Ein bekanntes Muster: Mehr Unfälle rund um die Feiertage

An Feiertagen wie Vatertag oder Pfingsten steigt regelmäßig die Zahl schwerer Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg. Dabei immer wieder im Fokus: das Verhalten von Männern am Steuer. Dies spricht 2026 die Kampagne Team Vision Zero unter dem Slogan „Deine Mutter fährt besser als Du“ an.

Ein Blick auf die aktuellen Unfallzahlen zeigt ein deutliches Ungleichgewicht. Laut dem Innenministerium Baden-Württemberg werden rund 68 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden von Männern verursacht, nur 32 Prozent von Frauen. Bei tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmenden sind Männer als Betroffene mit einem Anteil von rund 70 Prozent trauriger Erster. Besonders auffällig sind die Geschlechterunterschiede bei Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit oder unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Männer fahren risikoreicher

Die Zahlen sind alarmierend: Männer gehen im Straßenverkehr durchschnittlich mehr Risiken ein als Frauen. Das belegen Auswertungen des Statistischen Bundesamts Baden-Württemberg und Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen. Sie verstoßen häufiger gegen Verkehrsregeln und werden öfter sanktioniert. Psychologinnen und Psychologen führen dies unter anderem auf eine höhere Risikobereitschaft, stärkeres Konkurrenzverhalten und soziale Rollenbilder zurück. Verkehrsminister Winfried Hermann erklärt: „Die Zahlen sind eindeutig und verpflichten uns zum Handeln. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, Risiken klar zu benennen und das eigene Verhalten gezielt zu reflektieren. Das gilt besonders für Männer. Gerade an Festtagen ist verantwortungsbewusstes Verhalten entscheidend.“

Hohe Unfallzahlen: Mehr als nur eine Frage der Kilometer

Ein häufiger Einwand lautet, dass Männer mehr fahren und deshalb auch häufiger in Unfälle verwickelt sind. Tatsächlich legen sie laut der aktuellen Studie „Mobilität in Deutschland“ im Durchschnitt mehr Kilometer pro Tag zurück als Frauen. Das Verhältnis liegt bei etwa 60 zu 40. Gleichzeitig spiegelt sich das nicht in den Unfallzahlen wider, die eher bei 70 zu 30 liegen. Auch der Anteil der Frauen mit Führerschein liegt mit rund 45 Prozent fast auf Augenhöhe.

Entscheidend ist zudem die Schwere der Unfälle. Bei tausend Unfällen, die von Pkw-Fahrerinnen verursacht wurden, kommen im Schnitt sechs Menschen ums Leben. Bei tausend Unfällen, die von Pkw-Fahrern verursacht wurden, sind es dagegen zwölf. Dass Männer mehr Kilometer zurücklegen, ist also kein Grund für den immensen Unterschied in der Unfallstatistik.

Neue Informationskampagne adressiert Männer

Die Verkehrssicherheitskampagne „Team Vision Zero“ setzt sich für null Schwerverletzte und Tote ein. Mit zugespitzten Botschaften wie „Deine Mutter fährt besser als du“ oder „Deine Mutter kriegt jede Kurve“ wird humorvoll der Mythos hinterfragt, dass Männer die besseren Autofahrer seien. Die Idee dahinter ist einfach: Umsichtiges, vorausschauendes Fahren ist keine Schwäche, sondern Stärke. Begleitet wird die Kampagne von landesweiten Brückenbannern und von gezielten Aktivitäten für junge Fahrer. Ziel ist es dabei, dass bei (nächtlichen) Ausflügen immer mindestens eine Person nüchtern bleibt und dafür sorgt, dass alle sicher nach Hause kommen.

Moderator Marvin Endres aus Stuttgart, seit diesem Jahr Mitglied im Team Vision Zero, sagt: „Viele wollen cool sein, dazugehören oder Eindruck machen. Genau da kippt es oft. Umso wichtiger ist es, sich das eigene Verhalten bewusst zu machen.“ Gerade an Feiertagen treffen mehrere Risikofaktoren zusammen. Alkohol, volle Straßen und Gruppendynamik verstärken sich gegenseitig. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu klären, wie man sicher nach Hause kommt. Wer nüchtern bleibt, öffentliche Verkehrsmittel nutzt oder Fahrgemeinschaften organisiert, reduziert das Unfallrisiko deutlich.

Gesellschaftliche Debatten können wichtige Impulse für Verhaltensänderungen geben. Genau das ist das Ziel dieser Kampagne. Denn jeder vermiedene Unfall bedeutet weniger Leid für Betroffene und Angehörige und mehr Sicherheit für alle.

Hintergrundinformationen

  • Das Land möchte die Anzahl der Verkehrstoten bis 2030 um 60 Prozent im Vergleich zu 2010 reduzieren. Waren es 2010 noch 494 Getötete, konnte die Zahl 2025 auf 367 reduziert werden.
  • 2019 hat das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg seine mehrjährige Verkehrssicherheitskampagne gestartet. Seit 2023 wirbt die Kampagne unter dem Aktionsmotto „Team Vision Zero“ verstärkt bei jungen und alten Menschen. Diese sollen gemeinsam am Ziel von null Verkehrstoten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – der Vision Zero – mitarbeiten. Die Kampagne macht auf wichtige Sicherheitsthemen aufmerksam, klärt über Fakten auf und gibt konkrete Tipps für Verhaltensänderungen.
  • Weitere Informationen zur Kampagne: team-vision-zero.de

 

PM Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

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