Sonntagsgedanken: Was fehlt, wenn die Christen fehlen?

Als mir diese Frage als Buchtitel vor kurzem in die Augen fiel, war meine spontane, von Nachdenklichkeit, geprägte Reaktion: Eine gute Frage – fehlt dann etwas!?

Was denken sie jetzt: Wenn die Christinnen und Christen fehlen würden, fehlt ihnen dann was im eigenen Leben, im gesellschaftlichen Kontext oder in der öffentlichen Wirksamkeit des Weltgeschehens?

Für mich persönlich komme ich eher schnell auf die „klassischen“ Antworten: Es fehlt, mir meine religiös-sinnstiftende Beheimatung. Es fehlt, eine mich überzeugende Lebensdeutungsfolie, die meine Positionen samt Handeln wesentlich leitet. Es fehlt, die Jahrtausend alte wirkstarke kulturell-gesellschaftliche Prägekraft des Christentums in sich stetig wandelnden gesellschaftlichen Kontexten.

Als Gesellschaft befinden wir uns auf dem Weg in ein post-christliches Format, geleitet von statistischen Zahlenspielen, die die u50% Kirchenzugehörigkeitslinie aufzeigen – aktuell wohl für das Jahr 2033. Ganz neu ist dieses Schwund-Scenario wahrlich nicht und den damit verbundenen Reaktionenkatalog werden sie vielleicht auch teilweise wahrgenommen haben oder sogar kennen.

Ja, das ist so! Aber, dadurch wird die Sinnhaftigkeit des christlichen Glaubens oder eines persönlichen Lebens als Christin oder Christ doch nicht weggerechnet – jedenfalls für mich nicht.

Dem allgemeinen Bedeutungsschwund aktuell-relevante und zeit-wirksame Bedeutungsakzente entgegenzusetzen und sich mit dem Darum-doch ganzheitlich auseinanderzusetzen, dazu ermutigt Matthias Sellmann, Theologe und Sozialwissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum, mit seiner eher „andersartig“ ermutigenden Schrift: Was fehlt, wenn die Christen fehlen? Eine „Kurzformel“ ihres Glaubens.

Theologie mit allen Sinnen, die das Religiöse als Lebenskompetenzgewinn für Religiöse wie für Nicht-Religiöse in populärer Sprache, aber mit wissenschaftlicher Farbgebung, klar benennen will. Über ganz unterschiedliche Kanäle mit teilweise theologisch unorthodoxen Zugängen – unter anderem einer Duftkarte – wird die „Kurzformel“ „Was ist Christsein?“ und „Warum stärkt Christsein Lebenskompetenz?“ vorgestellt.

Vielleicht spricht auch sie Matthias Sellmanns Postulat „Christsein als geistliche Klugheit“ an, macht sie neugierig, ausführlicher zu lesen, bestärk wie ermutig sie somit innerlich, um auch nach außen in den Diskurs einzutreten.

„Christsein ist eine bestimmte, nämlich geistliche Form von Klugheit.

Diese Klugheit motoviert zu drei Kompetenzen,

die sich im Vollzug dauernd wechselseitig ergänzen:

immer weniger wegrennen;

aus sich herauskommen;

Kraft von außen aufnehmen.“

 

Helmut G. Bertling

Katholischer Schuldekan

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