Das politische Wort zum Sonntag: über Ungarn, 75 Jahre Montanunion und Kriminalität in Deutschland

Am 18. April 1946 kam Anna Huber, die Mutter meiner angeheirateten Tante Ingrid, als 13 jährige mit ihrer Familie in Steinheim am Albuch an, nachdem sie aus Ungarn vertrieben wurde. Über die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn gehe ich hier nicht näher ein. Ihr Vater war entschiedener Gegner der Nazis und Pfeilkreuzler und hat 1944 sogar einen Juden geschützt, als sich die Situation in Ungarn immer weiter zuspitzte, so dass die Vertreibung dieser Familie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war (auch über die politische Situation in Ungarn damals habe ich im Laufe der Zeit genug geschrieben, so dass ich es hier nicht tun werde).
Anna Huber erzählte mir im Laufe ihres langen Lebens häufig über ihre frühen Jahre und ich hatte bei ihr das Gefühl, dass die Tatsache, als Kind alles verloren zu haben und woanders neu anfangen zu müssen, sich aber einzubringen, anerkannt und wieder zu einer angesehenen Bürgerin zu werden, sie sehr geprägt hat. Da auch meine direkten Vorfahren Flüchtlinge waren, prägt auch mich dieses Thema und ich sehe es als persönliche Lebensaufgabe, gegen Extremismus und rechtes Gedankengut zu kämpfen, damit sich Flucht und Vertreibung nicht wiederholen.
Ich bin auf diesen Artikel gestoßen, wie der totale Krieg nach Ungarn kam:
Bitte nehmt euch die Zeit und lest euch diesen Artikel durch. Es zeigt, wohin Krieg und Zerstörung führen und mit welcher Barbarei die Rote Armee gegen die vorging, die eigentlich als befreit galten. Auch führt es uns vor Augen, warum wir die Ukraine unterstützen müssen. Ich will nicht irgendwann russische Truppen vor meiner Haustür haben.
Am 18. April 1951 wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), auch Montanunion gegründet, der Vorläufer der EU. Das wieder souveräne West-Deutschland und andere freie europäische Staaten schlossen 6 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein erstes Wirtschaftsabkommen, dem noch viele weitere folgen und schließlich in Schengen endete. Manche Entwicklungen müssen Schritt für Schritt gehen und enden irgendwann in etwas Großartigem, für das es sich zu kämpfen lohnt.
Spannen wir an dieser Stelle wieder den Bogen zu Ungarn heute. Ich bin froh, dass Fidesz abgewählt wurde und Tisza eine Zweidrittelmehrheit erhielt und damit die autokraten, verbrecherischen und antieuropäischen Gesetze von Viktor Orban und Schergen rückgängig gemacht werden. Man darf aber auch nicht zu viel erwarten. Tisza ist ein heterogenes Bündnis, das auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner agieren wird und Peter Magyar ist ein Konservativer, der sicher keine revolutionären Dinge verrichten wird.
Dann habe ich neulich diese Reportage über Ladendiebstähle in Deutschland gesehen:
Mir fiel auf, dass Ladendiebstähle angeblich zurückgingen, weil sie viel weniger angezeigt wurden, da die Anzeigen meist ins Leere laufen. Für mich sieht es aber so aus, als ob sie auf gleichem Niveau bleiben. Ich frage mich daher, ob das nicht auch bei anderen Delikten so ist. Sprich, sie werden weniger angezeigt, werden aber nicht wirklich weniger, es sieht nur so aus. Ich habe in letzter Zeit von anderen Delikten gehört, die nicht verfolgt werden, so dass diese These für mich durchaus Sinn ergibt. Ich denke, dass die Kriminalität in Deutschland eher zunimmt, weniger angezeigt wird und daher der Eindruck entsteht, dass es weniger wird. Sollte ich damit falsch liegen und jemand andere Erkenntnisse haben, lasst es mich bitte wissen. Sollte ich aber recht haben, ist dies eine gefährliche Entwicklung, dass potenzielle Delinquenten davon ausgehen können, ungestraft kriminell sein zu können. So vermute ich, dass die immer mehr in Mode kommenden Selbstbedienungskassen in Supermärkten auch Diebstähle befeuern, weil durch mangelnde Kontrolle Diebstähle einfach nicht auffallen.
Marcel Kunz

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