Neujahrsempfang der Alb Fils Kliniken: Mit der Gesundheit kann, darf man kein Geld verdienen

Gut 100 Gäste aus der Landespolitik und der Kreispolitik, sowie einige Mitarbeiter der Kliniken waren der Einladung der Geschäftsführung gefolgt. Was sie hörten, war überwiegend eine Auflistung von Problemen der Gesundheitspolitik aber auch einige positive Ausblicke.

Trotz immer mehr Digitalisierung im medizinischen Bereich, aber auch in der Verwaltung, raubt den Medizinern der immer mehr steigende Bürokratismus die Zeit aber auch die Freude am Beruf. Immer mehr junge Mediziner zeiht es deswegen ins Ausland, so Prof. Bommer. Das hat zur Folge, dass der Personalmangel der Klinik immer größere Probleme bereitet. Personalmangel führt aber zu weniger stationären Behandlungen und damit zu weniger Einnahmen. Ein Teufelskreis.

Nachdem der Neujahrsempfang der Alb Fils Kliniken in den letzten beiden Jahren wegen Corona ausgefallen war, wünschte sich Landrat Edgar Wolff gleich zu Beginn ein paar Krisen weniger im laufendem Jahr. Im Jahr, in dem der Landkreis 85 Jahre alt wird, wünscht er sich, endlich zu „Kernanliegen“ zurückkehren zu können. Aber, so Wolff weiter, die Rahmenbedingungen werden schwerer. Personalmangel, der ökonomische Druck, der Klinikneubau, der Umbau des Standortes Geislingen werden uns weiter alles abverlangen.

Wolfgang Schmid, kaufmännischer Geschäftsführer der Kliniken, freute sich auf den Neujahrsempfang als einen seiner Lieblingstermine. Ohne Etikette, nur Netzwerken, so Schmid. Aber auch er zählte erst einmal die Probleme der Kliniken auf, zu denen zunehmend auch die Lieferengpässe zählen, nicht nur beim Bau der neuen Klinik auf dem Eichert, sondern zunehmend auch beim medizinischen Produkten. Zu der von der Bundesregierung angeschobenen neuen Abrechnungsmodalität für Klinikleistungen erklärte Schmid, dass der Ansatz gut sei, aber die Bürokratie wohl eher noch zunehmen werde. Letztendlich werde aber die Überwindung des Personalmangels der Schlüssel zum Erfolg sein. 8,5 Mill. Euro Förderung fließen in die Digitalisierung um Abläufe zu verbessern und den Verwaltungsaufwand zu reduzieren.

Der Ärztliche Direktor Chefarzt Prof. Dr. med. Martin Bommer verwies auf die guten medizinischen Leistungen der Kliniken. 3500 Coronapatienten habe man an beiden Standorten behandelt. Dass Corona mehr als nur eine Erkältung ist, verdeutlicht, dass 12% der Coronapatienten hieran gestorben seien. Ansonsten ist die Klinik ohne Havarie durch die Pandemie gekommen. Die Klinik hatte zudem nie einen Maskenengpass und auch die pandemiebedingten Ausfälle beim Personal hielten sich dank der rechtzeitigen guten Vorbereitung in Grenzen. Aber der Dank bleibt aus. Ökonomisch war die Pandemie ein Rückschritt. Das Defizit steigt wieder in den zweistelligen Millionenbereich. Eindrücklich warb Prof. Bommer dafür, die medizinischen Ziele wieder in den Vordergrund zu stellen und für eine ausreichende Finanzierung der Leistungen durch die Krankenkassen zu sorgen. Auch ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem oder eine Zuzahlung der Patienten beim Besuch des Notaufnahme brachte er ins Gespräch, auch um die Überlastung der Notaufnahmen zu vermeiden. Viele Patienten kommen mit Bagatelle in die Notaufnahme, das behindert den Ablauf, führt zu Überlastung der Personals und zu Verzögerungen bei der Behandlung wirklicher Notfälle.

Der Ruf der Alb Fils Kliniken ist sehr gut, so versicherte es der medizinische Geschäftsführer Dr. Ingo Hüttner. Gearbeitet wird mit modernster Technik, alle Bereiche seien zertifiziert, das Gesamthaus sogar ISO-Zertifiert. Die Klinik habe auch einen guten Ruf beim ärztlichen Personal, man könne renommierte Fachärzte nach Göppingen ziehen, trotzdem gibt es im medizinischem Bereich, wie auch bei der Pflege einen zunehmenden Personalmangel. Zunehmend werden bei OP´s Roboter zur Unterstützung eingesetzt und auch die Zahl der ambulanten Operationen steigt. Aber hier gibt es noch Probleme bei der außerklinischen Vor- und Nachbehandlung.

Joachim Abel

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