Unter diesem Leitwort steht die Caritas-Kampagne 2026. Sie erinnert uns daran, dass christliches Handeln vom Mitgehen, Zuhören und vom Wechsel der Perspektive lebt. In einer Zeit, in der gesellschaftliche und politische Spannungen zunehmen, braucht es genau das: Menschen, die bereit sind, einander ernst zu nehmen und Verantwortung für ein friedliches Miteinander zu übernehmen.
„Urteile nicht über einen Menschen, bevor du nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bist“, schrieb die US‑amerikanische Dichterin und Frauenrechtlerin Mary T. Lathrap bereits 1895. Dieser Gedanke bringt auf den Punkt, was christliches und karitatives Handeln ausmacht: Empathie, Respekt und die Bereitschaft, den Weg von anderen zumindest ein Stück mitzugehen.
Caritas zeigt im Alltag, wie dieses Miteinander gelingen kann. In unseren Einrichtungen begegnen sich Menschen unterschiedlicher Generationen, unterschiedlicher Herkunft und mit ganz verschiedenen Lebensgeschichten. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior*innen engagieren sich füreinander, hören einander zu und übernehmen gemeinsam Verantwortung. Caritas verbindet Generationen, indem sie Räume schafft, in denen Begegnung auf Augenhöhe möglich ist – mit Achtung vor der jeweiligen Lebensrealität.
Gleichzeitig erleben wir, wie der gesellschaftliche Ton rauer wird. Politische Diskussionen werden zunehmend polarisiert, Gräben scheinen tiefer zu werden. Als Kirche und Caritas sind wir keine parteipolitischen Akteure. Aber wir tragen Verantwortung für das gesellschaftliche Klima. Der christliche Glaube fordert uns dazu auf, nicht auszugrenzen, sondern zu verbinden – auch dann, wenn unterschiedliche Meinungen und Überzeugungen aufeinandertreffen.
Karitatives Handeln lebt vom genauen Hinsehen: auf Sorgen, Hoffnungen und Ängste der Menschen. Wer
bereit ist, die Perspektive anderer einzunehmen, begegnet gesellschaftlichen und politischen Fragen differenzierter und menschlicher. So kann Caritas dazu beitragen, dass demokratische Meinungsbildung von Respekt geprägt bleibt und nicht von Abwertung.
Jesus selbst ist diesen Weg gegangen. Er hörte zu, stellte Fragen und begegnete Menschen ohne vorschnelles Urteil. Dieses Mitgehen und Aushalten von Unterschiedlichkeit sind zutiefst christlich – und heute aktueller denn je.
Die Caritas‑Kampagne erinnert uns daran: Wir gehen den Weg nicht allein. Als Caritas, als Gesellschaft und als Christ*innen sind wir aufgerufen, Brücken zwischen Generationen zu bauen, im Gespräch zu bleiben und den Frieden aktiv zu suchen. Zusammen geht was – wenn wir bereit sind, miteinander zu gehen.
Petra Gauch
Caritas-Zentrum Göppingen