Sonntagsgedanken: Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte

Ich geb’s zu. Ich führe immer noch und aus Überzeugung einen Papierkalender. Mein Kalender gibt mir außerdem jeden Wochenanfang ein Zitat zum Nachdenken mit. Für die kommende Woche steht da folgender Satz: „Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann“. (Christian Morgenstern)

Mir gefällt dieses Satz und ich kann dem voll und ganz zustimmen. Es macht doch einen großen Unterschied, wie ein Gegenüber auf mich zugeht; ob dies mit einem griesgrämigen Gesicht ist oder einem Ausdruck, dem man schon von weitem ansieht: da muss ich mich gleich auf was gefasst machen.

Ein Lachen oder ein Lächeln ist dagegen schon was richtig Schönes. Im besten Fall kann es mich anstecken und mir wiederum ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Und wenn dann dieses Lächeln oder Lachen in mich hineinhuscht – übrigens ein schönes altes Wort – dann schleicht sich da etwas ohne groß Aufhebens in mein Inneres. Ohne mein Zutun.

Dann heißt es nicht nur „oben und unten gute Laune“, sondern vielmehr geht dieses Lächeln tiefer – in meine Seele.

In der Bibel kommt Lachen in ganz unterschiedlichen Situationen vor. Eher als spöttisches Lachen bei Sara, die mitbekommt, dass sie als alte Frau noch ein Kind mit ihrem Mann Abraham bekommen soll. An manchen Stellen lesen wir vom Lachen auch in Form der Schadenfreude.

Und immer wieder steht das Lachen am Ende einer schwierigen Zeit. Oder es ist die Rede davon, dass alles seine Zeit hat; weinen und lachen, Trauer und Freude.

In einem Psalm wird geschildert, wie schwierig das Leben sein kann und wie groß die Sehnsucht nach Leichtigkeit ist. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. (Die Bibel: Psalm 126)

Sehnsucht und Hoffnung auf Leichtigkeit; auf unbeschwerte Zeiten und Momente. Diese Sehnsucht teilen wir heute mit den Menschen der Bibel.

Und am Ende können wir einen Teil zu ein wenig mehr Leichtigkeit beitragen. Mit weniger griesgrämigem Blick und mehr Lachen und Lächeln.

Deshalb: nehmen Sie sich doch Christian Morgensterns Zitat heute und die kommenden Tage bewusst zu Herzen und lachen oder lächeln sie jemandem zu. Dem Kassierer und der Verkäuferin im Wochenmarkt, der Dame auf dem Fahrrad und vielleicht auch dem Gegenüber, das gerade noch mit einem anderen Teil der Zeitung beschäftigt ist…

Matthias D. Ebinger, Pfarrer in Kuchen

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