Deutschlandweite Aphasiestudie sucht ProbandInnen im Kreis Göppinge

Die Studie DC Train Aphasia untersucht die Wirksamkeit intensiver Sprachtherapie bei Aphasie mit therapiebegleitender transkranieller Gleichstromstimulation und wird an der Universitätsmedizin Greifswald koordiniert. Bis Ende 2023 können sich Interessierte melden.

Erste Studien in den vergangenen Jahren konnten die Wirksamkeit intensiver Sprachtherapie bei Menschen mit chronischer Aphasie nach einem Schlaganfall belegen (Breitenstein, Grewe, Flöel et al., 2017). In der aktuellen Aphasiestudie DC_Train_Aphasia wird überprüft, ob die Effekte einer intensiven Sprachtherapie in Verbindung mit nicht-invasiver Hirnstimulation, sog. Transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS), verstärkt werden können. PatientInnen erhalten eine intensive Sprachtherapie à 12,5 Stunden pro Woche (3 Wochen), die entweder mit tDCS oder einer Placebo-Stimulation kombiniert wird. Es handelt sich um eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte multizentrische Studie, welche in 19 Studienzentren deutschlandweit angeboten wird, so auch im Klinikum Christophsbad in Göppingen. DC_Train_Aphasia basiert auf der Annahme, dass das Gehirn nach einem Schlaganfall besser aktiviert wird, wenn zusätzlich zu der Sprachtherapie ein leichter Strom durch die Schädeldecke geleitet wird. In der Vergangenheit wurden in verschiedenen Studien (u.a. Darkow et al., 2017; Meinzer et al., 2016) bereits Erfolge dieser Methode für die sprachliche Rehabilitation festgestellt. Für die Zukunft klingt die Methode äußerst vielversprechend, denn sie ist kostengünstig, leicht einzusetzen, nicht-invasiv und sicher.

Geleitet wird die Studie von Prof. Dr. Agnes Flöel, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald. Frau Prof. Flöel setzt sich bereits seit längerer Zeit mit der Neuroplastizität auseinander, also mit der Fähigkeit des Gehirns, zu lernen und sich neuen Herausforderungen anzupassen.  Wenn die Aphasiestudie die gewünschten Erfolge erzielt, ist das Team um Frau Prof. Flöel zuversichtlich, dass die eingesetzte Methode mit tDCS zukünftig routinemäßig in der Sprachtherapie eingesetzt werden kann.

Teilnehmende PatientInnen erhalten im Rahmen der Aphasiestudie in jedem Falle ein wirksames, logopädisches Intensivprogramm.

Teilnehmende werden für die Studie noch bis einschließlich Ende 2023 gesucht.

Weitere Informationen sind auf unserer Homepage unter https://aphasie-hirnstimulation.de/ zu finden.

Bewerben können Sie sich bei uns per Mail: aphasie@uni-greifswald.de oder per Telefon mit dem Stichwort “Aphasie” unter 03834 – 86 – 6758.

Gut zu wissen

Laut der Deutschen Schlaganfall-Hilfe (2017) tritt bei ca. 30% der PatientInnen mit einem erstmaligen Schlaganfall eine Aphasie auf. An der DC_Train_Aphasia Studie können PatientInnen mit chronischer Aphasie teilnehmen. Dies meint alle Sprachstörungen, die ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall weiter bestehen.

Quellen

Breitenstein, C., Grewe, T., Flöel, A., Ziegler, W., Springer, L., Martus, P., et al (2017). Intensive speech and language therapy in patients with chronic aphasia after stroke: a randomised, open-label, blinded-endpoint,controlled trial in a health-care setting. Lancet, 389(10078), 1528–1538.

Darkow, R., Martin, A., Würtz, A., Flöel, A., & Meinzer, M. (2017). Transcranial direct current stimulation effects on neural processing in post-stroke aphasia. Human Brain Mapping, 38(3), 1518–1531.

Meinzer, M., Darkow, R., Lindenberg, R., & Flöel, A. (2016). Electrical stimulation of the motor cortex enhances treatment outcome in post-stroke aphasia. Brain, 139, 1152– 1163.

PM Universitätsmedizin Greifswald | Klinik und Poliklinik für Neurologie AG Kognitive Neurologie

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