- Suche nach den günstigsten Bahntickets kann aufwendig sein, beobachtete Preisunterschiede bei Flexpreis-Tickets sind mitunter groß
- Für Fahrten tagsüber bleiben die erhobenen günstigsten Super Sparpreise häufig hinter der Werbung zurück
- Verbraucherzentrale fordert: Deutsche Bahn muss Tarifsystem transparenter und einfacher machen
Die Bahn soll das Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität sein. Doch die Preisstruktur ist vor allem eines: komplex. In der Realität ist es nicht immer einfach, ein günstiges Ticket zu kaufen. Eine Langzeituntersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt, dass verschiedenste Einflussfaktoren die Ticketpreise im Fernverkehr bestimmen können. Dabei zeigt sich, dass die Preisgestaltung für Verbraucher:innen mitunter intransparent und schwer nachvollziehbar sein kann. Bahnreisen verlässlich zu planen, wird so erschwert, kritisiert die Verbraucherzentrale.
„Wer mit der Deutschen Bahn fährt, der trifft auf ein komplexes Preissystem. Das macht die Planung einer Bahnreise in finanzieller Hinsicht anspruchsvoll“, sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Wer sich mit dem Fahrpreissystem der Deutschen Bahn nicht auskennt, ist im Zweifel im Nachteil. Wir haben bei den von uns untersuchten Verbindungen festgestellt, dass beworbene und beobachtete Preise für Fahrten tagsüber häufig auseinanderfallen. Das kann für Kundinnen und Kunden frustrierend sein. Wer mit besonders günstigen Preisen wirbt, sollte gewährleisten, dass diese öfter auch zu üblichen Reisezeiten verfügbar sind“, sagt Pop.
Super-Sparpreistickets – Werbung versus Realität
Die Deutsche Bahn informiert auf ihrer Webseite tagesaktuell über die günstigsten Preisangebote. Für Fahrten tagsüber (Abfahrt zwischen 7 und 19 Uhr) fiel der erhobene günstigste Super Sparpreis an dem Großteil der von der Verbraucherzentrale untersuchten Erhebungstage (76 Prozent) allerdings teurer aus. An diesen Tagen lagen die günstigsten erhobenen Ticketpreise zwischen 15 und 157 Prozent über dem jeweils beworbenen Angebot. Lediglich an knapp jedem vierten Erhebungstag (24 Prozent) entsprachen die erfassten günstigsten Preise dem beworbenen Super Sparpreis – oder lagen darunter.
Fahrplanwechsel ohne Preissteigerung: Wo bestätigt es sich (nicht)?
Beim Fahrplanwechsel 2025/2026 hatte die Deutsche Bahn angekündigt, auf Fahrpreiserhöhungen zu verzichten. Das bestätigen zwar grundsätzlich die Untersuchungsergebnisse der Verbraucherzentrale. Je nach Strecke und Buchungszeitraum zeigten sich hier jedoch auch deutliche Unterschiede. Vor allem bei den Sparangeboten sind laut Untersuchung die erhobenen Preise vom ersten Quartal 2025 zum ersten Quartal 2026 zum Teil deutlich gestiegen: Über die untersuchten Strecken hinweg sind bei Super Sparpreistickets insbesondere mittelfristig gebuchte Fahrkarten teurer geworden – im Median um 36 Prozent. Je nach Strecke beobachtete die Verbraucherzentrale sogar Preissteigerungen von bis zu mehr als dem Doppelten (+111 Prozent). Bei den erhobenen Flexpreistickets sind langfristige Buchungen im Median um drei Prozent teurer geworden, während kurzfristige Buchungen in diesem Zeitraum im Median um zwei Prozent günstiger geworden sind.
Meist am günstigsten: Bahnfahren zu Randzeiten
Laut den vzbv-Ergebnissen haben Reisende die besten Chancen günstig zu reisen, wenn sie…
- zu Wochenbeginn oder an Samstagen reisen,
- Reisen zum Jahresbeginn planen,
- Randzeiten wie den frühen Morgen oder den Abend nutzen und
- ihre Reise langfristig, idealerweise etwa zwölf Wochen im Voraus, buchen.
Beispiel: Bei den untersuchten Strecken fallen die erhobenen Super Sparpreise bei kurzfristiger Buchung im Median knapp dreimal so hoch (180 Prozent höher) aus wie bei einer langfristigen Buchung.
Große Preisunterschiede beim Flexpreis möglich
Vor zehn Jahren führte die Deutsche Bahn den auslastungsabhängigen Flexpreis ein. Während bei der testweisen Einführung auf zwei Strecken im Jahr 2016 noch darauf hingewiesen wurde, dass sich der Flexpreis „tageweise in der Höhe leicht unterscheiden soll“, fallen die beobachteten Preisunterschiede auf den von der Verbraucherzentrale untersuchten Strecken inzwischen teils erheblich aus. Innerhalb des Fahrplanjahres 2025 lag bei den untersuchten 20 Direktverbindungen die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten erhobenen Flexpreis im besten Fall bei 85 Prozent, sie kann jedoch auch bis zu 170 Prozent betragen. So kostete ein Flexpreisticket auf der Strecke Berlin–Köln am günstigsten erfassten Reisetag 99,90 Euro und am teuersten 185,10 Euro. Bei einer Fahrt von Frankfurt nach Köln – eine der beiden Teststrecken aus dem Jahr 2016 – betrug der erhobene Preis im besten Fall 42,30 Euro und im schlechtesten Fall 114,20 Euro. Der größte absolute Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten erfassten Flexpreis war mit 154,20 Euro auf der Strecke Frankfurt–Hamburg zu verzeichnen.
Verbraucherzentrale fordert transparenteres Preissystem
„Der Tarifdschungel der Bahn ist für Verbraucherinnen und Verbraucher nur schwer zu durchschauen“, kritisiert Pop. „Wer die Preise als unfair empfindet, wird sich im Zweifel gegen die Bahnfahrt entscheiden. Das können weder Politik noch der Bahnvorstand wollen. Die Deutsche Bahn muss ihr Preissystem einfacher und transparenter gestalten, damit sich künftig mehr Verbraucherinnen und Verbraucher für eine Bahnfahrt entscheiden.“
Methode
Mittels eines skriptbasierten Preismonitorings hat der Verbraucherzentrale Bundesverband zwischen dem 1. Juni 2024 und dem 30. April 2026 täglich die günstigsten verfügbaren Direktverbindungen zwischen den fünf bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main) erhoben. Zusätzlich wurde täglich der beworbene günstigste Ticketpreis erfasst. Über 690 Erhebungstage wurden insgesamt 289.154 Verbindungsabfragen für kurzfristige (in den kommenden 7 Tagen), mittelfristige (in 3 Wochen) und langfristige Buchungen (in 12 Wochen) durchgeführt. Um ein verbrauchernahes Buchungsverhalten abzubilden, wurden ausschließlich Verbindungen der 2. Klasse für Fahrten tagsüber mit einer Abfahrt zwischen 7 und 19 Uhr untersucht.
PM Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.