Lidl-Kampagne zu Einweg-Plastikflaschen: Deutsche Umwelthilfe geht rechtlich gegen den Vorwurf von Falschbehauptungen gegen den Discounter vor

  • DUH hatte Lidl darauf hingewiesen, dass ihre von Günther Jauch beworbene Einweg-Plastikflasche mit bis zu zehn Jahre alten Durchschnittswerten von Mehrwegflaschen verglichen wurde
  • DUH hatte ebenfalls darauf hingewiesen, dass der Einsatz der speziellen Lidl-Einweg- Plastikflaschen keine allgemeingültige Lösung für alle PET-Einwegsysteme im deutschen Markt sein kann
  • Lidl hat dagegen den Vorwurf „erneuter Falschbehauptungen“ erhoben, obwohl sich die Richtigkeit der Äußerungen aus einer durch Lidl eingeholten Studie ergibt; die DUH hat Lidl zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert
  • DUH hat bereits mehrfach erfolglos den Lidl-Vorstand und Günther Jauch zu einem Gespräch in einen regionalen Mineralwasser-Betrieb, der in Mehrweg abfüllt, eingeladen

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht rechtlich gegen den durch Lidl geäußerten Vorwurf „erneuter Falschbehauptungen“ im Zusammenhang mit dessen Einweg-Kampagne vor. Lidl wirbt seit Wochen mit einem Millionenetat für Einweg-Plastikflaschen mit der Behauptung, ihre Einweg-„Kreislaufflasche“ aus Plastik sei mindestens ökologisch gleichwertig mit vergleichbaren Mehrwegflaschen. Das durchsichtige Ziel dieser Kampagne ist nach Ansicht der DUH der Versuch, die Bundesregierung von einer Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben gegen Einweg-Verpackungen im Getränkebereich und für einen besseren Mehrwegschutz abzubringen. Zuletzt hatte sich EU-Vizekommissionspräsident Timmermanns auf europäischer Ebene für verbindliche Mehrwegvorgaben ausgesprochen. Umweltministerin Steffi Lemke muss auf den aktuellen Verstoß von Unternehmen wie Lidl reagieren, die die gesetzliche Mehrweg-Zielquote von 70 Prozent aus dem Verpackungsgesetz dadurch hintertreiben, dass sie in Deutschland keine Getränke in Mehrweg anbieten.

Die DUH kritisierte die bisher massivste Einweg-Plastikkampagne unter anderem wegen der Nutzung von zum Teil bis zu zehn Jahre alten Durchschnittsdaten aus dem Mehrwegbereich. Aus Sicht der DUH müsste ein Best-Practice-Beispiel im Einwegbereich mit einem entsprechenden Best-Practice-Beispiel im Mehrwegbereich verglichen werden. Ebenso wies der Umwelt- und Verbraucherschutzverband auf die fehlende Übertragbarkeit des Lidl-Recyclingsystems auf alle anderen Einweg-Flaschensysteme hin. Darauf reagierte Lidl am 10. Mai 2023 mit einer Pressemitteilung und warf der DUH darin die Verbreitung von Falschbehauptungen vor. Die DUH bekräftigt alle bisherigen Kritikpunkte an Lidls Einweg-Plastikflaschen als sachlich richtig und reagierte nun mit der Aufforderung an Lidl zur Abgabe einer Unterlassungserklärung.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Zunehmend dünnhäutig reagiert Lidl auf unseren Faktencheck. Dabei sehen wir unsere Kritik an Lidls Einweg-Plastikflaschen sogar durch die vom Discounter vorgelegten Veröffentlichungen bestätigt. Lidl hat sich mit seinem spezifischen Einweg nachweislich nicht mit Top-Performern im Mehrwegbereich verglichen. Für die Bewertung des speziellen Lidl-Einwegsystems wurden bis zu zehn Jahre alte Mehrweg-Durchschnittsdaten herangezogen. Zudem kann der von Lidl beworbene Einsatz von 100 Prozent Recyclingmaterial im deutschen Markt systembedingt nicht für alle Marktteilnehmer erreicht werden, weil bei Recyclingprozessen bis zu fünf Prozent des Materials verloren gehen können. Dass Lidl diese Fakten als falsche Behauptungen kritisiert, grenzt an Realitätsverweigerung. Denn es handelt sich um Ergebnisse einer Ökobilanz, die der Discounter selbst beim Ifeu-Institut in Auftrag gegeben hat. Wir begrüßen die Möglichkeit, im Rahmen der von uns begonnenen rechtlichen Auseinandersetzung unsere Kritik an der Einwegplastik-Lobbyarbeit des Discounters Lidl zu untermauern.“

Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der DUH: „Das System von Lidl hat erhebliche Nachteile. Da die ‚Kreislaufflaschen‘ auch bei anderen Händlern zurückgegeben werden können, ist ein in sich geschlossener Lidl-Kreislauf nicht möglich. Hinzu kommt, dass Lidl blau und grün eingefärbte Einweg-Plastikflaschen verwendet. Die meisten Abfüller nutzen jedoch transparentes PET für ihre Flaschen. Werden von Lidl verkaufte Einwegflaschen bei anderen Händlern zurückgegeben, können andere Einweg-Anwender dieses Material nicht einsetzen. Daher wird es oft an Hersteller anderer Kunststoffprodukte verkauft und downgecycelt. Ein echter Flaschen-Recyclingkreislauf wird so verhindert. Lidl trägt daher mit seinen Farbflaschen dazu bei, dass der selbst beworbene 100 prozentige Recyclingansatz nicht auf alle anderen Marktakteure übertragbar ist.“

Trotz mehrmaliger Einladung an den Lidl-Vorstand Gerd Chrzanowski und das Gesicht der Plastikflaschen-Kampagne Günther Jauch zu einem Gespräch in einem regionalen Mineralbrunnenbetrieb in Baden-Württemberg ist es bisher nicht gelungen, einen Termin zu finden. Die DUH ist gern bereit, einen dritten oder vierten Terminvorschlag zu unterbreiten, um ein Gespräch über einen korrekten Vergleich der Verpackungssysteme und deren Umweltauswirkungen zu führen.

Hintergrund:

Die DUH wirbt für den Erhalt eines regional strukturierten Getränkemarktes mit Limonaden- und Mineralwasserabfüller, die in 8.000 Abfüllbetrieben und mit mehr als 145.000 Arbeitsplätzen nicht nur kurze Wege zwischen Abfüller, Getränkefachhandel und Kundinnen und Kunden vorweisen, sondern gleichzeitig durch eine bis zu 50-malige Verwendung der Mehrwegflaschen die Umweltauswirkungen minimieren. Anders als die meisten anderen Länder verfügt Deutschland auch durch die Mehrweg-Schutzquote über eine weltweit einzigartige Getränkevielfalt und viele grüne Jobs in ländlichen Regionen. Discounter wie Lidl stehen hingegen für wenige in Einweg-Plastik abgefüllte Einheitsprodukte und eine geringe Zahl an Abfüllanlagen, in denen vergleichsweise wenige Menschen Arbeit finden.

Links:

PM Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)

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