Mit 40 zur Kampfkunst – heute entwickelt Alfred Brandner ein neues Notwehrkonzept

„Notwehr ist kein Kampf. Notwehr ist ein Systembruch.“

Er war 40 Jahre alt, als Alfred Brandner mit Kampfkunst begann. Für viele wäre das ein ungewöhnlich später Einstieg. Für Brandner wurde daraus eine mehr als drei Jahrzehnte währende Entwicklung – und schließlich die Idee für ein eigenes Notwehrkonzept: den „Systemschock“.

Was dabei im Mittelpunkt steht, ist nicht der spektakuläre Kampf. Im Gegenteil. Brandners Grundgedanke lautet: Wer sich verteidigen muss, sollte möglichst nicht kämpfen müssen.

Vom späten Einstieg zum eigenen Konzept

Brandners Weg führte über das World Taekwondo und unterschiedliche Kampfkunstansätze zusätzlich  zum Goshin Jitsu. Besonders prägend war für ihn das Training unter Soke und IFAK  Präsident  Siegfried Lory.

Dessen realitätsorientierter Ansatz beeinflusste Brandners Verständnis von Selbstschutz nachhaltig. Im Mittelpunkt standen nicht sportliche Perfektion oder ritualisierte Bewegungsabläufe, sondern die Frage, was in einer tatsächlichen Bedrohungssituation unter Stress funktionieren kann.

Aus diesen Erfahrungen entwickelte Brandner seinen eigenen Ansatz weiter.

„Ich wollte nicht die Frage beantworten, wie man einen Kampf gewinnt. Mich interessiert die viel wichtigere Frage: Wie beendet man eine gefährliche Situation, bevor daraus ein Kampf wird?“, beschreibt Brandner die Grundidee hinter dem Systemschock.

Wenn Sekunden entscheiden

Eine weitere Perspektive bringt Brandner aus seiner beruflichen Tätigkeit im Rettungsdienst mit. Als staatlich anerkannte und geprüfte Rettungsfachkraft kennt er Situationen, in denen unter Zeitdruck Entscheidungen getroffen werden müssen und Menschen trotz hoher Belastung handlungsfähig bleiben müssen.

Medizinische Fachkenntnisse sowie kontinuierliche Aus-, Fort- und Weiterbildungen in den jeweiligen Fachbereichen ergänzen seine praktische Erfahrung.

Diese Einsatzrealität beeinflusst auch seine Sicht auf Selbstschutz: In einer realen Gefahrensituation steht dem Betroffenen weder ein Trainingspartner noch ein Regelwerk zur Verfügung. Stress, Überraschung und Zeitdruck verändern die Voraussetzungen grundlegend.

Der entscheidende Moment: der „Systemschock“

Genau hier setzt Brandners Konzept an.

Mit dem Begriff „Systemschock“ beschreibt er einen gezielten psychologischen und körperlichen Impuls, der die Handlungsroutine eines Angreifers unterbrechen und dem Betroffenen ein Zeitfenster zur Flucht oder zum Verlassen der Gefahrenzone eröffnen soll.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um einen sportlichen Zweikampf.

„Notwehr ist kein Kampf. Notwehr ist ein Systembruch.“

Dieser Satz bildet den Kern der Philosophie.

Der Ansatz stellt damit die klassische Vorstellung infrage, Selbstverteidigung müsse vor allem aus einer Vielzahl komplizierter Techniken bestehen. Entscheidend sei vielmehr, unter Stress überhaupt handlungsfähig zu bleiben, eine Bedrohung möglichst früh zu erkennen und eine Gelegenheit zur sicheren Flucht zu schaffen.

Was den Ansatz ungewöhnlich macht

Der Systemschock verbindet unterschiedliche Perspektiven: Kampfkunst, Psychologie, Selbstschutz und die Erfahrungen aus dem Rettungsdienst.

Ungewöhnlich ist dabei nicht zuletzt Brandners eigener Werdegang. Er begann erst im Alter von 40 Jahren mit der Kampfkunst und entwickelte seine heutigen Vorstellungen nicht aus einer klassischen Budo-Laufbahn heraus, sondern aus jahrzehntelanger praktischer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Systemen und Einsatzrealität.

Der Ansatz richtet sich deshalb ausdrücklich nicht nur an Kampfsportler. Im Fokus stehen Menschen, die wissen möchten, wie sie in einer unerwarteten Bedrohungssituation möglichst schnell Orientierung und Handlungsfähigkeit zurückgewinnen können – unabhängig von Alter, körperlicher Fitness oder Vorerfahrung.

Selbstschutz beginnt vor dem ersten Schlag

Für Brandner beginnt Notwehr deshalb nicht erst im Moment des körperlichen Angriffs.

Sie beginnt mit Wahrnehmung, Einschätzung und der Bereitschaft, eine gefährliche Situation konsequent zu verlassen, sobald dies möglich ist.

Der Systemschock soll dabei einen Perspektivwechsel vermitteln:

Nicht der Sieg über einen Gegner ist das Ziel. Das Ziel ist, selbst sicher aus der Situation herauszukommen.

Mit seinem Konzept will Alfred Brandner einen Beitrag zu einer Diskussion leisten, die über klassische Kampfkunst hinausgeht: Wie kann Selbstschutz unter realen Bedingungen funktionieren – wenn Angst, Stress und Überraschung plötzlich die Regeln bestimmen?

Alfred Brandner

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