Tag der Streuobstwiese: Mehr Engagement für Steinkauz und Wendehals – NABU fordert verlässliche Zusagen für ehrenamtlich Engagierte

Rund um den Tag der Streuobstwiese (24.4.) zeigt sich die Natur im duftenden Gewand. Am Trauf der Schwäbischen Alb, im Neckartal oder im Umland der Landeshauptstadt Stuttgart stehen noch viele alte Obstbaumriesen. Die Streuobstwiesen sind Zeugen einer Zeit, in der Kühe auf Weiden grasten, Wiesen gesenst und viel Obst gemostet wurde. Doch mit der Intensivierung der Landwirtschaft und fortschreitendem Klimawandel sind diese kostbaren Naturschätze zunehmend bedroht – und damit die enorme Artenvielfalt an Vögeln, Insekten, kleinen Säugetieren, Pilzen, Wildblumen und Obstsorten, die hier eine Heimat finden. Seit 2021 wird europaweit am letzten Aprilwochenende die Schönheit dieser Landschaft gefeiert.

Der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle wünscht sich angesichts der enormen Bedeutung der Streuobstwiesen für die biologische Vielfalt mehr Engagement der Politik: „Streuobstwiesen sind ein einzigartiges kulturelles Erbe Baden-Württembergs. Hier leben mit Wendehals und Steinkauz besondere Vogelarten, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind. Mit der Streuobstkonzeption des Landes liegt bereits eine Blaupause vor, was zum Erhalt der Flächen getan werden muss. Von der künftigen Landesregierung erwarten wir, dass sie die Streuobstkonzeption mit ausreichend finanziellen Mitteln ausstattet, damit dieser artenreiche Lebensraum die Unterstützung erhält, die er verdient.“

Viele der rund 230 NABU-Gruppen im Südwesten pflegen ehrenamtlich dutzende Streuobstbäume ohne verlässliche Förderung über die Landschaftspflegerichtlinie. Die Baumschnittprämie ist finanziell gedeckelt. „Die Pflege von Streuobstwiesen gibt es nicht zum Nulltarif. Bäume schneiden, Wiesen mähen, Hecken stutzen – das ist anstrengende Arbeit. Damit die Landschaft als Lebens-, Erholungs- und Erlebnisraum erhalten bleibt und wir sie noch in hundert Jahren durchwandern können, braucht es eine bessere Honorierung der Pflege und eine auskömmliche Vermarktung von Streuobst-Produkten. Hier zu sparen, geht auf Kosten der als immaterielles Kulturerbe auf der deutschen UNESCO-Liste stehenden Kulturlandschaft“, betont Ingrid Eberhardt-Schad, NABU-Expertin für Streuobstwiesen.

Mit Saftpresse und Nistkästen für Streuobstwiesen

Die NABU-Gruppen Göppingen und Bretten kümmern sich besonders intensiv um den Erhalt der Streuobstwiesen. Diese bleiben nur durch eine naturverträgliche Bewirtschaftung erhalten. Die Aktiven schneiden daher die alten Obstbäume, pflanzen neue nach und pflegen diese, mähen die Wiesen, hängen Nistkästen auf und laden Interessierte ein, ihre Leidenschaft kennenzulernen. Während der NABU Göppingen Grundschülerinnen und -schüler zum Saftpressen und zu Vogel- und Wildbienen-Exkursionen einlädt, wirbt der NABU Bretten mit süßem Geschmack direkt auf der Streuobstwiese: ein Saftmobil erlaubt die Verkostung vor Ort. Zudem haben die Aktiven Kleinbiotope wie Trockenmauern, Steinhaufen und Benjeshecken angelegt. „Das Engagement der Aktiven braucht gute Rahmenbedingungen“, betont Enssle.

Hintergrund:

In Baden-Württemberg findet man noch die größten zusammenhängenden Streuobstflächen in ganz Europa mit geschätzten 89.000 bis 111.000 Hektar (Quelle: LUBW). Für die biologische Vielfalt sind sie von unschätzbarem Wert: Naturverträglich genutzte Streuobstbestände zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Streuobstwiesen können unzählige Tier-, Pflanzen- und Pilzarten beheimaten, darunter viele Insekten, die von der Pflanzenvielfalt in den Streuobstwiesen leben. Sie sind wiederum die Nahrungsgrundlage von Vögeln wie Steinkauz, Wendehals oder Rotkopfwürger. Um Streuobstwiesen vor Bebauung zu schützen, hat die Landesregierung im Biodiversitätsstärkungsgesetz eine entsprechende Regelung verankert (siehe: Forderungen an die Landesregierung).

Weitere Infos zum Thema:

www.NABU-BW.de/streuobst

www.hochstamm-deutschland.de/streuobst-erleben/tag-der-streuobstwiese

Foto (NABU/Thomas Hinsche): Wiedehopf füttert Jungtier in Baumhöhle auf Streuobstwiese

 

PM NABU Baden-Württemberg

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