Aber was momentan in Bereichen wie Gesundheit, Umwelt, Energie, Arbeit, Migration oder Soziales diskutiert wird, geht unter keine Kuhhaut mehr. Teilweise wird mit Unwahrheiten argumentiert und oftmals werden Dinge diskutiert, die unseren Staat massiv gefährden. Zum Glück gibt es massive Gegenwehr in Form von Massenprotesten und es gibt Institutionen, wie Gewerkschaften, Umwelt-, Sozial- und sogar Wirtschaftsverbände, die dagegen vorgehen. Aber es gibt auch Pläne, deren Rechte zu beschneiden, was brandgefährlich ist.
Und allein die Tatsache, dass manche gefährlichen Dinge diskutiert werden, legitimiert diese – nicht heute, nicht morgen, aber irgendwann! Heute gehen die Leute auf die Straße, morgen ärgert man sich nur noch, übermorgen hat man sich daran gewöhnt und nächstes Jahr sind sie salonfähig. Irgendwann werden sie umgesetzt und dann gnade uns Gott. Darum müssen wir jetzt nicht nur dagegenhalten, sondern auch unseren Teil dazu beitragen, dass die gefährliche Rhetorik endet. Es fängt an, dass man sich nicht daran beteiligt, geht weiter, indem man Hetzer zum Aufhören auffordert und endet damit, dass man, wenn alles nicht hilft, konstruktiv dagegen argumentiert und man Leute auf seine Seite zieht.
Ein weiterer Punkt, den ich schon lange ansprechen wollte und der die gefährliche Rhetorik befeuert, war mein Jobticket bei der DB während der Umschulung. Es war damals alles so kompliziert und der Arbeitgeber war nicht in der Lage, mich zum Stellwerk 20 km von meinem Wohnort zu bringen. Es wäre zwar theoretisch mit dem PKW gegangen, dies war aber nicht erwünscht, so dass ich es nicht gemacht habe und stattdessen auf einem Stellwerk weiter weg gelernt habe. Dieses konnte ich mit dem Bus erreichen, was die DB dann eben zahlen musste, weil es zwischen DB Bus Ostbayern und DB Netz kein Abkommen gab. Auch nach München zu kommen war mit Aufwand verbunden. DB und BRB bekamen es nicht auf die Reihe, ihre Tickets gegenseitig anzuerkennen, so dass ich nur den Fernverkehr nutzen konnte, der aber nur alle 2h fährt.
Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, wo starre Strukturen den Mitarbeitern bei der DB massiv Steine in den Weg legen, weswegen ich niemanden raten kann, bei der DB anzufangen. Ich verstehe nicht, warum es innerhalb der Unternehmen keine Kooperation gibt und warum bei der DB manches nicht pragmatischer gelöst wird. Solche Zustände ziehen Kreise und bringen Menschen zur Weißglut. Dadurch driften manche ab und regen sich öffentlich auf. Diesen Unmut tun sie öffentlich kund und vergreifen sich damit immer mehr im Ton – ist mir auch schon passiert. Dadurch wird die Rhetorik gefährlich und die Gesellschaft verroht.
Dieser Teufelskreis muss unterbrochen werden durch gute Politik und Strukturen bzw. gute Politiker. Wenn uns das nicht gelingt, geht der dunkle Weg, auf dem wir uns schon befinden, weiter und der Abgrund naht. Darum sollte jeder seinen Teil dazu beitragen, dass wir uns wieder in eine andere Richtung bewegen.
Marcel Kunz