Ausbildungsmarkt mit vielen Fragezeichen – Bilanz der Agentur für Arbeit Göppingen zum Ende des Berufsberatungsjahres 2020 / 2021

5 172 Ausbildungsstellen
3 557 Bewerber für Ausbildungsstellen

1,5 Ausbildungsstellen je Bewerber


Im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen mit den Landkreisen Esslingen und Göppingen ist zum Abschluss des Beratungsjahres 2020 / 2021 die Zahl der Berufsausbildungsstellen gesunken, noch stärker aber die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz. Das Beratungsjahr dauerte von Oktober 2020 bis September 2021. Insgesamt gab es im gesamten Bezirk über 1 600 Stellen mehr als Bewerber. Mit 1,5 Ausbildungsstellen je Bewerber hatten junge Menschen eine sehr gute Ausgangssituation für den Start ins Berufsleben.


Das Berufsberatungsjahr 2020 / 2021 war stark von den Folgen der Pandemie geprägt. Weitere Herausforderungen waren der Strukturwandel und die Digitalisierung“, bilanziert Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Göppingen. „Die Zahl der Ausbildungsstellen ist zurückgegangen. Bei den Bewerbern gab es einen regelrechten Einbruch mit einem Rückgang um fast ein Viertel. Dies ist aber nach Einschätzung von Käppel nicht auf ein vermindertes Interesse der Bewerber an einer betrieblichen Ausbildung zurück zu führen. Vielmehr zeigt sich hier, dass Berufsorientierung und Praktika
nicht oder sehr reduziert stattfinden konnten. Die berufliche Entscheidung wurde auf Grund der Verunsicherung bei Berufswählern und ihren Eltern häufig hinausgeschoben. Der Trend zur weiterführenden Schule hat sich dadurch noch einmal verstärkt.
Im Agenturbezirk Göppingen war der Rückgang auf beiden Marktseiten Bewerbern und Ausbildungsstellen stärker als in BadenWürttemberg oder Deutschland.


Die Entwicklung in Zahlen:


Die Ausbildungsstellensituation

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum Berichtsjahr 2019 / 2020 um 577 oder 10,0 Prozent auf 5 172 Ausbildungsstellen gesunken.

Betriebe hatten mit vielen Herausforderungen zu kämpfen, haben aber weitgehend an der Ausbildung festgehalten“, sagt Karin Käppel. Sie begrüßt das Engagement der Betriebe in diesen schwierigen Zeiten und ist überzeugt: Wer jetzt nicht ausbildet, dem fehlen später die Fachkräfte.


Alexander Köhler, Personalleiter bei Allgaier Werke GmbH, betont: „Eine fachliche gute duale Ausbildung von jungen Menschen spielt auch weiterhin eine sehr wichtige Rolle für die Zukunft von Unternehmen und verliert auf keinen Fall an Bedeutung. Die Besetzung von Ausbildungsstellen durch qualitativ gute Bewerber wird für kleinere und mittelständische Unternehmen eine immer größere Herausforderung und bedeutet einen immensen Mehraufwand“.


640 gemeldete Ausbildungsstellen (Vorjahr: 565) blieben zum Ende des Ausbildungsjahres unbesetzt. Vor allem fehlten Bewerberinnen und Bewerber im Einzelhandel, bei zahnmedizinischen Fachangestellten, im Fleischerund Bäckerhandwerk sowie in Hotel und Gaststättenberufen, im Büromanagement und im Friseurhandwerk. Aber auch in anderen Berufen gab es noch freie Plätze.


Die Bewerbersituation

3 557 Bewerberinnen und Bewerber haben bei ihrer Ausbildungsplatzsuche die Berufsberatung der Arbeitsagentur eingeschaltet. Das waren 1 091 oder 23,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Bettina Münz, stellvertretende Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur und Verantwortliche für das operative Geschäft sagt dazu: Junge Berufswähler und Berufswählerinnen hatten in diesem Jahr so gute Chancen auf Ausbildung wie selten. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen. Rein rechnerisch kamen auf einen Bewerber eineinhalb Ausbildungsplätze. Dass es trotzdem nicht in allen Fällen geklappt hat, hängt damit zusammen, dass die Anforderungen der Betriebe nicht in allen Fällen genau zu den Wünschen
der Bewerber passten. Wichtig ist: Bewerber sollten sich auch jenseits des Traumberufs auf Alternativen einlassen. Es gibt so viele attraktive Ausbildungsberufe viele sind aber nicht so bekannt. Es lohnt sich, einen Plan B und Plan C zu haben“.


Insgesamt gibt es rund 350 Ausbildungsberufe. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur kennt diese Berufe und weiß, welche Voraussetzungen, Wege und Alternativen es bei den einzelnen Ausbildungen gibt. Sie hilft Jugendlichen dabei, ihre Interessen und Fähigkeiten in den Blick zu nehmen, die richtige Wahl für einen Ausbildungsberuf zu treffen und vermittelt in Ausbildungsplätze.


Im vergangenen Beratungsjahr sind Jugendliche und ihre Eltern häufig mit der Frage zu uns gekommen, in welche Branche sie gehen sollen und welchen Ausbildungsberuf sie mit Blick auf die aktuelle Situation erlernen sollen. Die spürbare Unsicherheit vieler Berufswähler wird dabei von mehreren Themen beeinflusst. Die CoronaPandemie spielt ebenso eine Rolle wie die Energiewende und die fortschreitende Digitalisierung. Ich rate Jugendlichen gerade in dieser Zeit, die zweifelsohne durch Unsicherheiten geprägt ist, trotzdem aktiv an ihrer Berufswahl zu arbeiten und sich darin auf ihre Stärken und Interessen zu konzentrieren“, ergänzt Markus Knorpp, Teamleiter der Berufsberatung der Arbeitsagentur Göppingen. Er appelliert an alle Ju
gendlichen, ihre Berufswahl nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern den Weg in die berufliche Zukunft mit einer Berufsberatung zu beginnen: Die schlechteste Wahl ist momentan sicherlich, keine Wahl zu treffen.

Der Internationale Bund hat seit vielen Jahren Erfahrung und unterstützt Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf, wenn es nicht auf Anhieb klappt und die Zeit bis zum Ausbildungsstart im nächsten Jahr sinnvoll überbrückt werden soll. „Die größte Herausforderung für uns als Maßnahmeträger stellte dieses Jahr weiterhin die Durchführung angepasst an die jeweiligen Coronaverordnungen und den individuellen digitalen Voraussetzungen der Teilnehmenden dar,“ sagt Sandra Schuster vom Internationalen Bund.


Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit hat ihr Angebot auf die veränderten Rahmenbedingungen angepasst und verstärkt auf digitale Angebote gesetzt. Aber: Wir haben in rund eineinhalb Jahren CoronaPandemie gesehen: die digitalen und ergänzenden Angebote wie LiveChats und Videokommunikation sowie digitale Messen sind gut. Sie können aber das persönliche Gespräch niemals ersetzen“, sagt Karin Käppel. Außerdem haben wir sehr deutlich gespürt, dass wir nicht so gut an die Jugendlichen rankommen, wenn die Schwelle für den Kontakt hoch ist. Dass meine Beraterinnen und Berater über eine lange Zeit nicht an den Schulen sein und Berufsorientierung, Sprechstunden und Elternabende anbieten konnten, bildet sich bei den Bewerberzahlen ab. Wir sind deshalb froh, dass wir in der letzten Zeit wieder mehr Normalität in unserer Beratung zurückgewonnen haben und unsere Stärke, das persönliche Gespräch, einsetzen konnten“.


Markus Knorpp erklärt: „In den vergangenen Monaten konnten wir das digitale Angebot der Berufsberatung weiter ausbauen und haben damit auf #AusbildungKlarmachen für jeden Berufswähler die passenden Bausteine zum Einstieg in die Berufswahl. Mit der Expertise der spezialisierten Berufsberater der Agentur für Arbeit in einem persönlichen Kontakt wird aus diesen ersten Bausteinen eine tragfähige Entscheidung für den Einstieg ins Berufsleben. Gerne helfen die Berufsberater und Berufsberaterinnen natür
lich auch bei allen weiteren Schritten von der Entscheidung bis zur Umsetzung der beruflichen Ziele.
Die Agentur für Arbeit setzt auf Lösungen wie die App „AzubiWelt“ oder das Erkundungstool „CheckU“, mit dem sich junge Menschen mit ihren Stärken auseinandersetzen und so ihren beruflichen Weg starten können. Sie erhalten als Ergebnis eine Übersicht über Studienfelder und Ausbildungsberufe, die zu ihnen passen könnten und haben damit eine hervorragende Grundlage für eine Berufsberatung gelegt.



Ausblick auf das folgende Jahr:


Die CoronaPandemie und ihre Auswirkungen auf den Arbeits und Ausbildungsmarkt liegen noch nicht hinter uns. Wir sind noch mittendrin. Der Engpass bei Lieferketten, Materialmangel und die Erhöhung der Energiekosten sind weitere Faktoren, die Betriebe und die Partner am Arbeitsmarkt vor Herausforderungen stellen. Die Rückmeldungen aus meinem ArbeitgeberService signalisieren aber, dass viele Unternehmen ihre Ausbildungsstellen für den Ausbildungsbeginn in 2022 bereits in einer ähnlichen Größenordnung wie 2021 gemeldet haben. Einige Branchen sind wegen der unsicheren Auftragslage zwar noch zurückhaltend. Insgesamt sehen die Betriebe aber die Notwendigkeit, in Ausbildung zu investieren“, sagt Karin Käppel mit
Blick in die Zukunft.

Mehr Information: Präsentation der Agentur für Arbeit anlässlich des Pressegesprächs vom 22. November

211122_PK-Präsentation_Ausbildungsmarktbilanz_2020_2021

 

PM Agentur für Arbeit Göppingen

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