Mit dem heute erwarteten Kabinettsbeschluss zur Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) will die Bundesregierung zahlreiche Vorgaben für Rechenzentren abschwächen. So können Amazon, Google und Co. in Zukunft den Energie- und Wasserverbrauch ihrer Rechenzentren unter Verschluss halten und die Pflicht zur Nutzung von Abwärme umgehen. Greenpeace Tech-Expertin Linda Klapdor warnt vor einem rückwärtsgewandten Kurswechsel beim Ausbau der energieintensiven Infrastruktur für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz:
“Anstatt starke Leitplanken für den Bau sauberer Rechenzentren zu setzen, schafft das Kabinett mit der Überarbeitung des Energieeffizienzgesetzes neue Schlupflöcher für Tech-Konzerne. In den USA sehen wir bereits, wie der rasante Ausbau von mit fossilen Energien betriebenen Rechenzentren die Emissionen explodieren lässt. Dieses System dürfen wir in Deutschland nicht kopieren. Die Infrastruktur von morgen darf nicht mit Energien von gestern betrieben werden.
Wenn die Bundesregierung mit der Novelle des Energieeffizienzgesetzes jetzt die Vorgaben aufweicht, verspielt sie die Chance auf einen langfristigen Wettbewerbsvorteil deutscher Rechenzentren. Energieeffiziente Rechenzentren und Transparenz beim Ressourcenverbrauch sind die Voraussetzung für eine klimaverträgliche und damit zukunftsgerechte Digitalisierung – kein Hindernis. Es ist nun Sache des Bundestages, sich klar an den Klimazielen zu orientieren und verlässliche Rahmenbedingungen für den Bau und Betrieb energieeffizienter Rechenzentren zu setzen.“
Hintergrund: Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie des Öko-Instituts für Greenpeace analysiert auf Basis von rund 6700 Rechenzentrums-Standorten weltweit erstmals die realen Emissionen der Branche unter Berücksichtigung lokaler Strommixe. Dabei zeigen sich massive Unterschiede: Während die Emissionen pro Recheneinheit in Europa in den nächsten Jahren aufgrund der fortschreitenden Energiewende sinken, steigen sie in den USA durch den Bau neuer fossiler Kraftwerke zur schnellen KI-Versorgung an. Allein die Marktführer Amazon Web Services, Meta, Google und Microsoft verursachen mit ihren überwiegend in den USA betriebenen Standorten 45 Prozent der weltweiten Emissionen von Rechenzentren. Die Studie “Die regionale Klimakluft von Rechenzentren” online: https://act.gp/4gto8c2
PM Greenpeace Deutschland e.V.