Realitäts-Check Soziale Arbeit: ver.di-Befragung zeigt Personallücken und Abstriche bei der Qualität – nötig sind verbindliche Personalvorgaben und gute Qualifikation

In der Sozialen Arbeit belasten deutliche Personallücken und Arbeitsverdichtung nicht nur die Beschäftigten, sondern beeinträchtigen auch die fachliche Qualität der Versorgung, die Verwirklichung der Rechte von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie die Verlässlichkeit sozialer Infrastruktur. Das sind zentrale Befunde des ver.di-Realitäts-Checks Soziale Arbeit, für den ver.di gemeinsam mit dem Fuldaer Professor Nikolaus Meyer und dem Mannheimer Professor Yalçın Kutlu 373 Team-Meinungsbilder aus verschiedenen Arbeitsfeldern, darunter Kindertagesstätten und Jugendämter, in diesem Sommer erfasst und ausgewertet hat. Die Teams wurden zu ihrer Situation befragt, zu Personalbesetzung, Arbeitsbelastung, Einkommen, Beschäftigungssicherheit und Zukunft der jeweiligen Einrichtung.

Ergebnisse der Befragung sind unter anderem: 79 Prozent der Teams sagen, dass ihre Arbeitsmenge deutlich gestiegen ist. 77 Prozent der Teams können die Rechte oder Bedürfnisse der Adressatinnen und Adressaten (Kinder, Jugendliche, Familien usw.) oft oder sehr häufig nicht voll realisieren. 79 Prozent der Teams berichten über oft oder sehr häufig zu verzeichnende Abstriche an der Qualität der Arbeit. Knapp 79 Prozent der Teams erreichen bei der Arbeit oft oder sehr häufig die persönliche Belastungsgrenze. 81 Prozent der Teams sehen Bedarf für mindestens eine zusätzlich Vollzeitstelle in ihrem Bereich. Und mehr als 87 Prozent der Teams haben Sorge, den Beruf nicht bis zum Renteneintrittsalter ausüben zu können.

Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende, erklärt dazu: „Die Ergebnisse unseres Realitäts-Checks Soziale Arbeit sind ein Alarmsignal. Die Leidtragenden sind die Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Aber es belastet zunehmend auch die Beschäftigten in den Einrichtungen, denn sie wollen helfen, können dies aber aufgrund der mangelnden Bedingungen oft nicht mehr oder nur unzureichend.“

Offene Stellen, Krankheitsausfälle, Personalübergänge und schlechte Personalausstattung erzeugten dauerhafte Unterbesetzung, so Behle weiter. „Das schränkt die Fachlichkeit und die Rechte der Adressatinnen und Adressaten wie Kinder, Jugendliche und Familien ein. Gleichzeitig bedeutet das, dass die Beschäftigten dauerhaft unter sehr hoher Belastung arbeiten müssen, was wiederum zu Erkrankungen und Fluktuation führt. Zur Abhilfe fordern wir eine verbindliche Personalbemessung und eine entsprechende Personalausstattung. Darüber hinaus brauchen die Beschäftigten Entlastung, um gesund arbeiten und das Renteneintrittsalter im ausgeübten Beruf erreichen zu können.“

Die Ergebnisse der Befragung zeigten zudem, dass die zu betreuenden Fälle immer komplexer würden. Dies habe auch mit der gesellschaftlichen Situation zu tun, die für viele geprägt sei durch Armut, Arbeitslosigkeit, Flucht, Krieg. Behle: „In dieser Situation, die sich durch einen Abbau des Sozialstaats weiter verschärfen würde, ist unsere Forderung klar: Wir brauchen gut ausgebildetes Personal – der Staat darf nicht an der Qualifikation sparen.“

Weiterer Befund der Befragung ist die Sorge der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze und deren Gestaltung. Die Ergebnisse der Befragung zeigten, dass die Beschäftigten nicht ausreichend darüber informiert würden, wie die Institutionen umgebaut werden, zum Beispiel auf Grund der demografischen Entwicklung oder durch Reformgesetze. Behle abschließend: „Nötig ist die Partizipation der Beschäftigten an den entsprechenden Aushandlungsprozessen. Die Beschäftigten selbst sind Expertinnen und Experten, und sie werden durch ihre betriebliche Interessenvertretung und ihre Gewerkschaft unterstützt. Sinkende Kinderzahlen müssen genutzt werden, um die Personalschlüssel zu erhöhen.“

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