Fast menschhoch, goldgelb und derzeit kaum zu übersehen: Die Kanadische Goldrute. Die Pflanze wächst in vielen Gärten, entlang von Bahngleisen oder in der freien Landschaft und wird von vielen Insekten besucht. Da liegt die Annahme nah, dass sie wertvoll für die heimische Artenvielfalt ist. „Nicht jede Pflanze, an der sich Insekten tummeln, ist wertvoll für die Artenvielfalt. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt“, sagt NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold.
„Leider breiten sich zunehmend sogenannte invasive Neophyten wie die Kanadische Goldrute bei uns aus und verdrängen heimische Wildpflanzen, auf die etwa Wildbienen spezialisiert sind.“ Verschwinden die Pflanzen, fehlen bald auch die Wildbienen. Arnold rät daher: „Naturnahes Gärtnern bedeutet nicht, dass alles wachsen darf, was von allein kommt. Auch ein Naturgarten braucht Pflege, bestimmte Pflanzen sollte man jäten.“ Der NABU Baden-Württemberg stellt fünf problematische Pflanzen vor und gibt Tipps, wie man sie im besten Fall wieder loswird. Wichtig dabei: Invasive Pflanzen oder deren Wurzeln und Samen stets im Restmüll und nicht auf dem Kompost oder im Biomüll entsorgen, damit sie sich nicht weiter ausbreiten.
So wird man invasive Neophyten wieder los
Neophyten sind Pflanzen, die erst nach 1492 nach Europa gelangt sind und vorher nicht dauerhaft wild vorkamen. Den Zusatz „invasiv“ erhalten dabei nur Arten, die sich stark ausbreiten und so die Biodiversität, lokale Ökosysteme und heimische Arten gefährden. Die Bewertung nimmt in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz (BfN) vor.
Kanadische Goldrute (Solidago canadensis):
Im 17. Jahrhundert als Zierpflanze importiert, tauchen die gelben Blüten heute von Ende Juli bis in den Oktober auf immer mehr Flächen auf. Die kräftig wachsenden, bis zu zwei Meter hohen gelb-goldenen Stauden werden zwar von verschiedenen Insekten besucht, ihre Verbreitungsstrategien haben es aber in sich: Sie vermehren sich unterirdisch über Wurzelausläufer und zusätzlich über tausende Samen pro Pflanze. So kann sich die Kanadische Goldrute in kurzer Zeit auf großen Flächen ausbreiten und die dortige Vegetation verdrängen. „Wer die Kanadische Goldrute im Garten entdeckt, schneidet am besten einen großen Strauß für den heimischen Küchentisch und gräbt den Rest aus – so kann man sich an der Blüte erfreuen und dämmt dennoch ihre Verbreitung ein“, empfiehlt Arnold.
Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus):
Ebenfalls im 17. Jahrhundert aus Nordamerika eingeführt, ist diese anspruchslose und lichtbedürftige Pflanze heute an Weg- und Straßenrändern, in Gärten, an Äckern, in Pflaster- und Plattenfugen, an Mauern und auf Brachflächen etabliert. Der aufrechte Stängel schickt mit dem Wind zehntausende Früchte als Schirmchenflieger in die Umgebung und breitet sich so rasant aus. Die gute Nachricht: „Das nicht besonders hübsche Kraut lässt sich vor der Blüte mitsamt der filigranen Wurzel leicht herausziehen. Anschließend sollten die Pflanzen im Restmüll entsorgt werden.
Götterbaum (Ailanthus altissima):
Der aus China stammende Baum wurde um 1750 nach Europa gebracht. Ursprünglich war er als Zierpflanze und für den Aufbau heimischer Seidenproduktion gedacht, nämlich als Futterpflanze des Götterbaumspinners. Seither verbreitet sich die genügsame und robuste Pflanze aus und wächst in Parks, Gärten und sogar in Pflasterfugen. „Wenn sich der Götterbaum einmal im Garten etabliert, ist es schwierig, seine unzähligen Nachkommen wieder loszuwerden. Deswegen empfehlen wir, die jungen Sämlinge mit der kompletten Wurzel konsequent zu entfernen.“
Nachtkerze (Oenothera biennis):
Ursprünglich aus Nordamerika stammend, ist die Gemeine Nachtkerze ebenfalls als Zierpflanze nach Europa gekommen. Die zweijährige, gelbblühende Pflanze wird über einen Meter hoch und breitet sich an günstigen Standorten rasch über Samen aus. „Die Nachtkerze lässt sich gut eindämmen, wenn man im ersten Jahr die bodenständigen Rosetten entfernt, sodass sie gar nicht erst zur Blüte kommt. Wer sie dennoch gerne blühen sieht, kann die etwa einen Meter hohen Pflanzen direkt nach der Blüte herausziehen, bevor sie sich aussäen können“, rät Gartenexpertin Arnold.
Staudenknöteriche:
Als Staudenknöterich werden gleich drei invasive Arten zusammengefasst: Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica), der Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis) und eine Kreuzung der beiden Arten, der Böhmische Staudenknöterich (Fallopia x bohemica). Jede dieser Arten ist problematisch. Ihre Rhizome reichen mehrere Meter in die Tiefe und bilden unterirdische Ausläufer. So dominieren die Knöteriche schnell ganze Flächen. „Gärtnerinnen und Gärtner sollten versuchen, die Pflanze möglichst komplett herauszureißen. Vor allem bei jungen Pflanzen lässt sich das Rhizom noch gut ausgraben. Hat sich der Knöterich schon etabliert, hilft konsequentes und wiederholtes Mähen. So wird die Pflanze geschwächt und verschwindet langfristig“, so Arnold.
Pflanzen sicher bestimmen und kritische entfernen
Über diese fünf Pflanzen hinaus bewertet das Bundesamt für Naturschutz insgesamt 45 Arten als invasiv und 76 Arten als potenziell invasiv – da kann man als Gartenfan leicht den Überblick verlieren. Wer im Garten eine Pflanze entdeckt, die sich neu oder in größerer Anzahl ansiedelt, kann mithilfe von Pflanzenbestimmungs-Apps, wie der kostenfreien Flora Incognita App, sichergehen, ob es sich dabei um eine willkommene Wildpflanze oder einen invasiven Neophyten handelt. Auch vor Käufen im Pflanzenhandel lohnt sich ein prüfender Blick in eine App. Wertvolle Infos über die Bedürfnisse und den ökologischen Nutzen von Pflanzen bieten auch NaturaDB (kostenfrei) und die Internetseiten des NABU.
Resiliente Gärten mit heimischen Wildpflanzen
Nicht jede nicht-heimische Pflanze ist invasiv – und andersherum können sich auch heimische Pflanzen unerwünscht stark ausbreiten oder sogar dominant werden, ohne invasiv zu sein. Giersch, Ackerwinde und Kompass-Lattich sind nur einige davon. Wer Beete mit passenden Wildstauden und Gehölzen anlegt, muss langfristig weniger jäten. Mit der Zeit stellt sich ein natürliches Gleichgewicht ein, sodass konkurrenzstarke Arten weniger Chancen haben, sich auszubreiten. Heimische Wildpflanzen sind außerdem perfekt an die lokalen Bedingungen angepasst, sodass sie auch bei Trockenheit recht robust sind und wenig gärtnerische Pflege brauchen.
Hintergrund:
- Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) listet kritische Pflanzen mit Ausbreitungstendenz auf. Tauchen sie irgendwo auf, ist schnelles Handeln nötig, um eine Ausbreitung zu verhindern. Etwa 430 gebietsfremde Pflanzen haben sich seit 1492 in Deutschland dauerhaft etabliert, 1.410 Neophyten kommen unbeständig vor. Ihre Ausbreitung kann erhebliche Schäden anrichten, da sie einheimische Arten verdrängen oder ökonomische und gesundheitliche Folgekosten verursachen. www.BfN.de/gefaesspflanzen
- Insektenfreundliche Pflanzen und Gehölze: www.NABU-BW.de/pflanzlisten
- Mehr Tipps zum naturnahen Gärtnern: Kostenfreie Online-Vortragsreihe ab Donnerstag, 17. September. www.MenschNatur.org/webinar
- Die Gartentipps sind Teil des Projekts Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben. des NABU Baden-Württemberg. Ziel ist es, die biologische Vielfalt im Siedlungsraum zu erhalten und zu stärken – in Gärten und Kirchengemeinden, auf öffentlichen Grünflächen und an Gebäuden. Mensch.Natur läuft von 2025 bis 2031 und wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch das Umweltministerium Baden-Württemberg. Mehr Informationen unter: www.MenschNatur.org
Foto (Karin-Braun_NABU): Gemeine Nachtkerze Oenothera-biennis
PM NABU Baden-Württemberg