- IG Metall-Betriebsrätebefragung zeigt Anzeichen für Erholung
- Benner: „Wer Krisenstimmung ausnutzt, bekommt unseren Widerstand“
Die Industrie-Beschäftigten haben wieder mehr zu tun: Fast alle Branchen der IG Metall erleben einen Anstieg ihrer Wirtschaftsdaten, wenn auch von unterschiedlichen Niveaus. Das ergibt die neueste Betriebsrätebefragung der Gewerkschaft. Zwar hält der Stellenabbau derzeit noch an, allerdings gibt es auch hier Zeichen für eine Entspannung.
63 Prozent der Betriebsräte registrieren in den Branchen der IG Metall eine gute oder sehr gute Kapazitätsauslastung – sechs Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025. 58 Prozent berichten von guten bis sehr guten Aussichten in den kommenden drei bis sechs Monaten.
Auffallend ist, dass auch jedes sechste Unternehmen mit guten oder sehr guten betrieblichen Aussichten noch Stammbelegschaft abbaut. Vor drei Jahren lag der Anteil bei nur 5 Prozent. Jetzt nutzen 15 Prozent der Betriebe entgegen der wirtschaftlichen Notwendigkeit die Situation für Stellenabbau aus.
Besonders positiv sind die Aussichten im sonstigen Fahrzeugbau (Schiffe, Schiene, Flugzeuge) und in der Elektrotechnik. Durchwachsen dagegen ist die Situation in der Autoindustrie. Eine deutliche Erholung zeigen zentrale Zukunftsbereiche: Vor allem Produzenten für die Elektromobilität profitieren von einer steigenden Nachfrage, Unternehmen der Rüstungsbranche von staatlichen Ausgaben. Die Bereiche Stahl sowie Metallerzeugung bleiben noch hinter dem Durchschnitt zurück. Sorgen machen sich die Betriebsräte in vom wirtschaftlichen Wandel betroffenen Betrieben mit Blick auf Zukunftsprodukte: Eine überzeugende Transformationsstrategie können sie in nicht einmal der Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) erkennen.
Gleichzeitig steigen die Frühindikatoren für Aufschwung auch auf dem Arbeitsmarkt: Erstmals seit 2023 bauen Betriebe mit Leihbeschäftigten dieses Personal wieder mehr auf (28 Prozent) als ab (22 Prozent). Ebenso sind in mehr Betrieben die Arbeitszeitkonten von einem „übermäßigen Aufbau“ von Arbeitszeit (16 Prozent) als von einem „übermäßigen Abbau“ (12 Prozent) gekennzeichnet. Erstmals seit dem Frühjahr 2023 überwiegt der „übermäßige Aufbau“ von Arbeitszeitkonten.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, sagt: „Trotz eines global schwierigeren Umfelds haben wir gute Gründe für vorsichtigen Optimismus – erst recht, wenn endlich mehr Geld in Investitionen und Kaufkraft fließt. Die Wirtschaftsdaten sind positiver als es das rückwärtsgewandte Gejammer vieler Arbeitgeber Glauben macht. Wir lassen es nicht zu, wenn der Standort und die Beschäftigten schlechtgeredet werden. Wer die Krise anderer für eine Prekarisierung bei Arbeitsbedingungen und Beschäftigung ausnutzt, bekommt unseren Widerstand zu spüren.“
Info:
Mit ihrer Betriebsrätebefragung befragt die IG Metall halbjährlich Betriebe ihrer Branchen (Metall-Elektro-Industrie, Stahl, Handwerk, Textile Branchen etc.). An der aktuellen Befragung im Zeitraum vom 27.07. bis 21.08.2026 beteiligten sich 2457 Betriebe, die über 1,3 Millionen Beschäftigte repräsentieren.
IG Metall