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IHK-Umfrage: Mehr Bürokratie durch Mindestlohn – Präsident Fichtner warnt vor Stellenabbau

Drei von vier Unternehmen in der Region Stuttgart sind von der  Einführung des Mindestlohngesetzes betroffen. Fast 60 Prozent der Betriebe beklagen Zusatzaufwand im Zusammenhang mit der Dokumentation von Arbeitszeiten. Vor allem mittelständische Betriebe sind überdurchschnittlich stark betroffen. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, an der sich 420 Unternehmen aller Branchen und Größen in der Region Stuttgart beteiligt haben.

In der Gastronomie und Hotellerie sind besonders viele Betriebe von Dokumentationspflichten und Regelungsaufwand, vor allem im Zusammenhang mit Minijobs betroffen, im Verkehrsgewerbe beklagen drei Viertel und im Einzelhandel fast die Hälfte der Befragten bürokratischen Aufwand. Auch Baubranche und Sicherheitsgewerbe melden Mehrarbeit. Dazu kommen viele rechtliche Unsicherheiten bei der Berechnung, zum Beispiel für Weihnachtsgeld oder Sachzulagen, die viele Unternehmen ihren Beschäftigten gewähren.

Besonders bei kleinen und mittleren Betrieben bis 50  Beschäftigte steigen auch die Personalkosten. Im Gastgewerbe klettern die Lohnkosten überdurchschnittlich stark. Demzufolge will im Gastgewerbe und der Verkehrsbranche jedes dritte Unternehmen Personal abbauen. Insgesamt wollen zwölf Prozent der befragten Betriebe Personal kürzen. Rund 40 Prozent der befragten Großunternehmen wollen zudem mit dem Abbau von Praktikumsplätzen auf Mehrkosten und bürokratische Belastungen reagieren.

„Wir wissen von vielen Unternehmen, dass der Mindestlohn ihnen keine zusätzlichen Lohnkosten verursacht, weil sie ohnehin schon Tariflöhne zahlen oder freiwillig über dem Mindestlohn zahlen“, sagt IHK-Präsident Georg Fichtner. „Wenn dennoch zwölf Prozent der Unternehmen Stellen streichen müssen, dann zeigt das, dass der Mindestlohn eben nicht überall einfach über die Preise weitergegeben werden kann. Viele Stellen fallen auch deswegen weg, weil der Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen steht. Das wird auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorübergehen.“

Laut Umfrage wollen viele Betriebe mit Rationalisierungen und Preiserhöhungen reagieren. Das Gastgewerbe rechnet mit deutlich anziehenden Preisen und kürzeren Öffnungszeiten. Ein Teil der Kosten werde – wie zum Beispiel auch im Transportgewerbe – an Geschäftskunden und Verbraucher weitergegeben. Laut Kommentaren der Befragten aus der Umfrage sei es daher blauäugig von der Politik anzunehmen, dass damit der Konsum angekurbelt werden könne.

IHK-Präsident Georg Fichtner fordert von der Bundesregierung Nachbesserungen, um die angespannte Situation in den Unternehmen zu entschärfen. Damit könne nicht bis zum Sommer gewartet werden. Fichtner: „Die völlig überzogenen Dokumentationspflichten sind Gift für den Mittelstand und den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Aufgrund des großen Informationsbedarfs der Unternehmen zum Mindestlohn bietet die IHK Region Stuttgart am 23. Februar von 13 bis 16 Uhr im Stuttgarter IHK-Haus eine Informationsveranstaltung an. Details und Anmeldung auf www.stuttgart.ihk.de/veranstaltungen.

PM

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