Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) unterstützt die Forderung des Berufsschullehrerverbands, die Berufsorientierung an den beruflichen Schulen stärker zu verankern. Aktuell bleiben duale Ausbildung, Berufsorientierung und berufliche Schulen – trotz ihrer zentralen Rolle für Fachkräftesicherung und wirtschaftliche Stabilität – im Sondierungspapier weitgehend unerwähnt.
Hier besteht aus Sicht der Wirtschaft noch deutlich Nachholbedarf. „Baden-Württemberg verfügt über ein starkes Bildungssystem, und die beruflichen Schulen leisten wertvolle Arbeit. Damit das so bleibt, dürfen bei den Koalitionsverhandlungen nicht allein die allgemeinbildenden Schulen im Fokus stehen – auch die beruflichen Schulen müssen angemessen berücksichtigt werden,“ sagt Andrea Bosch, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und Fachkräfte der IHK Region Stuttgart. Die IHK ist im BWIHK beim Thema Ausbildung federführend. „Fachlehrkräfte an beruflichen Schulen können in Werkstätten, Laboren und in moderner Lernumgebung Schüle-rinnen und Schüler authentische Einblicke in Berufe geben und diese erlebbar machen.“
Duale Ausbildung stärken
„Deutschland wird international um die duale Ausbildung beneidet. Sie ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die seit Jahrzehnten niedrige Jugendarbeitslosigkeit im OECD-Vergleich“, so Bosch. Umso wichtiger sei aus Sicht der Bildungsexpertin, alles dafür zu tun, dass die duale Ausbildung auch künftig erfolgreich bleibe und für junge Menschen eine echte Alternative zum Studium darstelle. Dazu gehöre ebenso, dass wieder mehr Absolventinnen und Absolventen direkt im Anschluss an die allgemeinbildende Schule der Übergang in eine duale Ausbildung gelänge.
Bosch: „Das bedeutet auch, dass vollzeitschulische Angebote regelmäßig überprüft und bei Bedarf an veränderte Anforderungen angepasst werden müssen.“ Die Heterogenität in den Klassen nehme laut Bosch zu, und nicht alle Schülerinnen und Schüler verfügten über aus-reichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht gut folgen zu können. Dies könne zu wachsendem Schulabsentismus beitragen. Gleichzeitig müsse die Landesregierung die Berufsschulen personell und sachlich so ausstatten, dass sie die duale Ausbildung in Betrieben unterstützen und ergänzen können.
Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen. Zweck des BWIHK ist es, in allen die baden-württembergische Wirtschaft und die Mitgliedskammern insgesamt betreffenden Belangen gemeinsame Auffassungen zu erzielen und diese gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und anderen Institutionen zu vertreten.
PM Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag