Bilanz des ersten Halbjahres 2026: Handwerk wächst so stark wie seit 2021 nicht mehr

Mehr Zugänge und erstmals seit Jahren weniger Abgänge sorgen für ein deutliches Plus. Hinter der positiven Entwicklung zeigen sich jedoch Unterschiede zwischen den Gewerken.
Zum 30. Juni 2026 waren 145.266 Betriebe bei den baden-württembergischen Handwerkskammern eingetragen. Seit Jahresbeginn ist der Bestand damit um 942 Betriebe oder 0,7 Prozent gewachsen. Ein stärkeres Plus hatte es zuletzt im ersten Halbjahr 2021 gegeben. Mit 8.212 Eintragungen wurde zugleich ein neuer Höchststand erreicht. Die Zahl der Abgänge sank erstmals seit 2021 auf 7.270, liegt im längerfristigen Vergleich aber weiterhin auf hohem Niveau.
„Das Handwerk zeigt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine bemerkenswerte Stabilität und Gründungsdynamik“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. „Dass mehr Betriebe hinzukommen und zugleich weniger vom Markt verschwinden, ist ein gutes Signal. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich die einzelnen Bereiche sehr unterschiedlich entwickeln.“
Das Wachstum konzentriert sich weiterhin vor allem auf das zulassungsfreie Handwerk. Dort stieg der Betriebsbestand seit Jahresbeginn um 3,5 Prozent. Die größten Zuwächse verzeichneten wie in den Vorjahren die Gebäudereiniger mit 764 zusätzlichen Betrieben und die Kosmetiker mit einem Plus von 443. Dahinter folgen die handwerksähnlichen Bodenleger mit 160 und die Fotografen mit 149 zusätzlichen Betrieben. Auch das handwerksähnliche Gewerbe legte insgesamt um 1,0 Prozent zu. Damit setzt sich der Trend zu kleineren, nicht zulassungspflichtigen Einheiten fort.
Anders sieht es im zulassungspflichtigen Handwerk aus. Hier waren zum Stichtag 88.476 Betriebe eingetragen, 596 beziehungsweise 0,7 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Der Rückgang fiel geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dennoch komme es vor allem in diesem Bereich darauf an, Betriebsaufgaben zu verhindern und Nachfolgen zu sichern. Denn gerade das zulassungspflichtige Handwerk sei bei Arbeitsplätzen und Ausbildungsengagement führend. Handwerk BW erwartet daher vom Land die Sicherung der Nachfolgeprogramme, so wie im Koalitionsvertrag vereinbart.
Positive Ausnahmen gibt es auch hier: Die Elektrotechniker legten um 99 Betriebe zu. Bei den Friseuren gab es mit einem Plus von 35 erstmals seit drei Jahren wieder einen Zuwachs. Auch bei den Kraftfahrzeugtechnikern ging es mit 30 zusätzlichen Betrieben erstmals seit 2021 wieder aufwärts.
Aber die Entwicklung bei den Feinwerkmechanikern bleibt angespannt. Ihr Bestand ging um 94 Betriebe zurück. Nachdem sich das Minus bereits im ersten Halbjahr 2025 deutlich verstärkt hatte, nahm es nun nochmals leicht zu. Für Handwerk BW ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass die anhaltende Schwäche der Industrie auch handwerkliche Zulieferbetriebe trifft.
„Die insgesamt positive Bilanz darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Druck auf viele Betriebe hoch bleibt“, sagt Reichhold. „Das Handwerk kann ein Stabilitätsanker für Baden-Württemberg sein – dafür muss die Politik Mittelstand und Handwerk aber konsequent im Blick behalten und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.“ Dazu gehöre auch die Fortsetzung von Horizont Handwerk. Mit der Zukunftsinitiative unterstützen Handwerk BW und die Handwerkskammern Betriebe dabei, sich für kommende Herausforderungen aufzustellen.
Mehr Zugänge, weniger Abgänge: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 8.212 Handwerksbetriebe neu eingetragen – so viele wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe. Gleichzeitig sank die Zahl der Abgänge auf 7.270. Quelle: HANDWERK BW, Betriebsstatistik 1. Halbjahr 2026
Bei Fragen stehe ich zur Verfügung.

PM Baden-Württembergischer-Handwerkstag e.V.

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