Bürgerempfang 2023 – Rede Oberbürgermeister Alex Maier

Liebe Göppingerinnen, liebe Göppinger, liebe Gäste,

hinter uns liegt ein schweres Jahr. Ich habe das Gefühl, dass jede meiner Reden als OB bisher so angefangen hat. Jedes Mal war es auch die Wahrheit und immer endete ich damit, dass es bald besser wird. Ich bin ganz ehrlich zu Ihnen, langsam aber sicher verstehe ich alle, die den Glauben verlieren, dass es wirklich besser wird.

Erst hatte uns die Pandemie jahrelang im Griff, schränkte unser Leben ein, zeigte die Überbelastung vieler Berufsgruppen auf dramatische Weise und kostete über 164.000 Menschen allein in Deutschland das Leben – 164.000 Menschen! Das entspricht etwa der Einwohnerzahl der Stadt Leverkusen. Doch tatsächlich, wie versprochen, wurde es besser. Wir wollten endlich aufatmen. Wir fingen an, unser altes Leben Stück für Stück zurückzuerobern.

Der Zugang zu Geschäften und Märkten war ohne Einschränkungen möglich, dort herrscht wieder reges Treiben – die Veranstaltungskalender in Sport und Kultur waren schon im letzten Jahr wieder prall gefüllt – Veranstaltungslocations sind voll – Hotels wieder gut gebucht – der Einzelhandel und die Gastronomie beleben unsere Stadt und es ist eine Riesenfreude, wieder längst vergessen geglaubte Livemusik zu hören, so auch am heutigen Abend. Es war die Hoffnung, dass alles wieder normal wird.

Doch dann kam der 24. Februar 2022. Der Tag, an dem mitten in Europa ein Angriffskrieg ausbrach. Der Tag, an dem sich die Welt und unsere Leben schlagartig verändert haben, an dem uns abermals der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Waren wir uns denn nicht sicher, dass die Zeiten vorbei sind, in denen souveräne, demokratische Staaten Angst haben müssen überfallen zu werden? Waren die Erfahrungen derletzten, kriegsreichen Jahrhunderte denn nicht genug, um uns vor Entscheidungen zu bewahren. die in einen Krieg führen?

Und nicht nur der Krieg in der Ukraine führt uns die Zerbrechlichkeit angeblicher Gewissheiten vor Augen. Angriffe auf die Pressefreiheit nehmen zu, in Europa, auch hier in Deutschland. Menschen, die ihre Meinung jederzeit kundtun können, behaupten während sie das tun, dass es keine Meinungsfreiheit gibt. Fakten werden nicht nur in Zweifel gezogen, sondern schlicht und einfach negiert, weil manchen ihre eigenen Wahrheiten besser in den Kram passen als die Realität.

Das führt dazu, dass Diskussionen immer schwieriger werden und die gesellschaftliche Spaltung voranschreitet und von manchen auch ganz bewusst forciert wird, um die eigenen, egoistischen Interessen zu befördern. Bei vielen steht nur noch das Erreichen der eigenen Ziele im Vordergrund. Das führt dazu, dass keine Kompromisse mehr angestrebt werden und manche verbittern, wenn sie nicht 100 Prozent ihres eigenen Standpunktes durchsetzen können.

So kann aber unsere Gemeinschaft nicht funktionieren. Wir brauchen Diskussionen und wir brauchen auch Streit – aber am Ende muss man sich in die Augen schauen können. Offensichtlich ist es wieder notwendig geworden, diese angeblichen Gewissheiten aktiv zu verteidigen. Friede, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit dürfen wir nicht als gegeben hinnehmen. Wir müssen etwas dafür tun, dass sie uns erhalten bleiben!

Und wir müssen auch für unsere Stadt etwas tun. Der ehemalige Stuttgarter OB Manfred Rommel sagteeinmal: „Eine Stadt lebt von ihren Bürgern und für ihre Bürger.“. Auch die Stadtverwaltung und der Ge-
meinderat sind kein Selbstzweck. Wir sind hier, um den Bürgerinnen und Bürgern zu dienen. Doch wir
können das nicht, wenn die Bürgerschaft dabei nicht mitmacht. Deshalb bin ich unendlich dankbar, für
all diejenigen, die ihre Zeit und Energie für das Wohl dieser Stadt einbringen. Genau das brauchen wir.
Keiner könnte hier stehen und ehrlich behaupten, dass in Göppingen alles perfekt ist. Was ist auch schon
perfekt? Als Stadtverwaltung bekommen wir immer mehr Aufgaben, die wir erledigen müssen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden und wenn wir Personal haben könnten, bekommen wir es kaum finanziert, weil die Ausgaben größer werden ohne, dass die Einnahmen entsprechend ansteigen.
Wir gehen in das Jahr 2023 mit einem Haushalt, der ein hohes Defizit aufweist und eine echte Lösung ist
noch nicht gefunden. Auch wenn einige es sich gern einfach machen und die Schuld dafür wahlweise bei
der Verwaltung, dem Gemeinderat oder natürlich dem Oberbürgermeister suchen, betrifft das alles nicht
nur Göppingen, wir reden hier von einem bundesweiten Problem, nur hilft uns diese Erkenntnis im Mo-
ment auch nicht.
Dazu kommen noch einige weitere Fallstricke. An manchen Stellen eingefahrene Strukturen, die zu ändern massiven Widerstand und große Beharrungskräfte hervorruft. Eine teilweise nicht erfüllbare Erwartungshaltung der Öffentlichkeit, es muss alles gehen und zwar immer und sofort. Viele machen sich nicht die Mühe, einmal über den eigenen Horizont hinauszuschauen, um zu erkennen, dass das eigene Problem vielleicht gerade nicht das allergrößte und wichtigste ist in einem gesamtstädtischen Kontext.
Manche arbeiten für ihre Abteilung, ihren Verein, ihre Partei und alle anderen sind für sie der Feind. Dieses Phänomen ist weder neu, noch Göppingen-spezifisch. Doch dieses Silodenken lähmt die Entwicklung bunserer Stadt an vielen Stellen.Deshalb ist es unerlässlich, dass wir gemeinsame Ziele entwickeln, mit denen sich weite Teile der Stadtgesellschaft identifizieren können. Bei der Entwicklung dieser Ziele sind wir im Jahr 2022 große Schritte vorangekommen. Für den Wegekompass 2035 haben Bürgerschaft, Gemeinderat und Verwaltung Ideen gesammelt und in 12 Handlungsfeldern 48 strategische Ziele für ein noch lebenswerteres Göppingen gesammelt. Wenn der Gemeinderat dem fertigen Papier zustimmt, können wir an die Priorisierung und die konkreten Maßnahmen gehen. Schon jetzt möchte ich mich bei allen bedanken, die sich in den Prozess eingebracht haben. Diese Ziele zu erarbeiten, war durchaus anspruchsvoll und zeitintensiv.

Meine Damen und Herren, ganzheitlich und in großen Gesamtkonzepten zu denken, ist manchmal einfacher gesagt als getan. Das weiß ich wohl. Und ich darf mich als OB da durchaus auch an die eigene Nase fassen. Denn nicht selten stehen fachlich richtige Expertisen unserer Ämter mit einer raschen Umsetzung
von übergeordneten Wünschen im Widerspruch. Doch auch wenn es nicht immer so schnell geht wie gewünscht, kommen wir doch bei den wichtigen Themen voran. Die Entwicklung strategischer Ziele bedeutet nicht, dass wir alles andere liegen lassen. Ich will Ihnen einen kleinen Rückblick und Ausblick geben.

Da dies mein erster Bürgerempfang als OB ist, schaue ich nicht nur ins Jahr 2022, sondern auch ein wenig
in das erste Jahr meiner Amtszeit.

Corona

Begonnen hat diese natürlich mit der Pandemie und hier gilt es wieder Dank zu sagen. Dank an alle, die
sich engagiert haben in Test- und Impfzentren, Dank an unsere Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal
und die Apotheken, die schier unmenschliches geleistet haben in dieser Zeit. Beispielhaft möchte ich den
Impfbus nennen, ein landesweites Pilotprojekt, das die Stadt nur mit der Unterstützung vieler Ehrenamtlicher stemmen konnte. Hier waren wir Vorreiter und konnten so auch Beispiel sein für viele andere Kommunen im Land.
Auch in der Stadtverwaltung haben viele Kolleginnen und Kollegen zig Überstunden geschoben, als wir
für das Kontaktpersonenmanagement zuständig waren. Neben den alltäglichen Pflichten wurde dies alles auch noch professionell erledigt. Dafür vielen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörden, vom Gesundheitsamt des Landkreises bis hin zu unserer Stadtverwaltung.
Auch zur Unterstützung der Unternehmen und des Handels in der Stadt haben wir frühzeitig Pakete geschnürt. Der Erlass der Sondernutzungsgebühren für die Außengastronomie, mehrfache kostenlose Busverbindungen in die Innenstadt, eine Gutscheinaktion für den Einzelhandel und stetige Beratung bei der
Beantragung von staatlichen Hilfen waren kleine, aber wichtige Schritte fürs Überleben unserer heimischen Wirtschaft.

Energiekrise

Und auch in der aktuellen Energiekrise gehen wir diesen Weg weiter. Durch all die aktuellen Herausforderungen wird der Preisdruck für uns alle enorm. Wir müssen deshalb auch denjenigen helfen, die nicht in der Lage sind, diese steigenden Preise zu bezahlen. Hier war die Stadt Göppingen Vorreiterin im Kreis.
Sowohl zur Energieeinsparung haben wir frühzeitig Maßnahmen ergriffen, als auch bei der Entlastung
derjenigen, die die Krise besonders trifft.
Unseren Unternehmen erleichtern wir Stundungen von Gebühren, den Einzelhandel haben wir in der Adventszeit mit einem kostenlosen Stadtticket unterstützt und durch Beschluss des Gemeinderates haben wir einen Notfallfonds aufgelegt für Vereine, die aufgrund der Energiekrise drohen in Schieflage zu geraten. Dies sind nur ein paar Beispiele.
Natürlich beobachten wir ständig die Lage und müssen auch flexibel bleiben in unseren Reaktionen auf
sich ändernde Rahmenbedingungen. Hier müssen wir einfach dynamischer werden, so wie unsere Unternehmen in Göppingen es zum Großteil auch sind.

Wirtschaft

Diese befindet sich, wie wir alle wissen, schon eine Weile in einem Transformationsprozess. Deshalb haben wir mehrere wichtige Zukunftsthemen auf die Agenda gesetzt oder weiter vorangetrieben. Der Medical Day sollte zum Beispiel unsere Unternehmen vor Ort vernetzen mit dem Ziel, das Potenzial unserer Stadt zu nutzen im Bereich der Medizintechnik. Dies war ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Landkreis, IHK, Kreishandwerkerschaft, der Hochschule Esslingen und vieler weiterer Partner. Genau diese Netzwerke sind in Göppingen besonders stark und das wollen wir in Zukunft noch öfter nutzen.
So auch beim Thema Wasserstoff. Hierzu haben wir als Stadt einen runden Tisch initiiert, um gemeinsam mit unseren Partnern Konzepte zu entwickeln und in Förderprogramme zu kommen – was auch geklappt hat. Wir werden das nun versuchen zu nutzen, um in diesem wichtigen Feld weiterzukommen.
Und natürlich unterstützen wir mit voller Kraft Gründerinnen und Gründer, die ihre guten Ideen umsetzen wollen. Der Betrieb unseres städtischen Coworking Spaces CO.3 im Stauferpark ist ein voller Erfolg und quasi voll belegt. Wir haben also noch Potenzial für mehr. In Zusammenarbeit mit anderen Kommunen und dem Landkreis bündeln wir jetzt die Kräfte unter dem Motto „Starter Valley“. Hier ist eine gemeinsame Plattform entstanden, über die alle Aktivitäten im Bereich der Gründungsförderung vermarktet werden. Die Homepage ist online und im nächsten Schritt geht es jetzt an neue Veranstaltungsformate. Wir wollen Menschen die Chance geben, sich zu verwirklichen und ja, vielleicht auch mal zu scheitern.
Das ist kein Weltuntergang, viel schlimmer wäre es, wenn ein erfolgreiches Start-Up gar nicht erst gegründet würde vor lauter Angst, dass es sich nicht durchsetzt. Lassen Sie uns gemeinsam eine Stadt des
Forschens, Experimentierens und der Innovation sein. Das hilft auch unseren zahlreichen Traditionsunternehmen.
Eine passende Umgebung wollen wir hierfür im Boehringer bieten. Das ist und bleibt weiterhin eines der
wichtigsten Projekte meiner Amtszeit. Das riesige Potenzial durch dieses Areal wird ausgeschöpft. Im
letzten Jahr haben wir deshalb unter Beteiligung zahlreicher Akteure der Stadtgesellschaft ein Nutzungskonzept erstellt. Gemeinsam mit dem fertigen Rahmenkonzept wollen wir dies noch im ersten Quartal diesen Jahres in den Gemeinderat einbringen und wenn es nach mir geht, mit dem neuen Boehringer- Lab noch im Frühjahr an den Start gehen, um den Schwung des letzten Jahres nicht zu verlieren und das Areal mit Leben zu füllen.
Dieses Lab soll eine Ideenschmiede werden, ein kreatives Studio für innovative Menschen aus Göppingen und der Region. Es gibt hierfür keinen besseren Ort, in perfekter Lage und umgeben vom Charme und unserer Historie als traditionsreiche Industrie- und Arbeiterstadt.

Jugend

Traditionsreich ist in Göppingen auch der Jugendgemeinderat. Das wir aufgrund mangelnder Bewerbungen kein neues Gremium wählen konnten, war ein Stich ins jugendpolitische Herz unserer Stadt. Zum Glück, haben wir mit neuen, niedrigschwelligen Formaten Interesse wecken können. Wir sind hier auf einem guten Weg und können in diesem Jahr endlich wieder ein echtes Jugendbeteiligungsgremium schaffen. Außerdem haben wir mit der Übernahme des Hauses der Jugend einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Jugendarbeit in unserer Stadt geleistet.
Danke an alle, die diese Mammutaufgabe über Jahrzehnte ehrenamtlich bewältigt haben. Ich hoffe persönlich ja auch auf ein tiefergehendes Engagement unserer Jugendlichen. Dieser kleine Hinweis auf die
Kommunalwahlen 2024 sei mir erlaubt, die Parteien und Gemeinderatslisten werden sich demnächst auf die Suche nach Kandidierenden machen und freuen sich bestimmt über Unterstützung durch die Jugend für diese wichtigen Wahlen.
In einem Gemeinderat zu sein kostet Zeit und ist manchmal anstrengend, aber es ist gleichzeitig eine
wunderschöne Aufgabe in der man ehrlich etwas bewegen kann und die eigene Heimatstadt nach der eigenen Vorstellung mitentwickelt. Deshalb will ich alle Menschen in unserer Stadt schon jetzt motivieren, sich intensiv mit der Kommunalpolitik auseinanderzusetzen!

Bau und Wohnen

Wer das auf sich nimmt kann mithelfen, dass Gesicht unserer Stadt zum Positiven zu verändern. Auch hier hat sich viel getan. Für das neue Verwaltungszentrum hat der Gemeinderat einstimmig einen Standortbeschluss gefällt zu Gunsten des ehemaligen Pharma-Müller Areals. Ein urbanes Stadtquartier soll an dieser attraktiven Stelle entstehen und ich freue mich, wie hier alle an einem Strang ziehen.
Auch bei der Sanierung unserer Schulen haben wir viele Fortschritte gemacht. Es gab Baubeschlüsse für die Schiller-Grundschule Faurndau, die Blumhardt-Grundschule Jebenhausen, die Grundschule Holzheim und viele mehr. An der Albert-Schweizer-Schule und Pestalozzieschule gibt es einen Planungsbeschluss und wir beginnen mit der Umsetzung genauso wie bei zahlreichen Kita-Projekten Schwung reinkommt. In unserer Stadt fehlen immer noch viele Kita-Plätze, deshalb planen wir mit Hochdruck, um dem entgegenzuwirken.
Ganz aktuell wurde erst vor wenigen Tagen der Wettbewerb für die neue Kita im Freihof in Faurndau durchgeführt und der Baustart für 3 Schülerhortgruppen der Stiftung Kinderheim Wieseneck in Jebenhausen ist ein weiteres Beispiel für die Schaffung neuer Kitaplätze. Und wir schreiben auch im Bildungsbereich die Nachhaltigkeit groß.
Die Stadt Göppingen wurde im letzten Jahr als erster „Fairer Träger“ im Land zertifiziert – und das ist der
Verdienst unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas und der Verwaltung. Auch sie hatten be-
sonders schwere Jahre wegen Corona und der notwendigen Unterbringung geflüchteter Menschen. Danke, für den großen Einsatz! Überhaupt haben wir für die jüngsten in unserer Stadt einiges getan. Die neugestalteten Spielplätze in Holzheim, Faurndau und in der Dürerstraße sind moderne und wunderschöne
Angebote für verschiedene Altersklassen und mit der Gründung des Präventionsnetzwerks Kinderarmut
wollen wir auch denjenigen helfen, die es aufgrund ihrer Lebenssituation besonders schwer haben. Dafür
werden wir auch gefördert vom Baden-Württembergischen Sozialministerium. Vielen Dank auch dafür!
Neben der Versorgung der jüngsten sind unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger genauso im Blick
der Stadtverwaltung. Gerade die Mobilität ist hier oft ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität in
einer Stadt. Das Radverkehrskonzept 2030, die Neukonzeption des ZOB, der Umbau zu barrierefreien
Bushaltestellen und der Zuschussantrag, der schon gestellt ist für ein dynamisches Parkleitsystem, sind
wichtige Bausteine für das ganzheitliche Mobilitätskonzept, das wir in diesem Jahr an den Start bringen. Wir müssen nicht warten, bis ein Konzept steht, um Dinge umzusetzen, die ganz ohne Zweifel wichtige
Maßnahmen sind, um Mobilität zu gewährleisten.
Dies betrachten wir als Teil der Daseinsvorsorge und auch der Erhalt der Straßeninfrastruktur ist eine
große Aufgabe. Auch wenn es manchen zu lange dauert und wir wegen beinahe jedem Schlagloch Beschwerdemails bekommen, haben wir auch hier große Projekte umgesetzt.
Die Sanierung der Ortsdurchfahrt Holzheim mit lärmminderndem Belag bringt ein wenig mehr Lebensqualität in meinen ehemaligen Heimatort. Ich hab da auch schon an der Ortsdurchfahrt gewohnt und
weiß aus erster Hand, wie dringend notwendig dies war. Die Sanierung des Overfly, der Brühlstraße und der Salamanderstraße waren wichtig für unseren größten Stadtbezirk Faurndau und mit der Fertigstellung der Stadtpromenade am Bahnhofsplatz haben wir auch diesen Teil der Neuordnung des Bahnhofsumfelds abgeschlossen.
Und auch für Jebenhausen sind wichtige Beschlüsse gefasst. Als ich bei der OB-Wahl angetreten bin, habe ich geworben für eine vollständige Sanierung des Badhauses und der Badherberge in Jebenhausen.
Bereits Ende 2021 hat der Gemeinderat Einstimmig den Grundsatzbeschluss zur Sanierung gefasst und
Ende 2022 für die Neukonzeption der Ausstellung unseres Naturkundlichen Museums.
Auch hierfür bin ich überaus dankbar, denn es darf einfach nicht sein, dass ein solches Kulturdenkmal, das älteste Profangebäude unserer Stadt, verfällt und irgendwann womöglich zusammenbricht. Wir wollen aus einem Sorgenkind der Stadt wieder das Schmuckkästchen der Stadt machen!
Und da man in einer schönen Stadt auch gerne wohnen möchte, bin ich froh, dass wir auch hier vorangekommen sind. Über 120 Wohneinheiten sind entstanden beziehungsweise entstehen gerade.
Nochmal etwa 60 sind bereits im Freihof in Faurndau angestoßen und auch beim Kleemann-Areal soll ein
städtebaulicher Wettbewerb circa 130 neue Wohneinheiten entstehen lassen. Dem Wohnraummangel in
unserer Stadt wollen wir so begegnen und damit eines der drängenden Probleme angehen.

Klimaschutz

Ein nicht minder drängendes Problem, ist der sich immer deutlicher abzeichnende Klimawandel. Hier hat
zuletzt die Initiative „Göppingen Klimaneutral 2035“ das Thema wieder aufs Tableau gebracht und erfolgreich einen Bürgerantrag formuliert, dem der Gemeinderat im Dezember zugestimmt hat. Damit haben wir als Verwaltung nun den Auftrag, einen Klimaaktionsplan zu erstellen, mit dem Ziel eines klimaneutralen Göppingens bis 2035.
Ich freue mich, dass die Bürgerschaft so engagiert für dieses Thema einsteht, das wohl eines der wichtigsten unserer Zeit ist. Ohne den erfolgreichen Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen brauchen wir unsüber andere Themen gar nicht mehr unterhalten. Auch hier hat die Stadt schon einige Schritte gemacht.
Unsere Straßenbeleuchtung ist inzwischen zu 93% auf LED umgerüstet, Göppingen ist Pilotkommune des
Landes bei der Biotopverbundplanung und in wenigen Tagen wird unsere neue Klimaschutzmanagerin
ihre Arbeit in Göppingen aufnehmen, um unsere Maßnahmen zu koordinieren und Kräfte zur Erreichung
unseres ambitionierten Klimaziels zu bündeln.
Lobend möchte ich hier auch unseren Eigenbetrieb der Stadtentwässerung erwähnen, die bereits am Ziel
einer CO2 neutralen Kläranlage arbeiten. Nicht zu vergessen natürlich die EVF und die Stadtwerke, die einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit und zur Einsparung von CO2 leisten. Überhaupt möchte ich unsere Eigenbetriebe und Tochterunternehmen loben, diese haben sich nämlich allesamt auf den Weg der Gemeinwohl Ökonomie begeben und werden sich in diesem Jahr Gemeinwohl- Bilanzieren lassen. Ich bin stolz, dass wir unserem Anspruch und unserer Verantwortung hier in vorbildhafter Art und Weise gerecht werden.

Verwaltung

Zu diesem Anspruch gehört auch eine moderne und Leistungsfähige Verwaltung, die den Servicegedanken in den Vordergrund stellt. Das ist nicht immer einfach in einem so großen „Konzern“ wie der Stadtverwaltung. Sie können auf der Welt lange und erfolglos suchen, um ein Unternehmen finden, das auch nur annähernd eine solche thematische Bandbreite abdeckt wie eine Kommunalverwaltung.
Das stellt uns natürlich vor Herausforderungen – aber mit den richtigen Rahmenbedingungen werden wir
damit fertig und jeden Tag noch ein bisschen besser.
Deshalb haben wir im letzten Jahr eine Strategie zur Digitalisierung der Verwaltung erarbeitet, die noch
Anfang 2023 dem Gemeinderat vorgelegt wird. Einige konkrete Maßnahmen setzen wir aber bereits um.
Die Einführung der E-Akte zum Beispiel, bei der Göppingen bis vor 2 Jahren noch ziemlich hinterherge –
hinkt ist oder die Einführung eines stadtweiten Prozessmanagements zur Effizienzsteigerung. Außerdem
startet in diesem Jahr eine stadtweite Organisationsuntersuchung, um die Strukturen der Verwaltung
endlich auf die Höhe der Zeit zu bringen. Davor muss niemand in Gemeinderat oder Verwaltung Angst ha-
ben, im Gegenteil.
Wenn wir hier offen und konstruktiv rangehen, verbessert das nicht nur den Service für die Bürgerschaft,
sondern auch die Arbeitsbedingungen in der Verwaltung. Dafür haben wir zusätzlich auch noch ein Paket
zur Mitarbeiterbindung und –gewinnung erarbeitet, welches wir dem Gemeinderat auch bald vorlegen
werden.
Wir bieten aber auch der Bürgerschaft inzwischen ganz konkrete Verbesserungen, vor allem deutlich
mehr digitale Angebote. Mehrere Verwaltungsleistungen die online abgerufen werden können,die Online-Terminvergaben im Bürgerbüro, E-Payment bei der Stadtbibliothek oder Bußgeldern, die neue, moderne Homepage, um Angebote schnell finden zu können und die stärkere Nutzung Sozialer Medien sind umgesetzt bzw. begonnen und leisten somit einen besseren Beitrag zur Kommunikation mit der Bürgerschaft.

Kultur

Doch was gibt es kommunikativeres als ein attraktives Freizeit- und Kulturangebot in Göppingen.
Denn wir dürfen bei allen Krisen auf der Welt auch nicht vergessen, die schönen Dinge zu genießen und da bot Göppingen im Jahr 2022 wieder einige Highlights.
Das Jubiläum unserer Jugendmusikschule, auf die wir zu Recht so stolz sind, wurde im Rahmen des größten Landesmusikfestivals aller Zeiten mehr als würdig begangen.
Es war eine wahre Freude, mehr als 3000 Musikerinnen und Musiker aus dem ganzen Land in unserer Hohenstaufenstadt begrüßen zu können, bei schönstem Sommerwetter und einer Innenstadt, die an diesem Tag für die flanierenden Menschen ausgelegt war.
Das erste Göppinger Musikfilmfestival hat auch viel Lob bekommen. Es dürfen gerne noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer werden, aber das Feedback von denen, die da waren, lässt eigentlich nur den
Schluss eines großen Erfolges zu. Danke hierfür auch an unsere Intendantin Helga Reichert und unser
Kulturreferat für die Organisation und Durchführung. Doch das größte Highlight ist und bleibt unser Maientag. Auch wenn der Umzug noch gefehlt hat, hatten wir im letzten Jahr endlich wieder einen richtigen Maientag.
Ergänzt noch um den Tag der Partnerstädte, bei dem wir zahlreiche Freundinnen und Freunde aus ganz
Europa begrüßen und gemeinsam die internationale Zusammenarbeit feiern konnten. Als unser Jugendsinfonieorchester hier in der Stadthalle die Europahymne gespielt hat und die ganze Halle aufgestanden ist – war das ein echter Gänsehautmoment.
Auch das ist Identifikation. Identifikation mit der europäischen Idee, die wir uns nicht nehmen lassen
werden durch plumpen Nationalismus und durch diejenigen, die meinen, mit einfachem Populismus ein
echtes Lösungsangebot für komplexe Probleme bieten zu können. Diejenigen, die Ihnen alles versprechen würden um Ihre Unterstützung zu erhalten, sind genau die letzten, die diese verdienen.
Wer Ihre Unterstützung verdient sind die zahlreichen Heldinnen und Helden des Alltags.
In diesem Jahr und aus aktuellem Anlass möchte ich hierbei besonders die Blaulichtorganisationen hervorheben. Rettungsdienste, unsere großartige Feuerwehr und vor allem auch die Polizei. Es darf einfach
nicht sein, dass diejenigen, die Leib und Leben in Gefahr bringen um andere Menschen zu schützen, selbst zu Opfern gemacht werden nur aufgrund der Tatsache, dass sie Uniform tragen.
Das bedeutet nicht, dass wir die Augen verschließen dürfen vor Missbrauch oder Fehlentwicklungen, die
es in jeder Organisation gibt, auch in der Polizei gibt es immer mal wieder Hinweise und Entwicklungen, vor denen wir die Augen nicht verschließen dürfen. Als ehemaliges Mitglied im Innenausschuss des Landtags weiß ich das.
Jedoch gibt es keinen Pauschalverdacht und es gilt in Deutschland der Grundsatz des staatlichen Gewaltmonopols.
In der Bundesrepublik überträgt das Volk nach Artikel 20 des Grundgesetzes die Ausübung der Staatsgewalt an die besonderen Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung.
Ein Angriff auf diejenigen, die dieses Grundrecht vollziehen, ist also ein Angriff auf unseren Staat selbst.
Wir dürfen nicht völlig staatsunkritisch werden, aber es wird von mir keinerlei Akzeptanz für körperliche
Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte geben!
Ähnliches gilt auch für die übrigen Behörden, auch gegenüber Mitarbeitenden der Stadtverwaltung kommt es zu Beleidigungen, Respektlosigkeiten und gar tätlichen Übergriffen.
Und ich muss sagen, auch so manche Nachricht, die ich bekomme, ist jetzt nicht gerade ein Paradebeispiel für respektvolle Kommunikation.
Ich wollte und will ein neues Miteinander für Göppingen. Dies interpretiert sicher jeder anders, aber fürmich bedeutet es, auf Augenhöhe mit den Menschen zu sprechen, sie zu akzeptieren auch mit ihren Fehlern,direkt und ehrlich zu sagen, was man denkt, ohne persönlich beleidigend zu werden. Wir arbeiten daran, dass wir eine offene, konstruktive Atmosphäre schaffen im Rathaus und in der Stadt.
Miteinander ist aber keine Einbahnstraße. Es kann nur funktionieren, wenn sich alle selbst hinterfragen und auch mal bereit sind, die Perspektive des anderen einzunehmen. Der Leitsatz ist heute noch der kategorische Imperativ nach Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Oder einfacher zusammengefasst: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. Lassen Sie uns dies beherzigen, wenn wir in das neue Jahr gehen. Auch dieses wird voller Herausforderungen sein und voller großer Projekte für Göppingen. Doch wenn die Ziele klar sind und wir an einem Strang ziehen, anstatt zu versuchen nur zum eigenen Vorteil zu bremsen, dann wird unsere schöne Stadt noch besser!
Wir brauchen uns auch jetzt schon nicht zu verstecken wegen dem, was wir erreicht haben. Seien Sie ruhig selbstbewusst, wenn es um unsere Stadt geht. Wir können mehr als glücklich sein, an diesem wunderbaren Fleckchen Erde zu leben und haben es nicht nötig, alles schlechtzureden. Wenn es uns gelingt, dies umzusetzen und echte Liebe für unsere Stadt auszustrahlen, dann glaube ich, dieses Jahr kann tatsächlich besser werden!
In diesem Jahr können wir vielleicht wirklich einige Hoffnungen erfüllen. Ich persönlich bin davon überzeugt und trotz aller Schwierigkeiten liebe ich diese Stadt aus ganzem Herzen und ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar und voller Demut, dass ich diese wunderbare Aufgabe für Sie alle und unser Göppingen angehen darf. Mit dieser Einstellung gehe ich positiv in das Jahr 2023.

Ich bedanke mich bei Ihnen allen für die vergangenen 2 Jahre und für die Aufmerksamkeit. Lassen Sie
uns 2023 zu einem guten Jahr machen für Göppingen!

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