Winterliche Vogelstrategien: Fernreise, Gruppenkuscheln, Kälteflucht So verbringen die fünf „Vogel des Jahres“-Kandidaten die kalte Jahreszeit / Noch bis 27. Oktober beim NABU abstimmen

Draußen wird es kalt, nass und die Tage werden kürzer – auch für Vögel ist das eine Herausforderung und für manche ein Startsignal zum Abflug. Die fünf Kandidaten des NABU für die Wahl zum Vogel des Jahres haben pfiffige Strategien für Herbst und Winter.

Tschüss, Winter!

Braunkehlchen, Neuntöter und Trauerschnäpper haben Deutschland längst den Rücken gekehrt und sind in wärmere Weltregionen gereist. „Alle drei sind Langstreckenzieher und fliegen bis nach Afrika“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Zuerst war der Neuntöter weg, der im August loszog. Er legt einige tausend Kilometer zurück bis zu seinem Winterquartier südlich der Sahara. Im Frühling kehren diese drei Kandidaten wieder zurück. Sie verpassen also die Verkündung des neuen Jahresvogels 2023 am 27. Oktober.

Bei der Wahl zum Vogel des Jahres liegen zwei Kandidaten ganz weit vorn – Neuntöter und Braunkehlchen. Aber auch Feldsperling, Teichhuhn und Trauerschnäpper haben noch eine Chance auf den Spitzenplatz. „Mehr als 108.000 Menschen haben bisher unter www.vogeldesjahres.de ihr Kreuzchen gemacht“, freut sich Bosch. „Das große Interesse zeigt, dass die Vogelwelt vielen Menschen am Herzen liegt.“ Dennoch teilen alle fünf Kandidaten laut der Roten Liste Baden-Württembergs ein trauriges Schicksal: „Braunkehlchen und Trauerschnäpper sind in ihrem Bestand stark gefährdet. Das Teichhuhn gilt als gefährdet und der Feldsperling befindet sich mittlerweile auf der Vorwarnliste“, warnt der NABU-Vogelkenner. Nur der Neuntöter ist ungefährdet und lässt sich noch häufiger in offenen strukturierten Landschaften mit Hecken und Sträuchern, auf Äckern und an Waldrändern beobachten.

Vogelhilfe ganz praktisch

Feldsperlinge sind sehr gesellig. Sie kuscheln bei Kälte gern mit mehreren Artgenossen. Dafür nutzen sie oft einen Nistkasten oder eine Baumhöhle. Damit sich die Vögel kein Ungeziefer einfangen, sollte man im Herbst alte Nester aus den Nistkästen entfernen. „Feldsperlinge ernähren sich von Samen. Sie freuen sich über wilde Gärten, in denen verblühte Stauden mit ihren Samenständen stehenbleiben dürfen. Am Futterhaus mögen sie Körnerfutter und Meisenknödel – natürlich ohne Netz“, informiert der Ornithologe.

Das Teichhuhn ist wie ein gefiedertes Phantom an Fluss- und Seeufern. Denn es lebt sehr zurückgezogen in der Ufervegetation. Häufiger entdeckt man es in Parks und zoologischen Gärten. Beim Futter ist es nicht wählerisch: Pflanzen, Sämereien, Schnecken und Kleintiere stehen auf dem Speiseplan, sofern sie erreichbar sind. Drohen Gewässern zuzufrieren, nimmt das Teichhuhn auch mal Reißaus und weicht nach Südeuropa oder auf die Britischen Inseln aus. Das nennt man „Kälteflucht“. Da die Winter bei uns aber milder werden, bleibt es meist hier.

Bis zum 27. Oktober ist das virtuelle Wahllokal für die Wahl zum Vogel des Jahres 2023 unter www.vogeldesjahres.de geöffnet. Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt.

Hintergrund:

Mehr Infos und Teilnahme an der Abstimmung: www.vogeldesjahres.de

Bird-O-Mat: www.NABU.de/birdomat

PMNABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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