„Winfried Kretschmann hinterlässt große ökologische Fußstapfen, die es jetzt zu füllen gilt. Sein Handeln als Ministerpräsident war 15 Jahre lang geprägt von Naturverbundenheit, Dialogbereitschaft und pragmatischen Lösungen. Unter seiner Führung wurden bedeutende Projekte realisiert, die über seine Amtszeit hinaus Strahlkraft haben“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle anlässlich der heutigen Feier zu seiner Verabschiedung.
Dazu gehören die Gründung und Erweiterung des ersten Nationalparks in Baden-Württemberg, ein zweites Biosphärengebiet und das Biodiversitätsstärkungsgesetz, das als Ergebnis der Diskussionen um das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ entstanden ist. Auch das Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt, die Taxonomie-Initiative für eine bessere Forschung und Lehre zu Biodiversität sowie die annähernde Vervierfachung der Mittel für den Naturschutz im Landeshaushalt tragen seine Handschrift.
„Der Mensch steht tief in der Natur“ gehört zu den häufigen Äußerungen von Winfried Kretschmann – ein Verweis auf die Abhängigkeit der Menschen von der Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts. „Die Corona-Pandemie, der Klimawandel und nicht zuletzt die Biodiversitätskrise führen uns vor Augen, dass die Natur zwar ohne den Menschen auskommt, der Mensch aber nicht ohne die Natur mit all ihren lebenserhaltenden Leistungen“, so Enssle.
Kretschmanns großes Interesse an der belebten Natur hat ihm zu Recht zwei ungewöhnliche Ehrungen eingebracht: Die nur einen Millimeter große, in Baden-Württemberg neu entdeckte Schlupfwespe Aphanogmus kretschmanni wurde nach ihm benannt. Ebenso ein im Nationalpark Schwarzwald neu entdecktes winziges Bärtierchen (Ramazzottius kretschmanni), das als Dank für den Einsatz des scheidenden Ministerpräsidenten für die Biodiversitätsforschung dessen Namen trägt. „Bärtierchen sind wichtige Bestandteile funktionierender Ökosysteme. Sie tragen dazu bei, dass der Stoffwechsel der Erde funktioniert, und beeindrucken durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit selbst bei widrigen Umweltbedingungen. Nach 15 Jahren Amtszeit als Ministerpräsident und angesichts zahlreicher Krisen, die es in dieser Zeit zu meistern galt, ist dies eine Eigenschaft, die sicher auch Winfried Kretschmann auszeichnet“, sagt Enssle mit einem Augenzwinkern.
Ein besonderes Anliegen Winfried Kretschmanns war es, die vermeintlichen Gegensätze von Ökonomie und Ökologie zusammenzubringen. So startete er etwa Strategiedialoge zur Automobilwirtschaft, zum Bausektor und zur Transformation der Landwirtschaft. Auch Einzelprojekte wie das NABU-Projekt UnternehmensNatur, bei dem bereits mehr als 170 Unternehmen beraten wurden, wie sie auf ihren Firmengeländen Biodiversitätsmaßnahmen umsetzen können, gehen auf seine Initiative zurück.
Enssle stellt fest: „Kretschmanns Politik des Gehörtwerdens und sein Einsatz für die Ökologie haben Maßstäbe gesetzt. Der voraussichtliche nächste Ministerpräsident Cem Özdemir tritt Kretschmanns Erbe an und muss mit seiner Regierung sicherstellen, dass die Ökologie auch bei einer schwächelnden Wirtschaft nicht auf der Strecke bleibt, sondern eine weitere Stärkung erfährt.“
Denn trotz Kretschmanns Erfolgen bleibt der Zustand der Natur weltweit und im Südwesten alarmierend. Bedrohte Arten und Lebensräume müssen geschützt und wiederhergestellt werden. „Ob Tagfalter, Feldvögel oder Wildbienen – etwa 40 Prozent der rund 50.000 einheimischen Tier- und Pflanzenarten sind laut LUBW und den Roten Listen gefährdet. Sie zu schützen und leistungsfähige Ökosysteme wiederherzustellen, bleibt eine zentrale Aufgabe der nächsten Landesregierung. Der erst vor wenigen Tagen vorgestellte nationale Wiederherstellungsplan zeigt, in welche Richtung es geht. Für Grüne und CDU in Baden-Württemberg gilt es nun, ihn gemeinsam umzusetzen – auf Grundlage der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO)“, so Enssle.
PM NABU Baden-Württemberg