NABU: Verstecke unterm Laub und in den Hecken Gartensaison beginnt im März – Rückschnitt von Hecken und Sträuchern nur bis Ende Februar

Im Garten beginnt es an sonnigen Tagen bereits zu wuseln und zu flattern. Die ersten Zitronenfalter sind schon unterwegs, Vögel stecken lautstark singend ihr Revier ab, Häuschenschnecken werfen ihren Kalkdeckel ab und Sträucher treiben frisches Blattgrün aus. In manchen Teilen Baden-Württembergs fühlt sich der milde Winter schon wie Frühling an. Höchste Zeit also im Garten aufzuräumen – oder? Hecken schneiden, Gräser kürzen, Laub von den Beeten räumen – was kann man jetzt schon machen, ohne die tierischen Gartenbewohner zu stören? Ein kleiner Überblick von NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold und Vogelexpertin Alexandra Ickes.

Ran an die Hecke? Aber nur bis 29. Februar

Wer seine Hecken und Sträucher stärker kürzen will, sollte sich sputen und bis zum 29. Februar die Arbeiten beendet haben. „Ab dem 1. März beginnt offiziell die Vogelbrutsaison. Dann sollte ein Rückschnitt bis zum nächsten Herbst warten. Denn im dichten Gestrüpp nisten und brüten ab März Singvögel, wie Amsel, Rotkehlchen, Gartengrasmücke und Heckenbraunelle. Werden Hecken während der Brutzeit geschnitten, kann diese massive Störung dazu führen, dass eine Brut aufgegeben wird. Außerdem werden Jungvögel leichter von Fressfeinden wie Katzen und Mardern entdeckt“, erklärt NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. Naturnahe Hecken aus verschiedenen heimischen Sträuchern sind zudem ein wichtiger Lebensraum für Igel, Erdkröten, Blindschleichen oder Insekten. „Kleine Verschönerungen an der Hecke – sogenannte leichte Form- und Pflegeschnitte – sind weiter erlaubt. Dabei dürfen Wildtiere aber nicht gestört werden. Also lieber alles vorher in Ordnung bringen“, rät Ickes.

Überalterte Hecken tragen kaum mehr Früchte, werden innen kahl oder sterben ab. Ein regelmäßiger Schnitt von Gehölzen ist daher wichtig. So bleiben sie als Sichtschutz und Lebensraum für Tiere erhalten. Eine sachgerechte Pflege erfolgt abschnittsweise und muss nicht unbedingt jährlich sein. Wichtig ist, eine Heckenreihe nicht komplett zu entfernen. Stattdessen sollten Heckenabschnitte im Wechsel stehen bleiben, damit ein Teil des Lebensraums immer vorhanden ist. Ein sauberer Schnitt mit scharfem Werkzeug sorgt dafür, dass Sträucher gesund bleiben. Das Schnittgut muss man nicht abfahren, es kann als Totholzhaufen zum Lebensraum für Amphibien und Reptilien werden.

Beete aufräumen – was ist sinnvoll?

Beim Frühjahrsputz im naturnahen Garten gilt das Motto: Weniger ist mehr. „Ein Naturgarten erfüllt mehrere Funktionen – er ist Erholungsort für uns und Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Gärtnerinnen und Gärtner gestalten darin im Kleinen gezielt Lebensräume, die es so ähnlich auch in der Natur gibt. Wasserläufe und Teiche, wilde Ecken mit Totholzhaufen und Benjeshecken, Blühwiesen und offene Bodenstellen für Wildbienen – Vieles ist möglich. Vielfalt statt Monotonie ist das Ziel“, erklärt NABU-Gartenfachfrau Arnold. Im Naturgarten darf es etwas unordentlich sein. „Lassen Sie in Ihrem Garten verblühte Stängel von Wildpflanzen wie Königskerze, Distel oder Wilder Karde stehen, bis es dauerhaft zweistellige Temperaturen gibt. Dann werden die Insekten aktiv und verlassen ihr Winterquartier. Bleiben die Stängel noch länger stehen, können sie ab dem zweiten Jahr von Wildbienen als Nistplatz genutzt werden. Im besten Fall bleiben markhaltige Stängel also mehrere Jahre stehen. Laub kann auf den Beeten in einer dünnen Schicht liegen bleiben – das fördert Bodenlebewesen, die für einen gesunden Boden sorgen. Dort finden auch Insekten wie Asseln und Käfer, die wichtige Nahrung für viele andere Gartentiere sind, Verstecke.

Auch mit dem ersten Rasenschnitt sollte man ruhig noch etwas warten. „Igel, die ihr Winterquartier schon bald verlassen und in unseren Gärten und auf Streuobstwiesen nach Nahrung suchen, können dort Würmer und Schnecken entdecken. Ratzekurze Golfrasen bieten wenig Nahrung für Wildtiere“, so Ickes. Steht im Frühjahr der erste Rasenschnitt an, kann man mit einem Mosaik aus unterschiedlich hohen Rasenflächen für mehr Vielfalt sorgen – oder gleich den Rasen über einige Jahre hin zur Wiese werden lassen. Das spart am Ende Arbeit und hilft vielen Insekten.

Hintergrund:

Weitere Infos des NABU zu Naturgärten.

Foto: Zitronenfalter © NABU/Ralph Budke

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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