Hitze und Trockenheit setzen Feuchtgebieten und vielen bedrohten Arten zunehmend zu. Wie Wiedervernässung und der Biber als natürlicher „Ökosystemgestalter“ helfen können, Wasser in der Landschaft zu halten und die Artenvielfalt zu schützen.
Der allseits spürbare Klimawandel mit langanhaltenden Hitze- und Trockenperioden verändern die Gewässerlandschaften auch im Regierungsbezirk Stuttgart spürbar. Der veränderte Wasserhaushalt der Landschaft – austrocknende Bäche und Feuchtgebiete sowie sinkende Grundwasserstände – beeinträchtigt die Widerstandsfähigkeit der Natur gegenüber den Folgen des Klimawandels und hat bedeutende Folgen für die Artenvielfalt.
Besonders dramatisch ist die Situation für Arten, die auf feuchte Lebensräume angewiesen sind. Der bedrohte Kiebitz findet auf ausgetrockneten Äckern und Wiesen zunehmend weniger Nahrung – mit gravierenden Folgen besonders für seine Küken. Wo flache, vernässte Bereiche fehlen, ziehen sich Regenwürmer und andere Bodenlebewesen in tiefere Bodenschichten zurück und sind für die Vögel kaum noch erreichbar. Mit der Austrocknung der Feuchtflächen verschwindet zugleich wertvoller Lebensraum für zahlreiche weitere Vogelarten, Amphibien oder Insekten.
Mit der Wiedervernässung von Feuchtgebieten schafft das Regierungspräsidium Stuttgart wertvolle Lebensräume für Kiebitz, Wachtelkönig und zahlreiche weitere bedrohte Arten. Wie diese Maßnahmen gefährdeten Feldvögeln helfen, zeigt der Kurzfilm „Eine Insel für den Kiebitz“.
Der Biber erweist sich hierbei als ein natürlicher Verbündeter zur Abpufferung der Folgen des Klimawandels. Mit seinen Bauaktivitäten schafft er natürliche Wasserspeicher, hält Wasser länger in der Landschaft und entwickelt wertvolle Feuchtlebensräume. Internationale Studien zeigen, dass Biberlandschaften Trockenperioden deutlich besser überstehen und damit sowohl die Artenvielfalt als auch die Klimaresilienz stärken.
In unserer stark drainierten Landschaft sind Biberseen und angrenzende Feuchtlebensräume bei anhaltenden Trockenphasen oftmals die letzten Rückzugsgebiete für viele Tierarten wie Muscheln, Fische oder Libellen. Hiervon profitiert nicht zuletzt auch der bundesweit stark gefährdete Kiebitz. So konnte in diesem Jahr im Gemeindegebiet von Satteldorf im Landkreis Schwäbisch Hall, eine spontane Kiebitzbrut auf einer vom Biber geschaffenen Feuchtfläche beobachtet werden.
Doch auch der Biber leidet unter der zunehmenden Trockenheit. Fallen Gewässer trocken, verlieren seine Baue ihren Schutz, Reviere werden aufgegeben und Biberfamilien geraten unter Druck. Der Klimawandel bedroht damit nicht nur die von ihm geschaffenen Feuchtlebensräume, sondern auch den „Ökosystemgestalter“ selbst.
„Die aktuelle Hitze zeigt, wie verletzlich unsere Gewässerlandschaften geworden sind. Jeder erhaltene oder wiederhergestellte Feuchtlebensraum gewinnt an Bedeutung. Biberreviere speichern Wasser, fördern die Artenvielfalt, stabilisieren den Wasserhaushalt und stärken die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften gegenüber dem Klimawandel. Der Schutz des Bibers und der von ihm geschaffenen Lebensräume sind daher Investitionen in die Zukunft“, erklärt Florian Back vom Referat für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Stuttgart.
Die aktuellen Wetterextreme zeigen, wie wichtig es ist, Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten. Der Erhalt und die Wiederherstellung von Feuchtlebensräumen leisten dazu einen wichtigen Beitrag – für die Artenvielfalt und eine widerstandsfähigere Landschaft.
Hintergrundinformationen
Das Regierungspräsidium Stuttgart ist als höhere Naturschutzbehörde unter anderem für den Schutz wertvoller Lebensräume und den Erhalt der biologischen Vielfalt zuständig. Dazu gehört auch, die Rückkehr des Bibers zu begleiten, seine positiven Wirkungen auf Gewässer und Feuchtlebensräume zu fördern und zugleich Lösungen für mögliche Nutzungskonflikte zu finden.
Seit Ende der 1990er-Jahre kehrt der Biber nach Baden-Württemberg zurück. Die Population wird derzeit auf rund 11.700 Tiere geschätzt. Mit seinen Bau- und Grabaktivitäten gestaltet der Biber Gewässer und deren Umfeld und schafft strukturreiche Feuchtlebensräume. Diese bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten geeignete Lebensbedingungen und können insbesondere bei zunehmender Hitze und Trockenheit dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten.
Im Regierungsbezirk Stuttgart unterstützen zwei Biberbeauftragte des Regierungspräsidiums die unteren Naturschutzbehörden sowie mehr als 100 ehrenamtliche Biberberaterinnen und -berater in den Landkreisen. Das Netzwerk berät vor Ort und unterstützt bei der Entwicklung von Lösungen für Konflikte zwischen Mensch und Biber. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zum Schutz von Bäumen, Ufern und Dämmen.
Weitere Informationen zum Bibermanagement im Regierungsbezirk Stuttgart finden Sie auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Stuttgart.
PM Regierungsbezirk Stuttgart