Kreis Göppingen: Zarte Konjunkturerholung erneut unterbrochen Unternehmen im Kreis Göppingen blicken pessimistischer auf die kommenden Monate

Nach einer leichten Erholung zu Jahresbeginn hat sich die wirtschaftliche Lage im Kreis Göppingen zum Frühsommer 2026 wieder eingetrübt. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart für den Kreis Göppingen.

Nachdem der Lageindex zu Jahresbeginn 2026 noch im positiven Bereich lag, ist er mit minus 1,8 Punkten wieder leicht ins Negative gerutscht. Ein nachhaltiger Aufschwung lässt also erneut auf sich warten. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut bewerten, sinkt auf 22,4 Prozent. Gleichzeitig meldet weiterhin rund jedes vierte Unternehmen eine schlechte Lage.

„Die Lage der Göppinger Wirtschaft ist unter anderem durch die Folgen des Konflikts im Nahen Osten spürbar eingebrochen“, sagt die Präsidentin der IHK Bezirkskammer Göppingen, Edith Strassacker. „Eine zuvor erkennbare leichte Stabilisierung ist wieder verloren gegangen.“

In fast allen Kreisen der Region Stuttgart verschlechtert sich die Lage der Unternehmen, wobei im Kreis Göppingen dieser Rückgang nicht so stark ausgefallen ist. Das liegt vor allem an der Industrie, deren schlechte Lagebeurteilung sich vergleichsweise signifikant verbessert hat. Mit Blick auf die anderen Branchen leiden vor allem die Dienstleister und der Handel sowohl in Göppingen als auch in der Gesamtregion.

Negativ fallen auch die Geschäftserwartungen aus. Der Erwartungsindikator verschlechtert sich erneut deutlich. Die schwierigen Exportaussichten spielen hier eine wesentliche Rolle. Fast jedes dritte Unternehmen rechnet mit schlechteren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten – deutlich mehr als noch zu Jahresbeginn. Vor allem der Handel und die Dienstleister blicken pessimistischer auf die nächsten Monate. In der Industrie im Kreis Göppingen hält die positive Stimmung dagegen zunächst an. Im Vergleich zu anderen Landkreisen zeigt sich hier mehr Optimismus.

Die zuletzt positiven Impulse aus dem Auslandsgeschäft fehlen zum Frühsommer. Der zu Jahresbeginn noch positive Trend bei den Exporterwartungen hat sich umgekehrt: Die Erwartungen liegen wieder im negativen Bereich. Vor allem Handel und Dienstleister leiden unter den unsichereren internationalen Rahmenbedingungen. Jedes vierte Industrieunternehmen rechnet mit fallenden Exporten. Die Effekte aus dem Abschluss neuer Handelsabkommen sind quasi verpufft. „Umso wichtiger ist es, die Unternehmen am Standort zu entlasten und vor Ort stabile Rahmenbedingungen zu bieten“, betont Strassacker. Der leitende IHK – Geschäftsführer in Göppingen, Gernot Imgart, ergänzt: „Jegliche Erhöhung der Abgabenlast, insbesondere bei der lokalen Gewerbesteuer, wäre für viele Unternehmen untragbar und würde die schlechte wirtschaftliche Situation weiter verschärfen.“

Die Investitionen bei den Betrieben im Kreis Göppingen stagnieren weiter auf niedrigem Niveau. Beim Handel verschlechtert sich die Investitionsbereitschaft deutlich. „Einziger Lichtblick ist derzeit die Industrie, in der wieder mehr Betriebe Investitionsspielräume sehen.“ so Strassacker. „Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie fragil der leichte Aufwind der letzten Monate war. Die Unternehmen stehen wieder einmal vor neuen Herausforderungen, die sich negativ auf die Geschäfte auswirken“, fasst Strassacker zusammen. „Entscheidend sind nun verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Hürden und wettbewerbsfähige Kosten. Der kürzlich abgeschlossene Koalitionsvertrag unserer neuen Landesregierung in Baden-Württemberg sollte dabei die Basis schaffen, um möglichst schnell ein verlässliches und stabiles Umfeld für die Unternehmen zu sichern.“

Die Ergebnisse für den Kreis Göppingen im Einzelnen: Geschäftslage: Schlechte Einschätzungen der Lage überwiegen Beim Blick auf die Göppinger Gesamtwirtschaft hat sich das Vorzeichen wieder gedreht: Nachdem die Gesamtlage zu Jahresbeginn 2026 noch ein Ende der Talsohle andeutete, liegt der Gesamtindex zum Frühsommer 2026 mit minus 1,8 Punkten wieder im negativen Bereich. Der Anteil der Unternehmen, die die Lage als gut bewerten, ist gegenüber der Umfrage zu Jahresbeginn von 30,2 Prozent auf 22,4 Prozent gesunken – der niedrigste Wert seit drei Jahren. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53,4 Prozent; +8,7 Prozentpunkte), schätzen diese nur noch als befriedigend ein. Der Anteil der Unternehmen, die die Lage als schlecht bewerten ist dagegen ebenfalls leicht gesunken: von 25,1 auf 24,2 Prozent. Damit fällt der Lageindex, der Saldo aus guten und schlechten Meldungen, in den negativen Bereich auf minus 1,8 Punkte (Vergleich Jahresbeginn: Mit 5,1 Punkten noch im positiven Bereich). Beim Blick auf die Branchen ist im Frühsommer ausnahmsweise nicht die Industrie im Kreis Göppingen das Sorgenkind. Im Gegenteil: zum ersten Mal seit über drei Jahren schätzt die Industrie die Lage optimistischer ein. Dienstleister und Handel dagegen stehen unter besonderem Druck. In beiden Branchen zeigt sich ein deutlicher Rückgang in der Geschäftslage im Vergleich zum Jahresbeginn. Geschäftserwartungen: Trübe Aussichten Auch bei den Geschäftserwartungen melden die Unternehmen schlechtere Aussichten: 13,7 Prozent der Unternehmen geben an, dass sich ihre Geschäfte in den nächsten 12 Monaten verbessern werden (zu Beginn des Jahres 2026 waren es noch 15,9 Prozent). Schlechtere Geschäfte erwarten 32,4 Prozent und damit deutlich mehr Unternehmen als noch zu Jahresbeginn mit 25,7 Prozent. Damit verschlechtert sich der IHK-Indikator bei den Geschäftserwartungen insgesamt von minus 9,8 auf minus 18,7 Punkte, beeinflusst vor allem durch die negativen Exporterwartungen. Neben der Lage erholen sich auch die Geschäftserwartungen bei den Industrieunternehmen im Kreis Göppingen: Der IHK-Indikator steigt von minus 6,7 Punkten zu Jahresbeginn auf plus 4,0 Punkte – der beste Wert seit drei Jahren. 24,0 Prozent der Produktionsbetriebe haben positive Geschäftserwartungen. Der Wert hat sich gegenüber dem Jahresbeginn mehr als verdoppelt (Jahresbeginn 11,7 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit schlechteren Erwartungen erhöht sich allerdings auch leicht: von 18,3 Prozent auf 20,0 Prozent. Dieses Auseinanderlaufen der Erwartungen innerhalb der Industrie deutet auf eine selektive Erholung hin, nicht auf einen breiteren Aufschwung. Im Vergleich mit der Gesamtregion Stuttgart steht die Industrie im Landkreis Göppingen mittlerweile leicht besser da: Hier liegt der Erwartungsindex der Industrie bei 3,1 Punkten (Göppingen 4,0 Punkte). Auftragseingang: Leichte Erholung auf niedrigem Niveau Die Auftragseingänge entwickeln sich leicht positiv zum Frühsommer. Zwar melden die Unternehmen mit minus 14,3 Punkten in Summe immer noch eine negative Tendenz, allerdings etwas besser als noch zu Jahresbeginn (minus 16,7 Punkte). Auch die Anteile der Unternehmen mit steigenden, gleichbleibenden beziehungsweise sinkenden Auftragseingängen bleiben annähernd gleich. Beim Blick auf die Branchen zeigt sich einzig bei der Industrie eine bessere Entwicklung gegenüber dem Frühsommer. Der Wert steigt im negativen Bereich von minus 9,8 auf minus 1,4 Punkte. Ursache dafür könnten mögliche Lageraufstockungen im Zuge des Konflikts im Nahen Osten sein. Bei Dienstleistern und Handel verharren die Auftragseingänge im deutlich negativen Bereich. Trendumkehr bei den Exporterwartungen Die Exporterwartungen, die bei den letzten Umfragen wesentlicher Treiber für eine gute Entwicklung waren, sind wieder pessimistischer. Das bremst auch die global agierende Wirtschaft im Filstal. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Auslandserwartungen verbessert sich zwar leicht von 24,6 Prozent auf 27,8 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit fallenden Erwartungen steigt aber gleichzeitig deutlich (von 13,0 Prozent auf 30,5 Prozent). Die Erwartungen verschlechtern sich damit unterm Strich deutlich. Der Exportindikator liegt mit minus 2,7 Punkten im negativen Bereich, zu Jahresbeginn lag der Wert mit 11,6 Punkten noch im positiven Bereich. Ein Blick in die Branchen: In der Industrie folgen die Exporterwartungen nicht dem positiven Trend der gesamten Erwartungen und reflektieren damit die wieder etwas unsichereren Rahmenbedingungen für die Industrie im internationalen Umfeld. Innerhalb der Industrie gibt es deutliche Unterschiede: Mit 38,1 Prozent deutlich mehr Industrieunternehmen melden steigende Exporterwartungen (Jahresbeginn: 30,0 Prozent). Die fallenden Meldungen erhöhen sich aber zeitgleich deutlich um 17,4 Prozentpunkte und steigen damit auf 25,4 Prozent. Der IHK-Exportindikator verschlechtert sich in Summe in der Industrie um 9,3 Punkte von 22,0 zu Jahresbeginn auf 12,7 Punkte zum Frühsommer. Investitionen: Stagnation im negativen Bereich Wie bei den anderen Indikatoren zeigt die Kurve auch bei den Investitionen nach unten – für alle Branchen außer die der Industrie. In Zahlen drückt sich das bei den Planungen in den nächsten 12 Monaten so aus: Zwar wollen 27,2 Prozent der Unternehmen mehr investieren (Jahresbeginn: 23,9 Prozent). Noch mehr Unternehmen (36,2 Prozent; fast 10 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn) allerdings melden sinkende Investitionsvolumina. In Summe führt das zu einer Verschlechterung des Gesamtindikators von minus 2,9 auf noch knapp minus 9,0 Punkte seit der letzten Erhebung zu Jahresbeginn. Mehr Investitionen in Kapazitätserweiterung Die Unternehmen investieren zum Frühsommer 2026 weiterhin überwiegend in die Themen Ersatzbedarf (63,0 Prozent) sowie Digitalisierung (54,2 Prozent). Beide Kategorien sind leicht rückläufig gegenüber der letzten Umfrage vom Jahresbeginn 2026. Wieder mehr Gewicht hat als Investitionsmotiv das Thema Umweltschutz sowie Energieeffizienz gewonnen. Die Nennungen steigen hier von 14,7 Prozent auf 21,1 Prozent. Auch wieder etwas mehr Unternehmen nennen Innovation als Investitionsmotiv (39,1 Prozent zum Frühsommer gegenüber 35,2 Prozent zu Jahresbeginn). Eine überraschend positive Entwicklung zeigt sich bei den Investitionen in Kapazitätserweiterung. Diese verdoppeln sich fast gegenüber der letzten Umfrage im Frühjahr (von 13,2 auf 25,3 Prozent). Beschäftigungserwartung weiterhin auf niedrigem Niveau Im Vergleich zu den anderen Konjunkturindikatoren zeigt die Beschäftigungserwartung in die positive Richtung, allerdings auf niedrigem Niveau. Nur 13,5 Prozent der Unternehmen sehen in den nächsten 12 Monaten einen steigenden Bedarf (zu Jahresbeginn 2026 waren es 14,3 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit einer fallenden Beschäftigungserwartung hat sich zum Frühsommer aber wieder verringert (von 33,7 auf 29,8 Prozent). Etwas mehr als jedes zweite Unternehmen im Filstal möchte die Beschäftigung weiterhin stabil halten (plus 4,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn). Damit steigt der IHK-Beschäftigungsindikator leicht auf minus 16,3 Punkte (Jahresbeginn minus 19,3 Punkte). Der Arbeitsmarkt bleibt weiter angespannt. Geschäftsrisiken: Energiekosten sind das Top-Risiko der Unternehmen im Kreis Göppingen Wie bei jeder IHK-Konjunkturumfrage wurden die Unternehmer auch nach den größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung gefragt. Die anhaltenden Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten führen wenig überraschend zu erhöhten Unsicherheiten an den Energiemärkten: Für die Unternehmen rücken die Energiekosten mit 61,8 Prozent auf den ersten Platz der Risiken (zu Jahresbeginn noch 36,9 Prozent). Die beiden bisherigen Top-Risiken Inlandsnachfrage und Arbeitskosten verlieren dabei etwas an Wichtigkeit. Beide sinken deutlich (Inlandsnachfrage minus 12,1 Prozent, Arbeitskosten minus 9,5 Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn). Neben den Energiekosten verstärken sich auch die Risiken für geopolitische Spannungen bei den Unternehmen (von 34,7 auf 51,2 Prozent) sowie Rohstoffkosten (von 29,1 auf 40,5 Prozent) und rücken auf den vierten beziehungsweise fünften Platz. Vor diesem Hintergrund verliert auch der Fachkräftemangel an Bedeutung. Zu Jahresbeginn noch mit 39,0 Prozent auf dem vierten Rang, rutscht er ab auf den siebten Rang (27,7 Prozent).

PM IHK Region Stuttgart Bezirkskammer Göppingen

 

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