Sonne statt Klospülung – „3P Technik Filtersysteme“ in Hausen erfindet umfassendes Sanitärsystem für Drittweltländer

„Das Verblüffende daran ist, dass es so einfach ist“, sagt Jorge Torras-Piqué. Der Geschäftführer der „3P Technik Filtersysteme GmbH“ bezieht sich auf die aktuelle Entwicklung seines Hausener Unternehmens: das Sani Solar Sanitärsystem.

3pTechnik_194Eine Entwicklung, die eigentlich überhaupt nicht zum Portfolio von 3P Technik passt – im Gegenteil: normalerweise gehört Wasser ins Zentrum der Anlagen, Produkte und Dienstleistungen des Hausener Unternehmens mit seinen Regenspeichern und Filtersystemen. So kam es auch, dass Torras-Piqué geschäftlich im Rahmen des brasilianischen Regierungsprojekts „Aqua para todos“ (Wasser für alle) in Brasilien tätig war. „Als ich dort in einem der sehr ländlichen Gebiete mal ‚musste‘, war ich schockiert“, erzählt der umtriebige Unternehmer. Er erfuhr, dass gar keine Toiletten oder extrem schmutzige Stehklos über Gruben der Normalzustand in den „rural areas“, den heißen ländlichen Gebieten waren – mit den entsprechenden Folgen: Fäkalien im Grundwasser, Infektionskrankheiten, Umweltverschmutzung (siehe Extrakasten). „Dazu kommt, dass es Wassertoiletten gibt, aber ohne entsprechende Kläranlagen und Abwassersysteme und vor allem in Gegenden, in denen wir ja waren, um das extrem seltene Regenwasser zu speichern.“

Wo Wasser derart knapp ist, sollte es nicht für die Klospülung verwendet werden, sagte sich der spanisch-schwäbische Tüftler und sein Erfindergeist rumorte. Er holte sich den Biologen und Abwassertechnik-Experten Dr. Jochen Scheerer ins Boot und die beiden fingen an zu experimentieren. Daraus entstand das „Sani Solar Sanitärsystem“, das im Lauf der letzten beiden Jahre am Wohnort Scheerers in Südspanien getestet und schließlich für gut befunden wurde.

Es ist ein autarkes Sanitärsystem für einen Fünf-Personen-Haushalt. Von vorne ähnelt das Sani Solar einer gängigen Baustellen-Toilette. Allerdings funktioniert es ohne Wasserspülung und ohne Chemikalien. Kot und Urin werden mit einem Toiletteneinsatz voneinander getrennt. Der Urin fließt in eine Außeneinheit über eine Spiegelfläche unter Glas. Dort trocknet ihn die Sonne – übrig bleibt hochwertiger geruchsfreier Dünger.

Die Fäkalien landen in einem von vier Eimern, die unter dem Toilettensitz auf einer Drehscheibe montiert sind. Ein Ruck an einem Hebel und schon dreht sich die Scheibe. Damit befindet sich der Eimer direkt in der Sonnenhitze. „Die Sonne trocknet und reduziert den Abfall um 95 Prozent und hygienisiert ihn dabei auch noch“, informiert Jochen Scheerer. Etwa alle fünf Monate müssen die vier Eimer geleert werden. Das ist wegen der Trocknung weder eklig noch aufwändig noch umweltverschmutzend und kann von Laien durchgeführt werden. Scheerer macht auf die aktuellen Milleniumsziele der Vereinten Nationen aufmerksam. „Zu vier der 17 Ziele können wir mit Sani Solar etwas beisteuern: zum Erhalt von Trinkwasser, Sauberhaltung des Grundwassers, den Zugang der armen Bevölkerung zu sanitären Anlagen, zur Gesundheitserhaltung.“

Und das Besondere dabei: die Sani Solar Sanitärsysteme sind autark. Sie können von zwei Personen in drei Stunden aufgebaut werden. Überall.

Info  Weitere Infos unter www.3psanitation.de

 

Info:

Laut Weltgesundheitsorganisation haben 2,4 Milliarden Menschen keine oder eine unwürdige Sanitärversorgung.

960 Millionen Menschen gehen täglich unter freiem Himmel zur Toilette.

601 Kilogramm Abfall in Form von Fäkalien und Urin produziert eine Person pro Jahr.

Dazu kommen 11000 Liter kostbares Trinkwasser als Abwasser.

Beim Sani Solar Sanitärsystem fallen im Jahr lediglich 16,3 Kilogramm Restabfälle an, darüber hinaus entstehen 8,8 Kilogramm Dünger durch Urin.

Keine Chemikalien, kein Wasser, kein Bindemittel: das heißt, keine Umweltverschmutzung, keine Grundwasserverschmutzung

Die Toilettenkabine ist sichtgeschützt und durch das patentierte Belüftungssystem ohne Ventilatoren geruchsarm.

PM

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