Heute Abend (12. Juni 2026) wurde Eislingens Oberbürgermeister Oliver Marzian feierlich in sein Amt eingesetzt. Bei ihrer Ansprache gratulierte ihm Regierungsvizepräsidentin Sigrun von Strauch zu seiner Wahl. Sie wünschte Marzian eine erfolgreiche Amtszeit.
Gerne stellen wir Pressevertreterinnen und Pressevertretern Auszüge aus der Rede von Regierungsvizepräsidentin Sigrun von Strauch bei der heutigen Amtseinsetzung von Eislingens Oberbürgermeister Oliver Marzian zur Verfügung – es gilt das gesprochene Wort:
„Es ist mir eine große Freude und Ehre, heute in Vertretung von Frau Regierungspräsidentin Bay bei Ihnen in Eislingen zu sein und Herrn Oliver Marzian zur Amtseinsetzung als Oberbürgermeister dieser Stadt zu gratulieren.
Für die Stadt Eislingen markiert dieser Tag einen besonderen Moment. Für Sie, lieber Herr Marzian, ist er der Beginn eines neuen und verantwortungsvollen Abschnitts. Und für die Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt ist er Ausdruck des Vertrauens, das sie Ihnen mit Ihrer Wahl entgegengebracht haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Gewählt wird nicht automatisch – gewählt wird, wer überzeugt.
Und derjenige überzeugt, der unterschiedliche Perspektiven nicht nur zulässt, sondern zusammenführt. Denn gute Entscheidungen entstehen selten aus einer einzigen Sichtweise. Sie entstehen dort, wo verschiedene Erfahrungen, Erwartungen und Lebensrealitäten miteinander in Verbindung gebracht werden – und so ein gemeinsames Bild entsteht. Ein Bild, in dem sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger wiederfinden können.
Lieber Herr Marzian, in unserem Kennenlerngespräch wurde deutlich, dass Sie unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel mitbringen, die Sie für das Amt des Oberbürgermeisters in besonderer Weise qualifizieren:
Die Perspektive des Bürgers dieser Stadt: Sie leben seit 2006 mit Ihrer Familie in Eislingen und sind, wie Sie selbst sagen, Kunde Ihrer eigenen Arbeit – Sie nutzen die Einrichtungen, die diese Stadt zu bieten hat, gehen in die Stadtbücherei oder das Hallenbad und besuchen kulturelle Veranstaltungen. Sie sind hier verwurzelt, haben mit Ihrer Familie Ihren Lebensmittelpunkt, haben Freunde und berufliche Heimat gefunden. Sie kennen diese Stadt mit all ihren Stärken, ihrem Potenzial und Möglichkeiten.
Die Perspektive der Verwaltung: seit 2019 sind Sie im Rathaus in Eislingen beschäftigt: als Kämmerer, als Fachbereichsleiter Bürgerdienste mit Finanzverwaltung, Kultur und Sport, Bildung und Betreuung sowie Bürger- und Ordnungsamt.
Und Sie bringen die Fähigkeit mit, sich in andere Perspektiven hineinzuversetzen: denn so kann es gelingen, die Stärken einer Stadt besonders zur Geltung zu bringen: im gesellschaftlichen Zusammenhalt, im Miteinander und im Engagement vor Ort.
Und Eislingen ist eine lebenswerte Stadt. Vor Ort ist vieles vorhanden, was Menschen für ihr tägliches Leben brauchen: ärztliche Versorgung, Nahverkehr, Schulen und Bildungseinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplätze, vielfältige Freizeitangebote und vieles mehr. Eine Stadt, in der alles da ist, was man braucht – nah, erreichbar, verlässlich.
Doch eine Stadt ist mehr als ihre Infrastruktur. Sie wird lebendig durch den Zusammenhalt und die unterschiedlichen Perspektiven der Menschen, die in ihr leben. Und diese Perspektiven sind unterschiedlich. Sie sagten in unserem Kennenlerngespräch selbst, dass das Miteinander in der Stadt für Sie prägend ist. Ein gutes Miteinander lebt vom Zusammenspiel vieler Akteure – von Land und Kommunen, Verwaltung und Zivilgesellschaft, Unternehmen, Arbeitgebern, Schulen und Bildungseinrichtungen, Ehrenamt, Gemeinderat, der Blaulichtfamilie und vielen Weiteren.
Die zentrale Frage lautet deshalb: Wie gelingt es, aus unterschiedlichen Interessen, Erfahrungen und Erwartungen ein gemeinsames Wir zu formen? Denn eine Stadt lebt davon, dass Menschen sich einbringen. Das betrifft Verwaltung und Politik ebenso wie alle Bürgerinnen und Bürger.
An dieser Stelle möchte ich einen Appell an Sie – liebe Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Eislingen als Gemeinderat und Verwaltung und auch an Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger richten – eine Stadt kann nur lebendig sein, wenn alle mitmachen und sich einbringen – deshalb sind auch Sie alle gefragt. Und dabei braucht es Respekt vor der Perspektive des anderen – auch vor seinen Möglichkeiten und Grenzen. Denn nicht jede Entscheidung ist frei gestaltbar, und nicht jeder Handlungsspielraum unbegrenzt. Gerade deshalb ist für Sie, Herr Marzian, Transparenz entscheidend.
Sie haben in unserem Gespräch betont, dass demokratisch legitimierte Entscheidungen akzeptiert werden müssen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Entscheidungen erklärt, begründet und nachvollziehbar gemacht werden. Nur so entsteht Vertrauen. Das ist oft anspruchsvoll – aber unverzichtbar für ein gutes demokratisches Miteinander. Denn das sichert gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich weiß, dass Ihnen das wichtig ist: Menschen zueinander zu bringen und den Zusammenhalt zu stärken.
Und hier zeigt sich eine weitere, Ihnen persönlich wichtige Perspektive: Nicht alle Menschen sind gleich laut. Oft sind es diejenigen, die weniger Ressourcen oder weniger Gehör haben, deren Anliegen leicht übersehen werden. Sie sehen es als Ihre Aufgabe, auch diesen zuzuhören und ihre Lebenswirklichkeit mitzudenken: die ältere Dame mit dem Rollator, die auf kurze Wege angewiesen ist. Die alleinerziehende Mutter, die verlässliche Betreuung benötigt. Menschen, die sich nicht selbst lautstark Gehör verschaffen können. Auch das gehört zum Amt eines Oberbürgermeisters: die Interessen derjenigen mitzudenken, die selbst nicht immer im Mittelpunkt stehen.
Sie haben für Ihre Amtszeit ambitionierte Ziele formuliert – und das ist auch gut so: das zu bewahren, was diese Stadt stark macht, und sie zugleich fit zu machen für die Zukunft. Und Sie wollen dafür sorgen, dass Menschen gerne in Eislingen leben, arbeiten und ihre Zukunft aufbauen. Das sind Ziele, die genau diesen Gedanken aufgreifen: unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und daraus Zukunft zu gestalten.
Auch Ihr Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen ist klar: Das Auseinanderdriften von Gruppen muss verhindert werden. Menschen müssen wieder stärker miteinander in Verbindung kommen. Dafür ist entscheidend, dass Orte wie Eislingen das bleiben, was sie im besten Sinne sind – ein Lebensraum mit Versorgung, Bildung, Arbeit, Kultur und ein Ort der Begegnung – in dem Menschen sich als Teil eines gemeinsamen Ganzen erleben.
Bei vielen unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen liegt es in der Natur der Sache, dass nicht immer alle einer Meinung sind. Und das ist in einer Demokratie auch gut so. Diskussionen und Kontroversen gehören dazu. Entscheidend ist jedoch, dass sie mit Respekt geführt werden – mit dem gemeinsamen Ziel, das Beste für die Stadt und die Menschen, die dort leben und arbeiten zu erreichen. Das wünsche ich Ihnen im Miteinander mit der Stadtgesellschaft, in der Verwaltung und im Gemeinderat.
Denn Vertrauen in staatliches Handeln entsteht dort, wo Menschen erleben, dass ihre Anliegen gehört werden – im Rathaus, in Vereinen, in Schulen und im direkten Gespräch. Demografischer Wandel, soziale Ungleichheit, Wohnraumentwicklung, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Migration und die Klimakrise verlangen nach Verständigung – nach einem gemeinsamen Bild davon, wie wir leben wollen. Dabei dürfen gesellschaftliche Gruppen nicht in ihren jeweiligen Milieus verharren, sondern müssen miteinander im Gespräch bleiben. Genau hier kommt die kommunale Ebene ins Spiel. Hier begegnen sich Menschen. Hier werden Entscheidungen unmittelbar wirksam. Hier wird Politik konkret. Und hier kann Vertrauen entstehen. Oder verloren gehen.
Als Oberbürgermeister sind Sie dabei nicht nur Verwaltungsleiter, sondern auch Vermittler. Sie prägen Diskurs, Tonlage und Stimmung in der Stadtgesellschaft entscheidend mit. Und gerade in Zeiten unterschiedlicher Auffassungen vieler Interessenlagen kommt es darauf an, das Gemeinsame zu finden und zu verbinden. Gestaltungswille und Krisenfestigkeit sind dabei gleichermaßen gefragt – ebenso wie Menschen, die Sie begleiten und unterstützen.
Das Amt des Oberbürgermeisters ist in Baden-Württemberg mit großer Verantwortung und zugleich mit weitreichenden Gestaltungsmöglichkeiten verbunden. Sie tragen Verantwortung für die Verwaltung, leiten das Rathaus und gestalten gemeinsam mit dem Gemeinderat die Entwicklung der Stadt Eislingen. Entscheidend ist dabei die Art und Weise, wie diese Verantwortung wahrgenommen wird: mit Augenmaß, Dialogbereitschaft und dem Willen, Menschen zusammenzuführen.
Wir im Regierungspräsidium verstehen uns als verlässlicher Partner für die Anliegen der Stadt Eislingen und zugleich als Bindeglied zur Landesregierung. Denn Kommunen und Land können die Herausforderungen unserer Zeit nur gemeinsam bewältigen.
Lieber Herr Marzian, vor Ihnen liegen große Aufgaben und Projekte. Die Stadt Eislingen hat sich in den vergangenen Jahren schon gut entwickelt, Sie möchten die Projekte konsequent fortführen.
Mit dem Neubau der Silcherschule entsteht ein moderner Bildungsstandort mit einem erheblichen Investitionsvolumen. Solche Projekte sind angesichts der angespannten kommunalen Haushaltslage nur mit Unterstützung von Bund und Land möglich.
Auch bei der Städtebauförderung ist Eislingen beispielgebend. In acht verschiedenen Sanierungsgebieten konnten seit 1982 rund 23 Millionen Euro an Fördermitteln eingesetzt werden. Ein Meilenstein der Innenstadtentwicklung steht kurz bevor: Noch in diesem Monat wird die Mühlbachtrasse, die Eisenbahnunterführung, eingeweiht.
Eines Ihrer Herzensanliegen ist die Weiterführung der Innenstadtentwicklung. Mit der Neugestaltung des Schlossplatzes entsteht ein zentraler Ort der Begegnung – eine Mitte für die Stadt, die verbindet und der Stadtgesellschaft einen gemeinsamen Raum gibt. Dieses Projekt ist auch ein Projekt der Verbindung: zwischen Großeislingen und Kleineislingen, zwischen nördlich und südlich der Fils, zwischen unterschiedlichen historischen Prägungen. Denn Bahnlinie und Fils sind natürliche Barrieren – und gleichzeitig eine dauerhafte Aufgabe, Verbindungen zu schaffen.
Im Jahr 2033 steht das hundertjährige Jubiläum des Zusammenschlusses bevor. Dieser Zusammenschluss war historisch kein einfacher Beginn. Aber er ist Teil der gemeinsamen Geschichte geworden – und er zeigt, wie aus Unterschiedlichkeit über Zeit Zusammenhalt entstehen kann. Seitdem hat sich Eislingen positiv entwickelt: Infrastruktur wurde geschaffen, Lebensqualität verbessert und die Stadt ist gewachsen – nicht nur räumlich, sondern auch in ihrem gesellschaftlichen Miteinander.
In diesem Jahr gibt es – neben Ihrer Amtseinsetzung – gleich mehrere Anlässe zum Feiern: 10 Jahre neues Rathaus und für Sie persönlich 20 Jahre Lebensmittelpunkt in Eislingen.
Das weitere am Horizont liegende Jubiläum habe ich gerade erwähnt: im Jahr 2033 wird Eislingen auf 100 Jahre gemeinsame Stadtentwicklung zurückblicken können. Der Stadt Eislingen wünsche ich, dass die Zeit der Vorbereitung auf das Jubiläum im Zeichen des Miteinanders steht und das Verbindende immer wieder neu entdeckt und bewahrt wird.
Lieber Herr Marzian, Ihnen wünsche ich für Ihre Amtszeit Kraft, Gesundheit und Zuversicht. Ich wünsche Ihnen Menschen an Ihrer Seite, die Sie unterstützen, ermutigen und auch kritisch begleiten. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie sich die Fähigkeit bewahren, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, Sichtweisen zusammenzuführen und daraus gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Sie haben mir in unserem Gespräch gesagt: „Wenn ich spüre, dass Menschen gemeinsam gestalten und Verantwortung übernehmen möchten – dann ist es für mich ein gelungener Abend!“ Möge Ihnen dieses Gefühl in den kommenden Jahren oft begegnen. Wenn es gelingt, Menschen zum Mitgestalten zu gewinnen, dann entsteht genau das, was eine Stadt stark macht: Gemeinschaft.
Im Namen von Frau Regierungspräsidentin Bay sowie meiner Kolleginnen und Kollegen gratuliere ich Ihnen herzlich zu Ihrer Amtseinsetzung und wünsche Ihnen für Ihre neue Aufgabe viel Erfolg, eine glückliche Hand und Gottes Segen.“
PM Regierungspräsidium Stuttgart