Morgen erste Verhandlungsrunde Uniklinika Baden-Württemberg begleitet von Warnstreik der Psychotherapeut:innen in Ausbildung – bereits heute Aktionen an allen Standorten

Begleitet von einem erneuten Warnstreik der Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiAs) beginnen morgen die Tarifverhandlungen für die rund 26.000 Beschäftigten in Heidelberg, Tübingen, Freiburg und Ulm, für deren Arbeitsverhältnisse der Tarifvertrag Uniklinika Baden-Württemberg gilt.

ver.di fordert 10,5 Prozent, mindestens aber 375 Euro pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Für die Azubis fordert die Gewerkschaft 200 Euro pro Monat. Die PiAs kämpfen seit Monaten für eine gerechte Eingruppierung, die von den Arbeitgebern in die Entgelttarifrunde gezogen wurde. Die Verhandlungen beginnen um 11:30 Uhr im Dormero-Hotel in Stuttgart-Möhringen. Die Streikenden begrüßen die Verhandlungskommissionen ab elf Uhr vor dem Hotel, erwartet werden insgesamt rund 40 Beschäftigte. Bereits heute gibt es erste Aktionen und Kundgebungen an allen Standorten.

Irene Gölz, ver.di Verhandlungsführerin: „Die wirtschaftliche Lage der Beschäftigten und Auszubildenden hat sich seit der Unterbrechung der Verhandlungen vor sieben Monaten dramatisch verschlechtert. Eine deutliche Erhöhung der Arbeitseinkommen ist die derzeit einzige Möglichkeit, hier die dringend notwendige Entlastung zu schaffen. Wir erwarten morgen ein faires Angebot. Wenn nicht, dann könnte sich diese Tarifrunde ungewöhnlich schnell zuspitzen. Denn die Beschäftigten haben keine Zeit und Luft für unnötige Schleifen.“ Die Gewerkschaft erwartet außerdem Verhandlungen über eine bessere Regeleingruppierung der Sozialarbeiter:innen, eine Vorteilsregelung für ver.di Mitglieder von zusätzlich 50 Euro monatlich und einem weiteren freien Tag sowie eine freie Familienheimfahrt pro Monat für alle Azubis. ver.di ist bereit, in den Tarifverhandlungen auch über ein Modell zum Fahrradleasing zu sprechen. Der Arbeitgeberverband hatte nach der Kündigung der Entgelttabellen im Januar überraschend eine Coronasonderzahlung angeboten, was nach zwei Verhandlungsrunden in einen 7-monatigen Kurzläufer-Tarifvertrag mit einer Coronaprämie von 900 Euro bzw. 600 Euro für die Azubis mündete, verbunden mit der Zusage der Arbeitgeber, im Herbst die Verhandlungen über eine tabellenwirksame Erhöhung nachzuholen. Die Friedenspflicht endete am 30. September. Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

Weitere Informationen zur nun parallel laufenden Tarifrunde der Psychotherapeut:innen in Ausbildung: ver.di fordert für die rund 130 Psychotherapeut*innen in Ausbildung der vier Universitätskliniken im Land eine Eingruppierung entsprechend ihrem Grundberuf als Psycholog:in sowie der geleisteten Wochenarbeitszeit und die Anwendung des Tarifvertrages Unikliniken Baden-Württemberg auf die Arbeitsverhältnisse. Die Unikliniken haben in vier Verhandlungsrunden kein verhandelbares Angebot vorgelegt und bestreiten, dass die geforderte Verbesserung der Situation der PiAs notwendig ist. Psychotherapeut:innen in Ausbildung sind ausgebildete Psycholog:innen oder Pädagog:innen (überwiegend Frauen), die fast alle ein mindestens fünfjähriges Studium hinter sich und mit einem Master, wenige auch mit einem Bachelor abgeschlossen haben. Psychotherapeut:innen dürfen sie sich nur nennen, wenn sie weitere drei bis fünf Jahre eine entsprechende Weiterbildung absolvieren. In dieser Zeit arbeiten sie sechs bis 18 Monate in Kliniken und therapieren dabei selbstständig. Ohne die PiAs könnte die Therapie der Patientinnen und Patienten in den Kliniken nicht aufrechterhalten werden. So auch in den vier Unikliniken. Für ihre Arbeit – in der Regel 26 Wochenstunden – bekommen die PiAs bisher monatlich 1.385 Euro brutto. Zusätzlich zahlen sie für ihre Weiterbildung zwischen 300 und 1.000 Euro im Monat aus eigener Tasche an die meist uniklinikeigenen Weiterbildungs-Institute. ver.di fordert für die PiAs dagegen 2.800 Euro brutto monatlich, um sie damit korrekt entsprechend ihrem Grundberuf als Psycholog:innen zu bezahlen. Das wäre das Gehalt in der Entgeltgruppe 13 für 26 Wochenstunden.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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