Sonntagsgedanken – Auf die richtige Mischung kommt es an

Als Kind saß ich oft in der Küche und sah meiner Mutter beim Kochen zu. Einen Messbecher brauchte sie selten, schätzte die verschiedenen Zutaten meist nach Augenmaß ab. Wenn ich heute versuche, dieselben Gerichte zu kochen, schmeckt es oft annähernd wie bei meiner Mutter, aber manchmal auch ganz anders. Ich habe wohl doch nicht ganz genau hingesehen, wie sie was zusammengerührt hat.

Auch in unserem Glauben vermischen sich unterschiedliche Zutaten und je nach Zusammensetzung kommt dabei sehr Unterschiedliches heraus. Da gibt es die Zutat „Gottvertrauen“, von der wir nie zu viel haben können. Es ist gut, wenn wir wissen: ER ist da! ER meint es gut mit uns! ER führt uns auf die richtigen Wege. Dazu passen weitere Zutaten: das Gebet, die Zeit, die ich mit Gott verbringe, die Gottesdienste, in denen ich zusammen mit anderen unseren Glauben feire, das Lesen in der Heiligen Schrift, die Diskussionen mit anderen über Gott und die Welt, die Suche nach der Wahrheit. Doch dieses Rezept wäre sehr einseitig, wenn zu all dem nicht auch noch unser Blick in die Welt hinzukäme, wie wir über andere Menschen denken, wie wir miteinander umgehen und mit der Schöpfung Gottes. So verschieden wir Menschen sind, so unterschiedlich sind die Gerichte, die aus diesen und vielen weiteren Zutaten entstehen. Müssen wir da als Christinnen und Christen von vornherein nicht schon jede Menge Toleranz füreinander aufbringen? Unterschiedlichkeiten bedrohen unseren Glauben nicht, vielmehr bereichern wir einander, wenn wir uns mit Toleranz und Respekt begegnen.

Die Mischung zwischen „Ärmel hochkrempeln und anpacken“ und „absolutem Gottvertrauen scheinbar wider alle menschliche Vernunft“, die uns im heutigen Evangelium (Lk 5, 1-11) begegnet, fasziniert mich, schmeckt mir: Erfahrene Fischer hatten sich eine ganze Nacht lang vergeblich abgemüht, kein Fisch war ihnen in die Netze gegangen. Da kommt Jesus und anstelle eines wohl verdienten Feierabends erwartet sie ein unglaubliches Abenteuer. Entgegen all ihrer reichlichen Erfahrungen als Fischer werfen sie ihre Netze nochmal aus. Erwarten, dass sie zu dieser Unzeit einen kleinen Fang machen, durften sie nach menschlichem Ermessen kaum. Doch das Netz war voll. Eine einzige Zutat hatte alles verändert: ihr Hören auf das, was Jesus zu ihnen gesagt hatte. Sein Wort und ihr Tun bewirkte ein Wunder.

Gilt das auch für heute? Wann, wenn nicht jetzt? Die Kirchen dürfen nicht alles weitermachen, weil es angeblich immer schon so gemacht wurde. Vielmehr gilt es Gott zu Wort kommen zu lassen und das zu tun, was ER uns heute sagt – eine herausfordernde Mischung, die große Überraschungen in sich birgt und von uns den Mut zu großen Veränderungen abverlangt.

Pastoralreferentin Agnes Steinacker-Hessling, Rechberghausen/Wäschenbeuren

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