„Stahl hat Zukunft“: Beschäftigte fordern entschlossenes Handeln der Politik

  • Fortschritte erkennbar – aber Tempo reicht nicht aus
  • Balance beim Emissionshandel gefordert
  • Jürgen Kerner: „Wenn jeder für sich kämpft, werden wir alle verlieren!“

 

Unter dem Motto „Stahl hat Zukunft – bei uns!“ sind heute rund 1700 Beschäftigte aus über 40 Stahlbetrieben bundesweit dem Aufruf der IG Metall gefolgt und haben in Berlin für eine starke und zukunftsfähige Stahlindustrie demonstriert. Nach einem Demonstrationszug vom Brandenburger Tor versammelten sich die Teilnehmenden zu einer Kundgebung vor dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die Botschaft: Die Politik muss die beim Stahlgipfel im November vergangenen Jahres zugesagten Maßnahmen konsequent umsetzen und darf nicht auf halbem Weg stehen bleiben.

Zu langsam, zu zögerlich, zu wenig entschlossen

Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, betonte: „Die Zeit des Zögerns muss jetzt vorbei sein. Die Probleme sind bekannt, die Lösungen liegen auf dem Tisch. Doch was wir erleben, ist zu oft zu langsam, zu zögerlich, zu wenig entschlossen. Das können wir uns nicht leisten.“ Europa habe sich entschieden, ab 2050 klimaneutral zu produzieren, erinnerte Kerner. Deshalb sei für die IG Metall klar: „Die Stahlindustrie muss bleiben. Wir wollen grünen Stahl produzieren, unsere Stahlwerke werden, soweit es geht, klimaneutral. Doch die Politik muss konsequent die Möglichkeit dafür schaffen!“

Aufruf zu mehr Einigkeit in der Stahlbranche

In seiner Rede rief Kerner zur Einigkeit auf: „Wenn jeder für sich kämpft, werden wir alle verlieren! Ich akzeptiere nicht, dass einzelne versuchen, die Stahlbelegschaften gegeneinander auszuspielen.“ Über den Umgang mit dem Emissionshandelssystem ETS ist innerhalb der Branche Streit entbrannt: Jene Hersteller, die bei der Umrüstung ihrer Werke schon weit fortgeschritten sind und bald klimafreundlicher produzieren können, erhoffen sich dadurch einen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten und wollen nicht an der Regelung rütteln. Die Nachzügler dagegen fürchten Mehrkosten, weil sie das Geld brauchen, um aufzuholen.

Balance beim Emissionshandel gefordert

Kerner rief die Politik in diesem Zusammenhang auf zu einem Vorgehen mit Augenmaß: „Wir brauchen eine Verlässlichkeit für die Standorte, die in den grünen Stahl investiert haben. ETS grundsätzlich in Frage zu stellen, ist falsch. Das treibt zehntausende Arbeitsplätze ins Risiko. Gleichzeitig brauchen wir aber eine Brücke zum grünen Stahl dort, wo die Investitionen nicht möglich sind, weil das Geld fehlt. Nachjustieren ist nötig, so dass kein Unternehmen abgehängt wird. Wir gehen in die Zukunft – aber mit allen!“

Fortschritte erkennbar – aber Tempo reicht nicht aus

Bei einem Stahlgipfel im Kanzleramt hatten sich Politik, Industrie und Gewerkschaft 2025 gemeinsam dazu bekannt, die Stahlproduktion in Deutschland zu erhalten. Geeinigt hatte man sich auch über die Maßnahmen, die dafür notwendig sind: wettbewerbsfähige Energiepreise, Handelsschutz und Local-Content-Vorgaben. Die IG Metall erkennt an, dass es in allen Feldern Fortschritte gibt. Doch insgesamt geht es nach Überzeugung der Beschäftigten zu langsam voran, agiert die Politik zu zögerlich. Jürgen Kerner: „Das Glas ist halb voll, doch die Hälfte fehlt noch. Wir sind hier, um die Politik zu motivieren, die fehlenden Schritte zu gehen für den Stahlstandort Deutschland.“

Unterstützung bekam die IG Metall auch aus der Politik selbst: Felix Banaszak (Bündnis 90/Die Grünen), Ines Schwerdtner (Die Linke), Andreas Bovenschulte (Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen und Präsident des Bundesrates) sowie Sebastian Roloff (SPD) traten als Redner bei der Kundgebung auf. Auch Betriebsratsvorsitzende und Arbeitsdirektoren aus der Stahlbranche schilderten die Lage in den Betrieben und unterstrichen die Dringlichkeit politischen Handelns.

Parallel zur Kundgebung in Berlin demonstrierten im saarländischen Völklingen mehrere Tausend Stahl-Beschäftigte.

 

PM IG Metall

 

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