Sonntagsgedanken: Brot und Rosen – Zeichen der Barmherzigkeit

In der kommenden Woche, am 19. November, feiern wir den Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Sie zählt zu den beliebtesten Heiligen Deutschlands, eine Vielzahl von Pflege- und Kindertageseinrichtungen sind nach ihr benannt.

1207 auf der Burg Sárospatak in Ungarn geboren, kam sie mit vier Jahren auf die Wartburg bei Eisenach. Mit nur 14 Jahren heiratet sie 1221 den Landgrafen Ludwig. Elisabeth wendet sich sehr früh als Adelige den Armen zu und unterstützt diese durch Nahrungsmittel, aber auch durch ihre persönliche Zuwendung am Krankenbett. Die Legende vom Rosenwunder bezeugt dieses Tun: Als ihr Mann sie wieder einmal mit ihrem Gabenkorb auf dem Weg von der Burg ins Dorf traf, hielt er sein Pferd an und fragte sie: „Was tragt Ihr da in Eurem Korbe?“ Sie sprach beschämt: „Es sind Rosen“. Da nahm der Landgraf die Decke vom Korb und staunte: Er war voller blühender Rosen. Aus Brot wurden Rosen – Brot und Rosen.

Elisabeth durchbricht konsequent überkommene Rollenbilder und findet zu einer eigenständigen Form der Christus-Nachfolge. Sie verbindet den Dienst an den Armen mit ihren Adelspflichten, gibt nicht nur Almosen, sondern verschenkt ihr Herz an die Armen. So werden Brot und Rosen zum Ausdruck ihrer Sehnsucht, dem franziskanischen Ideal nachzueifern. Ihr Leitmotiv „Wir sollen die Menschen fröhlich machen“ zeugt von einer ungewöhnlichen Heiterkeit und verdeutlicht, dass ihr aufreibender Dienst an den Kranken Folge einer engen Beziehung zu Jesus Christus ist. Ihn sieht sie in den Geringsten seiner Schwestern und Brüder.

Sie belässt es nicht bei mildtätigen Werken, sondern hat auch den strukturellen Aspekt im Blick. So weigert sie sich, unrechtmäßig erpresste Abgaben der Bauern zu essen und nimmt nur das, was diese rechtmäßig abzugeben hatten.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes wird sie von der Wartburg verjagt. Die einstige Landgräfin findet sich als Bettlerin unterhalb der Wartburg in Eisenach wieder. Unfreiwillig wird ihr Leben zu einer Begegnung mit den Armen auf Augenhöhe. Aus eigener Anschauung lernt sie, was sich hinter der Forderung nach „Brot und Rosen“ verbirgt: Um sein Auskommen betteln und um menschenwürdige Lebensumstände kämpfen zu müssen.

Für uns heute geht es letztlich um Teilhabe an der Gesellschaft mit allen ihren Ressourcen. Es geht – im Bild gesprochen – um Brot und Rosen, um Existenzsicherung und Entfaltung, Schönheit, Sinnerfüllung. Elisabeths Tun zeigt bis heute Wirkung: Denn ist nicht fröhliche Spiritualität gepaart mit Weisheit und Tatkraft das, was heute gebraucht wird? Elisabeth zeigt aber auch, dass wir Einfluss und Hilfsmöglichkeiten nicht verlieren, wenn materielle Bedingungen sich verändern, die persönliche Haltung, Barmherzigkeit aber bleibt. Ihr Aufruf könnte lauten: Geht zu den Armen, Kranken, Geflüchteten, …, habt keine Angst vor Begegnung (auch virtuell), habt Respekt, lasst teilhaben an Euren Leben, packt einfach an! Und werdet selbst in Eurem Tun zur Provokation.

Ich wünsche uns, dass der Liedtext von Claus-Peter März ganz im Sinne der Heiligen Elisabeth Realität wird: „Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht … dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt“. Möglichkeiten dazu haben wir genug.

Foto (Betriebsseelsorge Göppingen): Brot und Rosen

 

Norbert Köngeter, Stadtdiakon und Betriebsseelsorger, Katholische Kirche Göppingen

 

 

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