NABU: Die Schwalben fliegen teils verspätet in den Süden – Verlassene Nester nicht entfernen und Lebensraum aktiv verbessern helfen

Mit ihrem Aufbruch in die Winterquartiere im südlichen Afrika geben die Schwalben dieser Tage den Startschuss für den Herbst. Dabei haben Mehl-, Rauch- und Uferschwalben in manchen Landesteilen ihren traditionellen Abflugtag – „an Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt“ – verpasst. Über der Ehmetsklinge, einem kleinen Stausee in Zaberfeld bei Heilbronn, jagten gestern noch einige dutzend Tiere nach Insekten. Doch die Tage werden kühler, die Insekten machen sich rar und auch die letzten Schwalben fliegen ab.

„Etwas Wehmut schwingt stets mit, wenn uns die eifrig umherfliegenden Sommerboten verlassen. Dann steht die dunklere Jahreszeit vor der Tür, die dieses Jahr mit viel Unsicherheit verknüpft ist“, sagt NABU-Schwalbenexperte Rudi Apel. Die wendigen Flugkünstler gehören zu den beliebtesten heimischen Singvögeln. Leider gehen ihre Bestände seit Jahren deutlich zurück. Neben dem Nahrungsmangel durch das Insektensterben macht ihnen auch die Wohnungsnot zu schaffen. „Ob Haus oder Hof, wer die Möglichkeit hat, sollte Schwalben unterstützen, mit einheimischen Pflanzen, die Insekten und damit indirekt Schwalben Nahrung bieten, mit Lehmpfützen als Quelle für Baumaterial und mit Toleranz gegenüber ihren Nistplätzen an Gebäuden“, rät der NABU-Ornithologe daher.

Schwalben kehren im Frühling zurück

Beim Abflug in den Süden merken sich die Schwalben den Standort ihrer Nester, um sie im nächsten Frühling gleich wieder beziehen zu können. „Wie viele andere Vögel auch sind Schwalben effizient, wenn es ums Häuslebauen geht. Ein altes Nest zu reparieren geht deutlich schneller, als aus 700 bis 1.500 Lehmkügelchen mühsam ein neues zu mauern“, so Apel. Wer einen guten Nistplatz hat, ist im Vorteil. Denn gute und geeignete Brutplätze an oder in Wohngebäuden, Reithallen und Stallungen sind rar. Während Rauchschwalben drinnen, bevorzugt in warmen Ställen nisten, bauen Mehlschwalben ihre kunstvollen Nester meist draußen, hoch oben unter dem Dachvorsprung, an rauen Hauswänden. Die bei uns seltenere Uferschwalbe brütet am Ende von Röhren, die sie in Sandadern von natürlichen Steilwänden gräbt. Die extrem seltene Felsenschwalbe nistet ähnlich wie die Mehlschwalbe, aber fast nur an Felsen.

Weil viele Flächen versiegelt werden, fehlt oft lehmiges Baumaterial für die Nester. In heißen Sommern trocknen Lehmpfützen aus. Durch Renovierungs- und Umbauarbeiten oder die bloße Gebäudereinigung gehen Nester verloren, weil sie oft als störend entfernt werden. Ersatzquartiere sind wichtig, werden aber nicht immer gleich angenommen. Nisten bereits Schwalben in der Nachbarschaft, steigt die Chance, dass neue Nester bald besetzt sind.

Bereits 175 neue Schwalbenfreundinnen und -freunde ausgezeichnet

Der NABU zeichnet engagierte Haus- sowie Hofbesitzerinnen und -besitzer aus, die Schwalben ein Zuhause geben. Allein in Baden-Württemberg hat der NABU seit 2017 rund 2.500 engagierte Vogelfreundinnen und -freunde ausgezeichnet. Im laufenden Jahr sind 175 neu hinzugekommen.  „Jede und jeder kann den Sommerboten mit Nisthilfen, Lehmpfützen und insektenreichen Gärten helfen“, sagt Apel. Das ist auch dringend nötig. Denn Schwalben sind stark gefährdet. Von 1980 bis 2016 nahm die Zahl der Brutpaare bei den Rauchschwalben im Südwesten um mehr als die Hälfte ab. Bei den Mehlschwalben ist der Rückgang ähnlich dramatisch.

Was gilt bei Hausrenovierungen?

Schwalbennester sind durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders beschützt. Wer sie zerstört, muss mit einer Geldbuße rechnen. Schwalbennester sind von Mieterinnen und Mietern sowie Hauseigentümerinnen und -tümern daher zu dulden. Wenn im Zuge von Baumaßnahmen Nester entfernt werden, sind Ersatzquartiere zwingend vorgeschrieben. Dazu setzt man sich vor Beginn der Bauarbeiten am Haus mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung in Verbindung und stimmt die Ersatzmaßnahmen mit ihr ab. So sind Hauseigentümerinnen und -eigentümer auf der sicheren Seite und vermeiden eventuelle Rechtsstreitigkeiten. Zum Schutz von Schwalben und ihren Nestern sollten Dächer und Dachrinnen nur außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten erneuert werden. Der naturfreundlichste Zeitraum für Sanierungsarbeiten am Haus ist von Oktober bis Februar.

Damit die Hausfassade und Gehwege nicht durch Kot verschmutzt werden, fängt ein mindestens 70 Zentimeter unterhalb der Nester angebrachtes Kotbrett diesen auf. Es wird jährlich gereinigt. Ein Schwalbenkasten an der Hauswand oder ein Schwalbenhotel im Garten sind eine willkommene Hilfe für die gefiederten Insektenjäger. Nisthilfen fürs nächste Jahr können jetzt schon montiert werden.

Hintergrund:

Alle Infos und das Bewerbungsformular „Schwalbenfreundliches Haus“: www.NABU-BW.de/Schwalbenfreundlicheshaus. Arteninfos: www.NABU-BW.de/schwalben. Bauanleitung für Kunstnester: www.NABU.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/nistkaesten/01086.html

Bestände: In Baden-Württemberg lebten zwischen 2005 und 2011 noch geschätzte 35.000 bis 50.000 Rauchschwalben- und 45.000 bis 65.000 Mehlschwalbenpaare. Von 2012 bis 2016 waren es nur noch 28.000 bis 40.000 Rauchschwalben- und 38.000 bis 58.000 Mehlschwalbenpaare – ein Rückgang bei beiden Arten von über 20 Prozent (Quelle: www.ogw.de). Von der Uferschwalbe gibt es im Südwesten nur noch etwa 3.000 bis 5.000 Paare. Noch viel seltener ist die Felsenschwalbe mit etwa 30 Paaren.

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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