Sonntagsgedanken: „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“

In lauen, klaren Sommernächten schnappe ich mit gerne einen Liegestuhl und setze mich damit in unseren Garten. Wenn dann die Sonne untergegangen ist, lehne ich mich in meinem Stul zurück und schaue nach oben. Was ich da zu sehen bekommen löst jedes Mal ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht in mir aus. Der nachtschwarze Himmel mit seinen unzähligen Sternen lässt mich staunen: über die grenzenlose Weite, über so viel Licht in der Dunkelheit. Und je länger ich nach oben schaue, desto mehr spüre ich wie die Sorgen und Fragen meines Alltags langsam in den Hintergrund treten und sich ein wunderbares Gefühl der Ruhe in mir ausbreitet. Als ob mich der Himmel mit all seinen Sternen umfängt und umhüllt.

Der Pfarrer und Dichter Wilhelm Hey hat dieses Gefühl in seinem bekannten Kinderlied „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ in Reime gefasst. Meine Mutter hat dieses Lied mit uns Kindern abends vor dem Schlafengehen gesungen und ich singe es heute am Bett meiner Enkelkinder: „Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Weißt du wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt. Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl.“

Auch wenn wir heute die Entstehung der Erde naturwissenschaftlich herleiten können, möchte ich mir und meinen Enkeln dieses Staunen über den nächtlichen Himmel bewahren. Für mich ist er mehr als das Ergebnis eines Urknalls. Ich sehe ihn als Fingerzeig unseres Schöpfers, der in all seiner Größe mich kleinen Menschen im Blick hat. Für ihn bin ich nicht irgendeine Nummer. Er kennt mich beim Namen, er hat einen Plan für mich und er hat mich lieb. Und Sie, die Sie das gerade lesen, übrigens auch. So endet nämlich das bekannte Kinderlied: „Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen, kennt auch dich und hat dich lieb.“

Ach ja, falls Sie dieses Lied heute Abend mit ihren Kindern oder Enkeln singen wollen. Es findet sich im Evangelischen Gesangbuch (EG, Nr. 511) und auch im Gotteslob (GL, Nr. 712).

Pfarrerin Margarete Kaiser-Autenrieth

 

 

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