Ich bin Alfred Brandner – echt Schwäbisch Gmünd. Das bedeutet: Ich komme aus einer Stadt, in der man morgens nicht fragt, wie das Wetter wird, sondern ob man es überhaupt verdient hat. Gmünd ist der Ort, an dem Optimismus grundsätzlich unter Verdacht steht und Realismus als Religion gilt. Hier sagt man „Des wird scho“, obwohl jeder weiß, dass es natürlich nicht wird – aber man sagt es, weil man sonst zugeben müsste, dass man eigentlich schon wieder genug vom Tag hat.
Mein natürlicher Lebensraum? Das Caffè Micro. Der Ort, an dem Menschen so tun, als wären sie auf einer diplomatischen Mission, während sie in Wirklichkeit nur versuchen, einen Cappuccino zu bestellen, ohne sich grammatikalisch zu blamieren. Ich sitze dort, trinke meinen Espresso und beobachte Leute, die glauben, dass ein Flat White ihr Leben ordnen kann. Ich sag’s mal so: Wenn dein Leben wirklich brennt, hilft kein Flat White – sondern ein Feuerwehrmann. Und wenn du den im Caffè Micro triffst, hast du ein Problem, das größer ist als dein Kaffee.
Dann gibt’s das Bud‑Spencer‑Bad. Mein persönlicher Ort der Erkenntnis. Wer wissen will, wie das Leben wirklich ist, muss nur dort in die Umkleide gehen. Da sieht man alles: Kinder, die schreien, als würden sie von Haien verfolgt. Erwachsene, die aussehen, als hätten sie den Kampf gegen die Schwerkraft endgültig verloren. Und Rentner, die im Wasser stehen wie Philosophen und über Dinge nachdenken, die niemand wissen will. Ich gehe da rein, sehe die Rutsche und denke: „Wenn Bud Spencer das sehen würde, er würde sagen: Lasst es einfach.“ Aber die Leute lassen es nicht. Sie rutschen. Sie schreien. Sie landen. Und tun so, als wäre das ein Erfolg. Das Bud‑Spencer‑Bad ist der einzige Ort, an dem du gleichzeitig deine Fitness, deine Geduld und deinen Glauben an die Menschheit verlierst.
Und dann gibt es noch den Sachsenhof. Einst eine legendäre Anlaufstelle für Biker – ein Ort, an dem Motoren brummten, Geschichten erzählt wurden und man wusste: Hier ist immer jemand. Heute? Wenn ich hinfahre, ist entweder geschlossen oder ich kann mich als Ehrengast fühlen, weil ich oftmals der Einzige bin. Ich stehe dann da, schaue auf den leeren Parkplatz und denke: „So muss sich ein VIP fühlen – nur ohne Publikum.“ Der Sachsenhof ist mittlerweile wie ein exklusiver Club: Man kommt hin, aber niemand ist da. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht einfach den Schlüssel bekomme sollte – ich bin ja sowieso der Stammgast, der nie jemanden stört.
Ich selbst? Ich bin der Mann, der genug erlebt hat, um zu wissen: Das Leben ist kein Drama – es ist eine Mischung aus Slapstick, Ostalb‑Wetter und der Frage, warum immer ich hinter dem Typ stehe, der an der Kasse diskutiert. Ich bin der Mann, der morgens aufsteht und denkt: „Heute wird’s bestimmt besser.“ Und dann gehe ich raus und sehe: Göppingen existiert immer noch. Das reicht als Realitätsschock.
Mein Humor ist trocken wie die Ostalb im Februar. Ich lache über Dinge, die andere nur mit zusammengekniffenen Augen ertragen. Zum Beispiel über Menschen, die sagen: „Ich hab’s im Internet gelesen.“ Oder über Leute, die glauben, dass man mit einem Smoothie sein Leben reparieren kann. Ich sage dann: „Wenn dein Leben wirklich kaputt ist, hilft kein Smoothie – sondern ein Handwerker.“ Und zwar einer, der nicht sagt: „Da muss ich erst mal schauen.“
Ich bin Alfred Brandner – echt Schwäbisch Gmünd. Ein Mann, der die Ostalb nicht nur kennt, sondern überlebt hat. Einer, der weiß, dass man ohne Humor hier nicht weit kommt. Einer, der Geschichten erzählt, die so trocken sind, dass man dazu eigentlich ein Glas Wasser bräuchte. Und einer, der sich denkt: Wenn ich schon aus Gmünd komme, kann ich wenigstens darüber lachen.
Alfred Brandner