ver.di kritisiert arbeitsrechtliche Missstände an Musikschulen in Baden-Württemberg – Tarif- und Gesetzesverstöße weit verbreitet

Der ver.di-Landesfachgruppevorstand Musik in Baden-Württemberg wirft zahlreichen Musikschulen im Land vor, gesetzliche und tarifliche Regelungen systematisch zu missachten. Betroffen sind unter anderem die Zahlung von Zuschlägen, die Erstattung von Fahrtkosten sowie die konsequente Anwendung des TVöD.

Petra Manz, Sprecherin der ver.di-Landesfachgruppe Musik Baden-Württemberg: „Wir sehen seit Jahren, dass gesetzliche Mindeststandards und tarifliche Regelungen an Musikschulen systematisch unterlaufen werden. Das ist nicht nur unfair gegenüber den Beschäftigten, sondern gefährdet langfristig die Qualität der musikalischen Bildung insgesamt.“

Nach Beobachtung von ver.di werden selbst grundlegende Ansprüche von Musikschullehrkräften häufig nicht erfüllt. Dazu zählen tariflich vorgesehene Zuschläge für Wochenendarbeit sowie die Erstattung dienstlich veranlasster Fahrtkosten. Gleichzeitig sind Lehrkräfte vielfach gezwungen, ihre privaten Instrumente sowie digitale Endgeräte für den Unterricht einzusetzen, ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten.

Auch bei der Bezahlung sieht ver.di erhebliche Defizite. Während kommunale Musikschulen in der Regel dem TVöD unterliegen, wenden nichtkommunale Träger diesen häufig nur „in Anlehnung“ an – mit der Folge, dass tarifliche Lohnerhöhungen oft nicht zuverlässig weitergegeben werden.

Die Gewerkschaft fordert die Landesregierung, insbesondere das Kultusministerium, sowie den Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs auf, die Einhaltung bestehender gesetzlicher und tariflicher Regelungen konsequent sicherzustellen.

Bereits heute zeichnet sich an vielen Musikschulen in Baden Württemberg ein zunehmender Fachkräftemangel ab. Studien wie die MIKADO Untersuchung

https://www.hfmdd.de/studieren/kuenstlerisch-paedagogische-ausbildung/aktuell/new69787214615d6659012701-mikado-musik-studie-zeigt-alarmierenden-nachwuchsmangel

prognostizieren, dass ein Großteil der altersbedingt freiwerdenden Stellen in den kommenden Jahren nicht mehr nachbesetzt werden kann.

„Die Perspektive, dass Kinder und Jugendliche auch in Zukunft flächendeckenden Zugang zu öffentlicher musikalischer Bildung an Musikschulen erhalten, ist gefährdet. Damit künftig genügend Fachkräfte diesen Beruf wählen, muss er attraktiver werden: eine konsequente Anwendung der gesetzlichen und tariflichen Regelungen ist dabei der erste Schritt. Dazu braucht es grundsätzlich mehr Wertschätzung für diesen wichtigen Beruf“, so Petra Manz.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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