Wer sie in einer Gartenecke hat, kommt früher oder später sicher auf den Geschmack. „Brennnesseln sind vielfältig – sie sind zugleich Heilpflanze, vitaminreiches Gemüse, kostenloser Dünger und Futterpflanze für viele Raupen“, sagt NABU-Pflanzenexpertin Aniela Arnold. Die Fachfrau des NABU Baden-Württemberg plädiert für eine andere Sicht auf das wehrhafte „Unkraut“, das man am besten nur mit Handschuhen anfasst.
Mit dem gefürchteten Brennen schützt sich die Nessel gegen Fressfeinde. Es entsteht, wenn die mit Kieselsäure angereicherten Brennhaare abbrechen, in die Haut eindringen und dort Histamine, Ameisensäure und Acetylcholin freigeben. Neben dieser schmerzhaften Eigenschaft hat die Brennnessel viele positive. Sie ist seit Jahrhunderten als Heil- und Kulturpflanze bekannt. Sie enthält Vitamin A und C, Kalium, Kalzium, Eisen und Chlorophyll. „Der hohe Nährstoff- und Vitamingehalt macht die Brennnessel schon fast zu einem Wundermittel“, sagt Arnold. Paracelsus wusste bereits vor 500 Jahren: „Wenn man sie kocht und mit Pfeffer oder Ingwer mischt und auflegt, hilft dies bei Gelenkschmerzen.“ Bis heute werden Brennnesseln als pflanzlicher Wirkstoff bei verschiedenen Beschwerden, wie leichten Gelenkschmerzen, eingesetzt. Die Samen sind essbar, sie werden in vielen Kulturen als Aphrodisiakum genutzt. 2022 war die Große Brennnessel sogar Heilpflanze des Jahres.
Auch im Garten ist die Nessel nützlich. Brennnessel-Brühe ist ein gutes Mittel gegen Blattläuse und Milben. Als Jauche ist die Pflanze ein kostenloser Stickstoffdünger, der leicht hergestellt werden kann: Die Pflanzen vor der Blüte ernten und in einen Eimer mit Regenwasser geben. Zwei Wochen stehen lassen und im Verhältnis eins zu zehn verdünnen – fertig!
Nicht nur für uns Menschen bietet die Brennnessel viel Gutes, auch Insekten lieben sie. „Die Brennnessel ist Raupenfutterpflanze für mehr als 30 heimische Falterarten, darunter Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral“, so Arnold. Um mehr über die Beziehung zwischen Insekt und Pflanze zu erfahren, hat der NABU eine Meldeaktion zu Raupen an Brennnesseln gestartet.
Meldeaktion: Wo frisst die Raupe?
Wer draußen unterwegs oder im Garten ist, sollte sich Brennnesseln ganz genau anschauen. Im Sommer können die Pflanzen zum Raupen-Hotspot werden. Denn für einige Arten sind sie die einzige Pflanze, auf der die Weibchen ihre Eier ablegen und Raupen sich entwickeln können. Mit der neuen Meldeaktion „Raupen an Brennnesseln“ laden NABU und das Naturbeobachtungsportal NABU|naturgucker unter www.NABU.de/raupen-melden Naturfreundinnen und -freunde dazu ein, selbst zu entdecken, welche Raupen an den Pflanzen zu finden sind und diese bis zum 8. Juli zu melden – auch in Baden-Württemberg. Im Fokus stehen fünf Arten: Tagpfauenauge, C-Falter, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen.
Die Beobachtungen aus der Meldeaktion können helfen, Verbreitung und Häufigkeit der Raupen besser zu dokumentieren und Rückschlüsse auf die Entwicklung der Falterarten zu ziehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil Schmetterlinge als Bioindikatoren gelten: Sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen von Lebensräumen, Klima und Landnutzung. Ihre Beobachtung gibt frühzeitig Hinweise auf ökologische Veränderungen.
Raupen melden: www.NABU.de/raupen-melden
Hintergrund:
- Tipp: Viele Infos zum Naturgärtnern bietet die kostenfreie Webinar-Reihe „Ein Jahr im Naturgarten“ im Rahmen des Projekts „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“. Weitere Infos: www.MenschNatur.org
PM NABU Baden-Württemberg