Sonntagsgedanken Fußball – nur ein Spiel?

Das Herz rast, der Puls spielt verrückt. Von einer Sekunde auf die andere wird alles still. Jeder hält den Atem an, … und dann der Schrei aus 10.000 Kehlen wie eine Erlösung: Tor! Toooor! Tooooooor! Schweißnasse Hände strecken sich zum Himmel. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen! Ob beim Public-Viewing oder im Stadion, ob zuhause vor dem Fernseher oder im Kreis von Freunden – jetzt schlägt er wieder zu, der Fußballvirus. Und er ist höchst ansteckend. Oder man ist immun, wendet sich mit Grausen ab. Beides wird es in nächster Zeit geben, vielleicht sogar in der eigenen Familie. Fußball-EM – Festzeit für die einen. Leidenszeit für die anderen. Wie auch immer!

AndreasWeidleIch gestehe: Ich gehöre auch zu den Infizierten, die mitfiebern im Stadion oder vor dem Fernseher oder mitleiden mit dem VfB. Gleichzeitig aber rege ich mich wahnsinnig auf über den Fußball und die unsinnige Geschäftemacherei, die damit verbunden ist. Aberwitzigen Geldmengen machen das Spiel kaputt und die Menschen, so scheint es, verrückt.

Aber je öfter ich mir einzureden versuche: „Mensch, bleib doch ruhig, ist doch nur ein Spiel!“, desto weniger gelingt es! Denn irgendwie ist Fußball tatsächlich mehr.

Was da Samstag für Samstag in den Stadien wie ein Gottesdienst zelebriert wird, was bei der EM mit einer klaren Liturgie, mit Gesang und „Gebet“ angepfiffen wird und mit einer Stimmung zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt daherkommt, ist im Grunde genommen ein Gleichnis für mein Leben:

Auch da gibt es einen Anpfiff und einen Abpfiff. Da gibt es schöne Szenen. Und all die unschönen auch! Da gibt es einfache Regeln und linke Tricks, sie zu umgehen. Und manchmal laufe ich ins Abseits, ohne es zu merken. Auf dem Fußballplatz werden genau genommen Geschichten erzählt vom Fallen und Aufstehen, von Siegen und von Niederlagen.

Und auf dem Sportplatz des Lebens werde ich gefragt: Bin ich bereit Verantwortung zu übernehmen? Bin ich Spielmacher oder Mitläufer? Ducke ich mich weg, wenn der Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt wird, oder trete ich an?

Ach ja, Fußball. Das Spiel dauert 90 Minuten. „Unser Leben währet 70 Jahr und wenn´s hoch kommt sind es 80 Jahre“ (Psalm 90,10), wegen mir auch 90 oder 56. Auf jeden Fall ist unsere Spielzeit begrenzt. Auch die Nachspielzeit übrigens. Und am Ende steht das Ergebnis. Dann lässt sich nichts mehr korrigieren. Wie es ausgehen wird, das Spiel meines Lebens? Und ob ich am Ende die Punkte abgebe oder eine Ewigkeit gewinne?

Wenn Sie dem nachspüren wollen, sind Sie z.B. morgen früh im Gottesdienst herzlich willkommen.

 

Andreas Weidle

Evang. Stadtkirchengemeinde-Oberhofen

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