Am 21. April 1946 fand in der SBZ die Zwangsvereinigung zwischen SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) statt. Die SPD hat dabei eine sehr untergeordnete Rolle gespielt; dominiert haben die Stalinisten der KPD.
Die SED war Stützpfeiler der zweiten totalitären Diktatur auf deutschem Boden im 20. Jahrhundert und verantwortlich für Menschenrechtsverletzungen der übelsten Sorte. Aber es wäre zu einfach, zu behaupten, die SED wäre allein verantwortlich für die Entwicklung im sich formierenden Schurkenstaat DDR. Dafür waren auch Stasi, andere Blockparteien und Massenorganisationen verantwortlich. Und im Gegensatz zur SED-Nachfolgerin PDS/Die Linke haben die anderen Sowjetschergen ihre Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet.
Darüber hinaus darf man auch nicht alle SED-Mitglieder über einen Kamm scheren. Mir sind selbst genug Fälle von parteiinternen Kritikern bekannt, die dadurch ins Visier ihrer linientreuen Genossen und der Stasi gerieten. Viele von ihnen wurden im wiedervereinigten Deutschland Vorbilder der sich aufbauenden neuen Gesellschaft der Ex-DDR, ohne die es da noch viel schlimmer gelaufen wäre. Ich bin froh, dass diese Partei Geschichte ist und sich deren Nach-Nachfolgerin die Linke zu einem Stützpfeiler der deutschen Demokratie entwickelt hat. Aber auch das war ein langer Prozess, der noch nicht zu Ende ist. Und genau dafür bedarf es auch weiter den kritischen SEDlern, die heute in der Demokratie wichtige Beiträge leisten.
Dann macht mir das Ergebnis der Parlamentswahl in Bulgarien große Sorgen:
Rechte, aber auch demokratische Kräfte haben zugunsten einer neuen, russlandfreundlichen, linksnationalen bzw. linkspopulisten Kraft verloren, was nicht wirklich besser ist – wenn nicht sogar gefährlicher. Womöglich kommt die EU vom Regen in die Traufe, da zwar Ungarn als russischer Satellitenstaat gefallen ist, aber in Sofia ein neuer zu entstehen droht. Sicher lief in Bulgarien nicht alles rund, aber es gab doch viele Fortschritte in den letzten Jahren, die durch die demokratischen, konservativen Kräfte gefördert wurden. Die Missstände im Land waren größtenteils durch die sowjetische Knechtschaft bedingt und die Leute wählen sich diese jetzt wieder zurück – schwer zu verstehen. Ich hoffe, dass die progressiven Kräfte in Sofia wieder Auftrieb bekommen und den prorussischen Kräften das Leben schwer machen.
Zu guter Letzt habe ich einen Artikel über Fakes im Internet auf BR 24 gehört. In den meisten Fällen sind diese Fake Accounts irreführend, wenn nicht sogar demokratiegefährdend. Aber auch ich habe eine Fake E-Mailadresse und einen Fake-Account auf Facebook. Nicht um Fake News zu verbreiten oder jemanden in die Irre zu führen, sondern um anonym an Infos zu kommen oder andere zu kontaktieren. Manchmal nutze ich ihn, weil ich nicht will, dass Rechte wissen, wer dahintersteckt, aber überwiegend sind gewisse grüne Kräfte Schuld daran. Leider gibt es bei den Grünen nicht wenige, die kleinste Meinungsverschiedenheiten persönlich nehmen und einen meiden oder sogar mobben. Und da ich als Marcel nicht an Infos rankomme, muss ich es eben als Fake machen – sehr traurig, aber leider notwendig.
Manchmal verweigern mir auch Leute, die ich persönlich kenne und denen ich nichts getan habe, auf Facebook die Freundschaft, während sie Anfragen meines Fake-Accounts annehmen. Ein paar Mal habe ich nachgefragt und die Antwort erhalten, man nehme nur Anfragen von Leuten an, die man näher kennt – dumm, wenn man so leicht als Lügner überführt wird.
Trotzdem ist es traurig, dass man sich gegenüber seinen eigenen Verbündeten so respektlos, dogmatisch und teilweise schon kindisch verhält. So ein Verhalten spielt nur den prorussischen Kräften in die Hände, wie sie 1945-1989 in der DDR herrschten und die jetzt in Bulgarien das Zepter übernehmen. Demokraten müssen zusammenhalten und auch mal Meinungsverschiedenheiten aushalten – vor allem, wenn man dem gleichen Lager bzw. der gleichen Gruppe angehört. Man muss nicht alles öffentlich diskutieren und kann auch einfach mal konträre Haltungen stehenlassen ohne sich gleich an die Gurgel zu gehen. Da muss sich dringend etwas ändern, sonst werden Leute wie ich auch weiter auf Fake Accounts angewiesen sein und anti-demokratische Kräfte gestärkt hervorgehen.
Marcel Kunz