Im Frühsommer lag dieser Anteil noch bei 13,7 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Unternehmen mit negativen Erwartungen von 32,4 Prozent auf 25,5 Prozent. Der Saldo aus positiven und negativen Meldungen verbessert sich damit um mehr als 15 Punkte. Die stärkste Stimmungsaufhellung zeigt sich erneut in der Industrie. Der IHK-Indikator für die Geschäftserwartungen steigt von 4,0 Punkten im Frühsommer auf 17,2 Punkte und erreicht damit den höchsten Wert seit mehreren Jahren. Beim Handeln und bei den Dienstleistern liegen die Erwartungen weiterhin im negativen Bereich, mit positiver Tendenz.

Auftragseingang: Talsohle scheint erreicht

Die Auftragseingänge entwickeln sich zum Herbst 2026 spürbar positiver. Zwar liegt der Indikator mit minus 2,6 Punkten weiterhin leicht im negativen Bereich, gegenüber dem Frühsommer (minus 14,3 Punkte) verbessert sich die Entwicklung jedoch deutlich. Vor allem der Anteil der Unternehmen mit steigenden Auftragseingängen nimmt zu. Damit nähert sich der Indikator erstmals seit längerer Zeit wieder der Nulllinie an und signalisiert eine weitgehende Stabilisierung der Nachfrage. Diese positiven Signale kommen vor allem aus dem Handel und von den Dienstleistern. Die Auftragseingänge in der Industrie fallen leicht.

Exporterwartungen: Internationales Geschäft sorgt für Rückenwind

Nach der kurzen Eintrübung im Frühsommer haben sich auch die Exporterwartungen wieder erholt. Die exportorientierten Unternehmen im Kreis Göppingen blicken wieder deutlich optimistischer auf ihre Auslandsgeschäfte, vor allem die Industrie. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Auslandserwartungen bleibt mit 27,5 Prozent annähernd gleich. Der Anteil der Unternehmen mit fallenden Erwartungen verschiebt sich aber zugunsten der gleichbleibenden Erwartungen (plus 14 Prozentpunkte). Die Erwartungen verbessern sich damit unterm Strich wieder. Der Exportindikator liegt mit plus 10,9 Punkten im positiven Bereich, zum Frühsommer lag der Wert mit minus 2,7 Punkten noch im negativen Bereich. Damit entwickelt sich das Auslandsgeschäft erneut zu einer wichtigen Stütze der Göppinger Wirtschaft. Die besseren Exportaussichten stärken auch die allgemeinen Geschäftserwartungen. Gleichzeitig bleiben geopolitische Konflikte, handelspolitische Unsicherheiten und die Entwicklung wichtiger Absatzmärkte Risikofaktoren für die weitere Entwicklung.

Investitionen: Unternehmen gewinnen wieder Vertrauen

Die verbesserte Stimmung schlägt sich auch in den Investitionsplänen nieder. Nachdem der Investitionsindikator im Frühsommer mit knapp minus 9 Punkten noch deutlich negativ war, steigt er zum Herbst wieder in den positiven Bereich auf 2,4 Punkte. Der Anteil der Unternehmen, die Investitionssteigerungen planen steigt erstmals seit länger Zeit wieder über 30 Prozent. Die Zahl der Unternehmen mit sinkenden Investitionsvolumina geht zurück. Dies ist ein wichtiges Signal, da Investitionen häufig als Frühindikator für das Vertrauen der Unternehmen in die zukünftige Geschäftsentwicklung gelten. Der Anstieg betrifft alle Branchen. Den größten Sprung macht der Handel mit über 30 Prozentpunkten Verbesserung auf minus 18,2 Punkte, allerdings kommend von einem niedrigen Niveau.

Die Unternehmen investieren zum Herbst 2026 weiterhin überwiegend in die Themen Ersatzbedarf (62,4 Prozent) sowie Digitalisierung (55,2 Prozent). Das Thema Umweltschutz sowie Energieeffizienz gewinnen erneut an Bedeutung. Die Nennungen steigen hier von 14,7 Prozent auf 23,4 Prozent seit Jahresbeginn.

Beschäftigungserwartungen weiterhin überwiegend negativ

Die Beschäftigungserwartungen bleiben zum Herbst 2026 annähernd auf dem niedrigen Niveau vom Frühsommer. Mit 15,8 Prozent wieder etwas mehr der Unternehmen sehen in den nächsten 12 Monaten einen steigenden Bedarf (zum Frühsommer 2026 waren es 13,5 Prozent). Gleichzeit meldet fast jedes dritte Unternehmen eine fallende Beschäftigungserwartung (Frühsommer: 29,8 Prozent). Etwas mehr als jedes zweite Unternehmen im Filstal möchte die Beschäftigung weiterhin stabil halten (minus 4,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Frühsommer). Die meisten Unternehmen gehen so weiterhin von weniger Personal in der näheren Zukunft aus. Mögliche Ursachen sind die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland sowie der zunehmende Einsatz von Automatisierung und künstlicher Intelligenz. Die Branchen entwickeln sich gegensätzlich. Sinkende Beschäftigungsindikatoren zeigt die Industrie von minus 11,2 auf minus 18,9 Punkte sowie der Handel von minus 33,3 auf minus 41,9 Punkte. Bei den Dienstleistern steigt der Indikator von minus 13,9 auf minus 1,4.

Geschäftsrisiken: Schwache Nachfrage bleibt größtes Problem

Trotz der verbesserten Konjunkturentwicklung sehen die Unternehmen weiterhin erhebliche Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung. An erster Stelle steht nun wieder die Inlandsnachfrage, die von 63,3 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt wird. Auf den folgenden Plätzen liegen die Arbeitskosten (61,2 Prozent) sowie die Energiekosten (53,9 Prozent). Diese waren im Frühsommer mit 61,8 Prozent noch auf Platz 1. Auch geopolitische Spannungen (44,8 Prozent) und Rohstoffkosten (36,1 Prozent) werden von vielen Unternehmen als Belastungsfaktoren genannt. Relevanter wird auch wieder die Wirtschaftspolitik. 35,7 Prozent der Unternehmen nennen diese als Risiko. Das sind fast 6 Prozent mehr als noch im Frühsommer.

PM IHK Region Stuttgart Bezirkskammer Göppingen

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